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Entsteht Umgehungsplan ab 2020?

Bundesstraße 62 Entsteht Umgehungsplan ab 2020?

Die Idee einer 
„Ortsum­gehung - light“ für Buchenau ist offenbar vom Tisch. Die Hoffnungen für den Planungsbeginn der Entlastungsstraße ruhen auf der Zeit um das Jahr 2020.

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Vom Ortsende beim Buchenauer Gewerbegebiet sollte eine Anbindung an die Bundesstraße 62 auf der anderen Lahnseite hinter der Baumreihe für Entlastung sorgen und den Einstieg in den Bau der Ortsumgehung bringen. Aus dieser Idee wird aus Planungsgründen vermutlich nichts.

Quelle: Gianfranco Fain

Buchenau. Während die Ortsumgehung des Biedenkopfer Stadtteils Eckelshausen vom ersten Bleistiftstrich bis ins laufende Planfeststellungsverfahren nach 40 Jahren fast schon die Ziellinie vor dem Baubeginn erreicht, gibt es für die nächste von den Anwohnern gewünschte Umgehungsstraße an der B 62 noch nicht mal eine Linie auf einer Karte, die aufzeigt, wie eine Entlastungsstraße um Buchenau herum geführt werden könnte.

Dabei ist eine grobe Linienführung in den Köpfen von Gemeinderepräsentanten schon vorhanden. Aus Richtung Biedenkopf kommend etwa ab dem Sportplatz über die Lahn und das Gewerbegebiet Irrlachenfeld bis hin zum Gewerbegebiet am Ortsausgang Richtung Elmshausen und dann erneut über die Lahn und irgendwo beim Help-Center an den derzeitigen Verlauf der Bundesstraße 62 andocken. So stellt sich Bürgermeister Bernd Schmidt den ungefähren Verlauf der Buchenauer Umgehungsstraße vor.

Nicht nur er erinnert bei allen möglichen Terminen, zum Beispiel dem Ministerbesuch in Eckelshausen im Februar 2016, daran, dass auch die Bürger im Dautphetaler Ort Buchenau unter den vielen Fahrzeugen, vor allem dem Schwerverkehr, erheblich leiden. Neue Hoffnung brachte die erneute Aufnahme der Ortsumgehung Buchenau in den Bundesverkehrswegeplan als vordringlicher Bedarf. Damit ist nicht nur festgelegt, welche Projekte das Bundesverkehrsministerium für dringend notwendig erachtet, es wird auch eine Finanzierung für diese Projekte bis zum Jahr 2030 in Aussicht gestellt.

„Ortsumgehung - light“: Ausstieg aus dem Einstieg

Das war im März des vergangene Jahres, geschehen ist seitdem nichts – jedenfalls nicht öffentlich. Hinter den Kulissen ­arbeiten die Dautphetaler aber weiter an dem Projekt. Dazu ­gehörten zum Beispiel ­Gespräche mit Landesministern und ­-abgeordneten, Vertretern von Hessen Mobil und der IHK Lahn-Dill. Die IHK ist an einer ­
guten Verkehrsanbindung nach Osten­ und Norden interessiert, die zugleich die Menschen vom Schwerverkehr entlastet. Das Land ist der Ansprechpartner, weil es das Projekt, das der Bund bezahlen würde, planen muss.

Da die große Lösung aber seit Jahren nicht in Angriff genommen wird, entstand in Dautphetal die Idee, eine „Umgehung - light“ als Einstieg zu nutzen. Diese sieht vor, eine Entlastungsstraße für Buchenau von der B 62 etwa ab dem Help-Center zum Gewerbegebiet entstehen zu lassen. Der sofort greifbare Nutzen wäre die Befreiung des Ortes vom Lieferverkehr der Firmen Roth und Pracht, später könnte diese Straße als Ortsumgehung ausgebaut werden.

Die Gemeinde ist auch bereit, für die Umsetzung dieser Idee Geld auszugeben, zum Beispiel um die Planungen voranzutreiben. „Wir sind zu allem bereit, um das Projekt zu beschleunigen, wenn es bezahlbar ist“, sagt Schmidt als Sprecher des Gemeinde­vorstands. Doch daraus wird nach derzeitigem Stand vorerst nichts. „Frühestens 2020“, so der Bürgermeister, könnte Bewegung in die Sache kommen. Schmidt leuchten dabei die in mehreren Gesprächen erörterten Gründe ein. Wenn diese Stichstraße geplant und gebaut würde, dann müsste dies so geschehen, dass sie später den Anforderungen einer Bundesstraße genügen. Dies bedeutete für die Gemeinde, den Landkreis oder beide zusammen einen erheblichen finanziellen Mehraufwand. Zudem kann die Straße als Einstieg in eine Umgehung nicht einfach so in die Gegend gestellt werden, sondern muss in den späteren Verlauf der Umgehungsstraße passen.

Straßenplanung leidet unter Fachkräftemangel

Es muss also erst ein Gesamtplan erstellt werden, für den es bei Hessen Mobil aber derzeit keine Spielräume gibt. Laut Wolfgang Harms vom Wirtschaftsministerium gibt es für den Straßenbau des Landes ­eine Prioritätenliste. Auf dieser stehen ganz oben die Sanierung von Brücken und Autobahnen sowie die Fertigstellung begonnener Projekte. Damit ist Hessen Mobil ausgelastet. Zwar habe das Land dafür gesorgt, dass Stellen in der Planungsbehörde wieder aufgefüllt werden und auch darüber hinaus weitere Neueinstellungen oder auch eine externe Auftragsvergabe möglich sind, doch aufgrund des Baubooms fehlt es an Fachkräften. Bauingenieure, die ­Straßen planen können, sind derzeit Mangelware auf dem Arbeitsmarkt.

Eine Entlastung von Hessen Mobil könnte laut Ministeriumssprecher Harms das Jahr 2021 bringen, ab dessen Beginn die Planung und der Bau von Autobahnen von den Ländern auf die neue Bundesinfrastruktur­gesellschaft übergeht. Die Zeit bis dahin will die Gemeinde Dautphetal nutzen, um mit den Gewerbebetrieben und der IHK bei jeder sich bietenden Gelegenheit „Aktionen zu starten, um die Wichtigkeit des Projekts herauszustellen“, sagt Schmidt und verrät auch das Ziel: Auf der nächsten Prioritätenliste ganz oben stehen, „um nicht in utopischen Zeiträumen zum Ziel zu kommen“.

Denn eines ist gewiss: Mit dem Start der Planung beginnt ein weiter Weg, dessen Dauer noch nicht abzusehen ist. Die einzige feststehende Komponente­ ist die Untersuchung von Flora­ und Fauna in dem infrage kommenden Landschaftsstrich. Sie dauert ein Jahr. Ist ein ­sogenannter konfliktfreier Korridor gefunden, folgt das Linienbestimmungsverfahren, und wenn dieses zu Ende geführt ist, ein Vorentwurf der Straße auf dieser Linie.

Stimmt das Bundesverkehrsministerium diesem Entwurf zu, kann das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden, an dessen Ende das Baurecht stehen müsste. Wie lange das gesamte Planungs-Verfahren dauert, ist aber derzeit völlig­ ­offen.

von Gianfranco Fain

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