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„Ich bereue es jeden Tag“

Trunkenheits-Prozess „Ich bereue es jeden Tag“

Einen Teilerfolg hat ein Dautphetaler vor dem Marburger Landgericht erreicht. Seine ­zuvor verhängte Strafe wurde abgemildert.

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Blaulicht und eine Haltekelle ignorierte ein Dautphetaler während des Fahrens unter Alkoholeinfluss.

Quelle: Uli Deck / dpa

Marburg. Im Februar fuhr ein 29-Jähriger betrunken durch Dautphetal. Dabei überholte er erst einen Zivilpolizisten gefährlich und raste dann mit mehr als 100 Stundenkilometern durch geschlossene Ortschaften. Das Amtsgericht Marburg hatte den Mann daher zu 80 Tagessätzen verurteilt und eine Sperrzeit zum Neuerwerb seines Führerscheins auf zwei Jahre festgelegt. Dagegen hatte der 29-Jährige Berufung beim Landgericht eingelegt. Am wichtigsten war dem Mann dabei eine frühere Wiedererlangung seiner Fahrerlaubnis.

Der vom Amtsgericht festgestellte Sachverhalt wurde nicht bestritten. Demnach verließ der Angeklagte an einem Nachmittag wegen ­eines Streits eine Familienfeier, um nach Hause zu fahren. Dass er so viel Alkohol im Blut hatte – festgestellt wurden mindestens 1,2 Promille –, wollte er nach dem Genuss von Rotwein nicht gemerkt haben. In einer unübersichtlichen Kurve überholte der Mann ein vor ihm fahrendes Fahrzeug bei Gegenverkehr. Beide anderen Beteiligten konnten einen Unfall durch Bremsen verhindern.

Verteidiger: Mandant droht Kündigung

In dem überholten Auto saß ein Kriminalbeamter in seinem Dienstwagen. Der hatte vor dem Amtsgericht berichtet, dass der 29-Jährige in die folgende Ortschaft mit etwa 100 Stundenkilometern eingefahren sei. Der Polizist habe das Blaulicht auf das Dach gesetzt und eingeschaltet, kurz darauf sei er mit Martinshorn neben den Mann gefahren und habe ihm auch die Halte-
 kelle gezeigt, was der Angeklagte nicht bemerkt haben wollte. Gleichwohl beschleunigte er noch einmal, bis er von einer inzwischen informierten Streife gestoppt wurde.

„Ich bereue es jeden Tag“, beteuerte der Mann jetzt vor der Berufungskammer, vor allem der fehlende Führerschein erinnere ihn immer wieder an sein Fehlverhalten. Sein Verteidiger Matthias Feltz betonte, dass der Arbeitgeber seines Mandanten angekündigt habe, ihn zu entlassen, wenn er nicht bald wieder mit dem Auto kommen kann, weil mit anderen Verkehrsmitteln die Pünktlichkeit im Schichtdienst nicht gewährleistet sei.

Im März darf Angeklagter Führerschein beantragen

Zudem könne sich der Dautphetaler derzeit nicht, wie erforderlich, um pflegebedürftige Angehörige kümmern. Seit acht Monaten habe er bereits keine Fahrerlaubnis mehr, zwei bis vier weitere Monate seien ausreichend, so der Rechtsanwalt. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Gernot Christ setzte letztlich fünf Monate fest. Auch wenn der Führerscheinentzug hart sei, „es ist eine von Ihnen selbst verschuldete Folge“, sagte der Richter. In jedem Fall sei der Angeklagte noch nicht geeignet, sofort wieder motorisiert am Straßenverkehr teilzunehmen, sagte der Vorsitzende, vor allem weil er noch keine Maßnahmen ergriffen habe, etwa den Besuch eines Verkehrsseminars.

„Es ist auch kein Argument, dort wegen der Situation nicht hinzukommen.“ Trotzdem falle die Sperre jetzt moderat aus. „Es spricht prognostisch zu Ihren Gunsten, dass Sie sichtlich beeindruckt sind“, sagte Christ. Auch die Geldstrafe wurde reduziert, um fünf Tagessätze auf 75 zu je 65 Euro, insgesamt 4875 Euro. Weil alle Beteiligten Rechtsmittelverzicht erklärten, ist das Urteil rechtskräftig.

von Heiko Krause

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