Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Spaß am Ehrenamt steckt an

Freiwilligenagentur Spaß am Ehrenamt steckt an

Wie lassen sich neue und vor allem junge Mitglieder für die Vereinsarbeit gewinnen? Dieser Frage ist Katja Kirsch von der Freiwilligenagentur des Landkreises in einem Impulsvortrag in Dautphetal nachgegangen.

Voriger Artikel
Bummelzug verabschiedet „Frau Bernsi“
Nächster Artikel
Buchenau gewinnt Wasserschlacht

Dautphetalschüler, die sich während des vergangenen Halbjahres unter dem Dach der gleichnamigen Leitstelle „Freiwillig aktiv“ in vielfältiger Weise sozial engagiert haben, erhielten sie nun ihre Zertifikate.

Quelle: Sascha Valentin

Friedensdorf. Sinkende Mitgliederzahlen und nachlassendes Interesse an Vorstandsposten stehen auf der einen Seite. Dem gegenüber gebe es etliche neue Vereinsgründungen und ehrenamtliches Engagement in neuen Bereichen wie etwa der Flüchtlingshilfe. So stellte Katja Kirsch zum Auftakt ihres Vortrags die Ist-Situation im Vereinswesen dar. Die Ergebnisse aktueller Untersuchungen zeigten dabei, dass die Menschen nicht mehr in dem Maße bereit seien, dauerhafte Verpflichtungen einzugehen, wie dies früher einmal bei der Vereinsarbeit der Fall gewesen sei, erklärte die Mitarbeiterin der Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf.

Sehr wohl unterstützt werde hingegen projektbezogenes Engagement zu Themen, die den Einzelnen persönlich angingen. Dabei gehe es um das Verwirklichen eigener Interessen ebenso wie um die Hilfe für andere, betonte Kirsch. Vereinsarbeit stelle deswegen heute mehr denn je einen Spagat zwischen Egoismus und Altruismus dar. Für die Vereine sei es erst einmal wichtig, aktive Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Sich im Internet und den Sozialen Netzwerken darzustellen, sei unerlässlich, um auf sich und seine Arbeit aufmerksam zu machen, sagte Kirsch.

Kirsch: Voneinander lernen und sich vernetzten

Dennoch bleibe die persönliche Ansprache die erfolgreichste Methode, wenn es darum geht, ehrenamtliche Helfer zu gewinnen. In Familien und im Freundeskreis, bei Nachbarn und in der Schule könnte für die Vereinsarbeit geworben werden. Wichtig seien dabei konkreten Projekte oder Anlässe. Allgemeine, eher diffuse Vereinsarbeit ziehe weniger, als gezielte Projekte wie ein Chor für ein Dorfjubiläum, Arbeitseinsätze, um ein Tretbecken in Schuss zu bringen, oder Flüchtlingen zu helfen.

In diesem Sinne könnten potenziellen neuen Mitgliedern etwa Zeitspenden angeboten werden, indem sie sich gezielt für bestimmte Projekte engagieren. Ebenso wichtig sei es für Vereine aber auch, sich untereinander zu vernetzen und voneinander zu lernen. Denn ­einen Königsweg, neue Mitglieder zu gewinnen, gebe es nicht. Im gegenseitigen Austausch lerne man ­jedoch, welche Methoden vielleicht besser funktionierten, als andere. Hier spiele der Aufbau eines Freiwilligenmanagements eine große Rolle, wobei die Leitstelle „Freiwillig aktiv“ in Dautphetal schon sehr gute ­
Arbeit leiste, sagte Kirsch. Vor allem aber müsse die Arbeit im Verein Spaß machen, denn das stecke an und begeistere auch andere.

Bürgermeister wirbt für echte Kontakte

Dem pflichtete Roland Hartmann, Leiter von „Freiwillig aktiv“ in Dautphetal, bei. „Ehrenamt hilft einem selbst, sich besser kennenzulernen, aber auch anderen“, betonte er. Dabei koste ehrenamtlicher Einsatz zwar Mühen, Zeit und Arbeit, aber „durchs Ehrenamt wird’s warm in der Gesellschaft“.

In diesem Sinne wolle die Leitstelle Vereine und ehrenamtliche Gruppen informieren, vernetzen und unterstützen – zum Beispiel durch gemeinsame Grundlagenworkshops zu bestimmten Themen oder perspektivisch eine Art Netzwerkstammtisch. Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt (FW) appellierte, wieder mehr in echten, sozialen Kontakt miteinander zu treten. Ohne ehrenamtlichen Einsatz wären viele Dinge des alltäglichen Lebens kaum oder gar nicht möglich.

von Sascha Valentin

Hintergrund

Untersuchungen belegen laut Katja Kirsch, dass Jugendliche keineswegs „keinen Bock“ auf Vereinsarbeit haben. 39 Prozent der Jugendlichen in Deutschland engagierten sich ehrenamtlich, davon 48 Prozent in Vereinen sowie 14 in kirchlichen Gemeinschaften. Beispiel dafür sind die 27 Schüler der Dautphetalschule, die am Rande des Vortrags ihre Zertifikate für die Teilnahme an der Initiative „Freiwillig aktiv“ ausgehändigt bekamen.

Die Aktion wurde vor 15 Jahren an der Dautphetalschule zusammen mit dem Seniorenrat ins Leben gerufen und einige Jahre später sogar als hessenweites Beispiel für ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Dabei sind die Schüler für ein halbes Jahr jeweils einen Nachmittag pro Woche in sozialen Einrichtungen wie Kindergärten, Altenheimen oder Behindertenwerkstätten tätig, um dort mit den Menschen zu arbeiten.

Dabei machten sie diesen Menschen „das kostbarste Geschenk überhaupt“, wie es ihr Schulleiter Harald Becker bei der Überreichung der Zertifikate sagte: Sie schenkten anderen ihre Zeit. Sie selbst hätten dabei nicht nur den Mut bewiesen, auf andere zuzugehen, sondern damit auch wichtige­ Erfahrungen für ihr eigenes ­Leben gesammelt, die ihnen niemand mehr nehmen könne. Die Schüler selbst stellten ­ihre Einsatzorte jeweils in einer kleinen Präsentation vor.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr