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Hessenticket sorgt für Unmut

Elterninitiative Hessenticket sorgt für Unmut

Das neue Hessenticket benachteilige Schüler, die nach Bad Laasphe in die Schule gehen, ist eine Elterninitiative überzeugt. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow verspricht Besserung.

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Andreas Malecha (links), einer der Köpfe hinter der Elterninitative, und der Erste Kreisbeigeordnete und ÖPNV-Dezernent Marian Zachow diskutieren in Friedensdorf über das Hessenticket.

Quelle: Christian Röder

Friedensdorf. 526 Jugendliche aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf gehen aktuell auf eine der beiden Schulen in Bad Laasphe, auf das Städtische Gymnasium oder auf die Realschule Schloss Wittgenstein. Deren Eltern sind es, die nun ob der Einführung des neuen Schülertickets Hessen auf die Barrikaden gehen.

Grundsätzlich ist es eine tolle Sache: Für 365 Euro können Besitzer des neuen Tickets mit allen Bussen, S-Bahnen, Straßen­bahnen, U-Bahnen und Regionalzügen in Hessen und in Mainz fahren - in den drei Tarifgebieten von Nordhessischer Verkehrsverbund (NVV), Rhein-Main-Verkehrsbund (RMV) und Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN).

In bestimmten Gebieten, sogenannten Übergangstarifgebieten, ist es auch möglich, das hessische Schülerticket über die Landesgrenzen hinweg zu nutzen - aber nur bis zu ganz bestimmten Punkten. Für die Causa interessant ist die Ausweitung bis Niederlaasphe, welches im Tarifgebiet der Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd (VGWS) liegt. Bis nach Bad Laasphe, also bis zu dem Schulstandort von 526 Jugendlichen aus dem Hinterland, gilt das Hessenticket hingegen nicht.

Ein Schüler, der beispielsweise aus Dautphetal stammt, kann etwa wie bisher die CleverCard für 878,10 Euro kaufen. Oder aber eine Kombi aus Hessenticket (365 Euro) plus eine „relationsgebundene Fahrkarte für die Weiterfahrt nach Bad Laasphe“ (453,50 Euro), erklärt RMV-Sprecher Maximilian Meyer auf Anfrage. Die Kosten für das hessenweite Schülerticket werden vom Schulwegkostenträger, sprich dem Landkreis, erstattet.

453 Euro mehr für drei Kilometer Strecke

Eine Elterninitiative, die sich seit Bekanntwerden dieser Regelung gegründet hat, fordert nun, dass das Hessenticket ausreicht, um bis nach Bad Laasphe zu kommen. De facto würden die betroffenen Schüler für die Wegstrecke von Niederlaasphe nach Bad Laasphe - knapp drei Kilometer oder sechs Minuten Fahrzeit - bis zu 453 Euro mehr zahlen müssen. „Ein Unding“, finden die Sprecher der Initiative, wie der Friedensdorfer Andreas Malecha. „Wir wollen eine schnelle Übergangslösung.“

Zu diesem Zweck hat die Initiative Anfang dieser Woche eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. Und am Mittwochabend gab es in Friedensdorf einen Infoabend. Dadurch wollen die Initiatoren ins Gespräch kommen - bestenfalls mit Verantwortlichen der Verkehrsverbünde. Ihre Hoffnung: Eine Neuregelung für die betroffenen Schüler; möglichst zum Start des neuen Schuljahres.

Außer Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt (FW) ist auch sein Steffenberger Kollege Gernot Wege (parteilos) vor Ort - und Erster Kreisbeigeordneter und ÖPNV-Dezernent Marian Zachow (CDU). Der gelobt Besserung: Mit Hochdruck arbeite man an einer Lösung für das „Bad-Laasphe-Problem“.

Zachow sagt: „Der Wille ist da, jetzt geht es darum, die Detailfragen zu klären, wie man es umsetzen kann.“ Er macht Hoffnung auf eine Art Kompromisslösung: Eltern sollten demnach das Schülerticket Hessen plus einen „überschaubaren Aufpreis“ zahlen, damit ihre Kinder bis nach Bad Laasphe fahren können - egal ob sie dabei aus Richtung Wallau mit dem Zug oder aus Richtung Achenbach mit dem Bus kommen.

Lösung: Schülerticket plus Zwölf-Euro-Monatskarte

Bis wann es so weit sein soll? „Wir arbeiten mit Hochdruck daran und hoffen, dass wir bis zum Schuljahr 2018/19 eine Lösung präsentieren können“, so Zachow. Das hieße für die Eltern: Ein Schuljahr in den sauren Apfel beißen und gut 820 Euro zahlen, von denen die meisten 365 Euro vom Kreis zurückbekommen. Das sorgt für Unmut im gut gefüllten Bürgerhaus in Friedensdorf. Rund 90 Eltern sind vor Ort - und sie hätten am liebsten, dass Zachow hier und jetzt verkündet, dass das Hessenticket bis nach Bad Laasphe gilt. Er wirbt für Verständnis: Man müsse das technisch prüfen, eine Einigung über die Tarifvergütung mit anderen Verkehrsverbünden treffen.

„Sie vertrösten uns hier mit einem Jahr Wartezeit“, schallt es aus den Reihen der Eltern. „Eine Megasauerei!“ Ein anderer ruft: „Al-Wazir und Schäfer müssten sich zusammensetzen und das auf dem kurzen Dienstweg klären.“ Und: „Der Zug fährt doch sowieso. Warum wird es nicht einfach geduldet, wenn man ein Hessenticket hat“, kommt es aus der anderen Ecke. Die Eltern fragen sich und Zachow: „Wo ist hier die Gerechtigkeit?“

Was deutlich wird: Die Eltern sind durchaus bereit, etwas mehr zu zahlen als nur das Hessenticket. Wohlgemerkt, „etwas“ - und nicht mehr als 400 Euro. Und das am liebsten schon zu dem nach den Sommerferien startenden Schuljahr 2017/18.

Schulleiter schlägt "Bestandsschutz" vor

Karsten Holz, Leiter des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe, ist auch vor Ort. Er will wissen, ob es nicht möglich sei, für die Eltern, die ihre Kinder nach den Sommerferien ins Nachbarbundesland auf die Schule schicken, eine Art Bestandsschutz zu erwirken, bis die Sache letztlich geklärt ist. Zachow verspricht, diesen Vorschlag mitzunehmen. Ihn umsetzen kann er ad hoc nicht - natürlich nicht: Zachow ist nur eine von 27 Stimmen im RMV-Aufsichtsrat.

Eine mögliche Lösung kommt von einem anwesenden Elternteil. Sie habe das Schülerticket Hessen beantragt sowie zusätzlich eine monatliche Fahrkarte für das Stadtgebiet Bad Laasphe. Dieses müsse individuell zwischen Schule, Stadt und Schüler beantragt und vereinbart werden. Die monatlichen Kosten: zwölf Euro.

„Wenn es ein bestehendes Produkt vom VGWS gibt, besteht vielleicht die Möglichkeit, es für alle Schüler, die aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf nach NRW gehen, zu öffnen“, sagt Zachow. Er macht sich eifrig Notizen, Schulleiter Holz auch. Bis Ende dieses Monats wollen sie klären, ob das tatsächlich so ohne Weiteres möglich ist. 365-Euro-Hessenticket plus zwölf Euro monatlich - das wären offensichtlich alle in Friedensdorf anwesenden Eltern bereit zu zahlen.

von Christian Röder

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