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Gefährliche Fahrt mit Alkohol

Aus dem Amtsgericht Gefährliche Fahrt mit Alkohol

Eine halsbrecherische Fahrt endete im Februar an einer Polizeisperre und nun vor dem Amtsgericht.

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Ein 29-jähriger Hinterländer muss wegen einer Trunkenheitsfahrt eine Strafe von 5200 Euro zahlen.

Quelle: Hofschlaeger / pixelio.de

Marburg. Mit reichlich Alkohol im Blut überholte ein 29-Jähriger in Dautphetal im Februar erst einen Zivilpolizisten und raste dann mit mehr als 100 Stundenkilometern durch Orte. Das Marburger Amtsgericht verurteilte den Hinterländer am Mittwoch zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen, insgesamt 5200 Euro.

Der Angeklagte gestand, alkoholisiert Auto gefahren zu sein. Er kam an jenem Nachmittag von einer Familienfeier, bei der er drei bis vier Gläser Wein getrunken habe. „Ich war mir nicht bewusst, dass ich einen solchen Promillewert hatte“, beteuerte er. Auf einer nicht ganz übersichtlichen Stelle, die er falsch eingeschätzte, überholte er ein langsameres Auto. In dem zivilen Dienstwagen saß ein Kriminalpolizist.

Er sei gerade auf ein langsameres Fahrzeug aufgefahren, als der Angeklagte mit hoher Geschwindigkeit ankam und zum Überholen ansetzte, berichtete der Polizist. Ein Wiedereinscheren sei nur durch sein starkes Abbremsen möglich gewesen. „Es gehört nicht zu meinen ersten Aufgaben, Verkehrsverstöße zu ahnden“, so der Kriminalbeamte. Trotzdem sei er dem jungen Mann hinterhergefahren, um ihn auf sein verkehrsgefährdendes Verhalten aufmerksam zu machen.

In den nächsten Ort fuhr der Angeklagte mit etwa 100 Stundenkilometern ein, weil der Polizist, den er als solchen nicht erkannte, dicht aufgefahren sei. „Man kann ja auch befürchten, dass sich jemand revanchieren will, vielleicht auch mit Gewalt“, argumentierte Verteidiger Matthias Feltz.

Führerschein für zwei Jahre weg

Bis ihn in seinem Heimatort Uniformierte anhielten, habe er nicht gewusst, dass der Verfolger Polizist ist, so der Angeklagte. Schon in dem ersten Ort, so der Zeuge, habe er das eingeschaltete Blaulicht auf das Dach gesetzt, kurz darauf sei er mit Martinshorn neben den Mann gefahren und habe ihm auch die Haltekelle gezeigt, was der Angeklagte nicht bemerkt haben will. Dieser habe ihn angeschaut und sei daraufhin noch schneller geworden. „Dann ging die blöde Hatz los“, sagte der Zeuge. Weil es zu gefährlich wurde, der Hinterländer sei bei feuchter Fahrbahn auch in Kurven weit mehr als 100 Stundenkilometer gefahren, habe er abreißen lassen.

Angeklagt war eine vorsätzliche Trunkenheitsfahrt und grob verkehrswidriges Überholen mit akuter Gefährdung von Gesundheit und Leben anderer. Richterin Barbara Steinmann, die den 29-Jährigen wegen fahrlässiger gefährlicher Straßenverkehrsgefährdung verurteilte, folgte jedoch teilweise der Argumentation von Verteidiger Feltz, der darauf verwies, dass sich sein Mandant seiner Alkoholisierung nicht bewusst gewesen sei.
Nicht folgen wollte sie seinen Argumenten, dass der Gegenverkehr beim Überholvorgang nicht gefährdet war, nur weil es keine Anzeige gegeben habe. „Es war ein klassischer Fast-Unfall, bei dem zum Glück nichts Schlimmeres passiert ist“, so die Richterin.

Zwei Jahre darf der Verurteilte keinen Führerschein mehr erwerben, Feltz hatte auf zehn Monate plädiert. Das, so Steinmann, sei auch im Verhalten nach dem Überholmanöver begründet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Heiko Krause

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