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Bienenstock als kleine Arzneifabrik

Imkerei-Kreisverein Bienenstock als kleine Arzneifabrik

Honig ist nicht nur etwas für Leckermäuler, sondern auch ein medizinisches Multitalent. Das erfuhren die Besucher der Jubiläumsfeier der Biedenkopfer Imker.

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Dr. Winfried Winter verblüffte mit seinem Referat darüber, wie vielfältig Bienenprodukt in der Medizin eingesetzt werden.

Quelle: Sascha Valentin

Friedensdorf. In einem Vortrag berichtete Hausarzt Dr. Winfried Winter über den Einsatz von Honig bei Beschwerden und Krankheiten. Zwar werde die Apitherapie – so bezeichnet man die medizinische Verwendung von Bienenprodukten – seit einigen Jahren verstärkt wissenschaftlich untersucht, doch sei Deutschland diesbezüglich noch immer ein Entwicklungsland, sagte Winter.

In Russland, China und Ägypten gebe es spezielle Krankenhäuser, die ihre­ Patienten erfolgreich mit der Apitherapie behandelten. Auch Winter selbst greift in seiner Praxis immer wieder zu Honig und anderen Bienenprodukten, um Patienten bei verschiedenen Leiden Linderung zu verschaffen. „Jedoch nur bei Mitteln, deren Wirkung durch Studien belegt sind“, betonte der Mediziner.

Bekanntestes Beispiel ist der Einsatz von Honig bei Erkältungskrankheiten. Was der Volksmund schon immer wusste, wurde jüngst auch durch ­eine US-Studie belegt: Honig ist bei Kindern das effektivste schleimlösende Mittel. Zusammen mit einem befreundeten Apotheker stellte Winter deswegen einen eigenen Thymian-Honig-Hustensaft her, der in seiner Heimat Seligenstadt verkauft wird.

Supermedizin: Manukahonig, Propolis und Gelee Royale

Ebenso kann Honig auch zur Wundbehandlung eingesetzt werden – zum Beispiel bei offenen Beinen, Verbrennungen, Schürfwunden und sogar zur Hautschutz-Prophylaxe bei der Strahlentherapie. ­
Medizinisch zugelassen sei derzeit jedoch nur der aus der Südsee stammende Manukahonig, der als „Medihoney“ vertrieben wird. Er besitzt laut Winter ­eine enorme antibakterielle Wirkung.

Neben Honig finden auch ­andere Bienenprodukte medizinische Verwendung. Zum Beispiel Propolis, eine harzartige Masse, die Bienen verwenden, um kleine Ritzen und Löcher in ihren Stöcken abzudichten. Propolis sei ein Superantibiotikum, erklärte Winter: „Es ist die einzige derzeit bekannte Substanz, die gegen Viren, Bakterien und Pilze gleichzeitig wirkt und bei der keine Resistenz bekannt ist.“ Propolis könne bei einer Vielzahl Beschwerden angewendet werden – sowohl innerlich, als auch äußerlich.

Auch das Gelee Royale der Bienen sei ein kleines Multitalent, wie Winter es nannte: „Es enthält alle für den Menschen lebensnotwendigen Stoffe in vollendeter Zusammensetzung.“ Bei klimakterischen Beschwerden wie Hitzewallungen oder übermäßigem Schwitzen helfe es, ebenso wenn es gilt, die Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu reduzieren.

Kritik an Pharmaindustrie

Die von Bienen gesammelten Blütenpollen wiederum können zusammen mit regional hergestelltem Honig zur Desensibilisierung bei Allergien eingesetzt werden. Dazu nehmen die Betroffenen in steigernder Dosis jeweils Honig und bis zu ­einem Teelöffel Pollen zu sich, auf denen sie herumkauen – natürlich nur unter Aufsicht eines Arztes, da allergische Reaktionen auftreten können. Darüber hinaus stellten Blütenpollen für Vegetarier und Veganer einen Fleischersatz dar, sagte Winter. 100 Gramm von ihnen enthalten nämlich ebenso viel Protein wie 100 Gramm Rindfleisch.

Selbst Bienengift besitzt ­eine medizinische Wirkung und wird zum Beispiel bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Früher habe es sogar einmal eine sehr wirksame Salbe auf Bienengiftbasis gegeben, erzählte­ Winter. Diese sei jedoch 
irgendwann vom Markt genommen worden – nicht aus medizinischen Gründen, sondern weil das Pharmaunternehmen stattdessen eine chemisch hergestellte Salbe vertrieb. Ohnehin sieht Winter in der Pharmaindustrie einen wesentlichen Störfaktor bei der größeren Verbreitung der Apitherapie.

Der Fall mit der Salbe sei nur ein Beispiel dafür, wie die Verbreitung und Anerkennung dieser Therapieform immer wieder behindert werde. Ein anderes ist, dass gezielt Studien behindert werden – etwa zum Einsatz von Bienenstockluft als Inhalationsmittel gegen Bronchitis, Asthma oder chronische Kopfschmerzen. Die Wirksamkeit sei laut Winter jedenfalls schon mehrfach bestätigt worden.

von Sascha Valentin

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