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Einblicke in die Vergangenheit

Dautpher „Backes Stibbcher“ Einblicke in die Vergangenheit

Klein, aber fein: Das Dautpher Regionalmuseum hat Flair. In der kleinbürgerlichen Drei-Zimmer-Wohnung finden sich Hunderte Zeugnisse der Vergangenheit.

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Mancher historische Fund entlockt dem Betrachter auch ein Schmunzeln: Brigitte Wege vom Kulturhistorischen Stammtisch Dautphe zeigt hier beispielsweise ein Gruppenfoto eines „Melklehrgangs in den 30er Jahren“.

Quelle: Christian Röder

Dautphe. Brigitte Wege sitzt in einem Raum, der aus der Zeit gefallen scheint. Auf dem Tisch historisches Porzellan, eine mit floralem Muster verzierte Zither lehnt an dem gemütlich aussehenden Sofa. An den Wänden hängen weitere Exponate, ein buntes Kalenderblatt, Dutzende­ 
Fotos. In der Ecke steht ein gusseiserner Ofen. Darauf: ein Waffeleisen von anno dazumal. Im „Backes Stibbcher“ wird Dautpher Regionalgeschichte­ greif- und erlebbar. Auch am Museumssonntag des Landkreises, der am Sonntag, 11. Juni, stattfindet.

Brigitte Wege vom Kulturhistorischen Stammtisch, der das Regionalmuseum im ältesten Ort des Hinterlands vor rund einem Vierteljahrhundert aus der Taufe gehoben hat, blättert in einem schweren Fotoalbum. Darin: Fotos der vergangenen Jahrzehnte aus Dautphe.

Zu sehen ist etwa das erste­ existierende Bild des Männergesangvereins, der 1876 gegründet wurde. Ein anderes­ gelbstichiges Bild zeigt das Dautpher Freibad; noch in seiner ursprünglichen Funktion als Löschteich – gebadet wurde trotzdem schon darin.

Und so geht es weiter: Hochzeitsfoto folgt auf Hochzeitsfoto, heimkehrende Soldaten, die von ihren Liebsten in die ­Arme geschlossen werden, Schulklassen, Festzüge: Glaubt man den Bildern in Weges Ordnern, ist die Dautpher Geschichte ganz ordentlich in Fotos festgehalten.

Aus all diesen Puzzleteilen – Exponaten, Fotos und Erzählungen von Dautphern – erschafft der Kulturhistorische Stammtisch ein stimmiges Bild der Vergangenheit. Festgehalten hat Wege ihre Erkenntnisse erstmals 1988 im Vorfeld der 1200-Jahrfeier des Ortes. „Ich habe immer nach einem Buch gesucht, das mir die Dautpher Geschichte näherbringt“, erinnert sich Wege. „Die Ausgangslage war allerdings eher dürftig.“ Selber machen war also das Motto. Der Kulturhistorische Stammtisch veröffentlichte das Buch „Dautpher Histörchen“, in dem Wege amüsant und kurzweilig in Form von Gedichten, Anekdoten und Bildern aus der Historie berichtet.

Dautpher Schnürhut bietet Anlass zu Spekulationen

Zur Vorstellung am Museumssonntag hat Brigitte Wege Stücke ausgewählt, die zum Motto „Kopf und Kragen“ passen. Eines davon ist der Dautpher Schnürhut. Wege zeigt das elegante Kleidungsstück mit seiner breiten Krempe. „Der weit nach oben geschwungene Hutrand, der durch eine gedrehte Kordel eingefasst war, wurde seitlich vom Hutrand zum Kopfteil mit hochführenden Schnürbändern befestigt“, beschreibt Wege und zeigt es an einem Ausstellungsstück. Gelungener Kontrapunkt ist eine silbern glänzende Spange auf dem vorderen Hutteil.

Die genaue Herkunft des Dautpher Schnürhuts ist unbekannt. Wege vermutet aber ­einen Zusammenhang zwischen der eleganten Kopfbedeckung und einem Zimmermannshut. „Die Ähnlichkeit ist da“, meint sie. „Passen würde es auch, da in Dautphe viele Zimmerer ansässig waren. Es kann gut sein, dass sich in diesem Fall Mode und Zunft gegenseitig befruchtet haben.“

Das Forschen und Erkunden der Dautpher Geschichte ist für Brigitte Wege oft auch mit persönlichem Schicksal verbunden. „Immer wieder findet man Ahnen und Familienmitglieder auf den alten Fotos“, erzählt sie und zeigt ein Foto vom Heumachen. „Da ist mein Mann drauf“, sagt Wege. „Und dort mein Schwiegervater.“

Übrigens: Der Museumssonntag am 11. Juni findet exakt ein Jahr nach dem Heimatabend der 1225-Jahrfeier statt. „Es ist quasi unsere 1226-Jahrfeier“, sagt Brigitte Wege und lacht.

von Christian Röder

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