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22 Douglasien sind Geschichte

Friedhof Buchenau 22 Douglasien sind Geschichte

Arbeiten in schwindelerregender Höhe: Christian Koch fällte mit seinen Kollegen 22 Douglasien auf dem Friedhof in 
Buchenau.

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die Friedhofskapelle

Christian Koch sägt in gut 20 Metern Höhe an der Douglasie Äste ab.

Quelle: Nadine Weigel

Buchenau. Der Stamm bewegt sich schwankend im Wind. An der Spitze des 22 Meter hohen Baumes hängt Christian Koch und sägt mit der Motorsäge Äste aus der Krone. Krachend fallen sie auf die Erde.

Der Buchenauer Gemeindevorstand hatte beschlossen, 22 Douglasien auf dem Friedhof aus Sicherheitsgründen fällen zu lassen. „Die bei Sturm herabfallenden Äste könnten ja nicht nur die Grabsteine beschädigen, sondern auch Friedhofsbesucher gefährden“, weiß Friedhofsmitarbeiter Lothar Tugend, der die Baumfällarbeiten beobachtet.

Zudem verschmutzen die Nadeln der Douglasien auch die Gräber und erschweren die Grabpflege: „Die Gräber meines Vaters und meines Bruders sind von Tag zu Tag mit mehr Nadeln bedeckt“, klagt Tugend.

Auf Wunsch des Ortsbeirates hin hat die Gemeinde Christian Kochs Baumdienstfirma 
mit der schwierigen Aufgabe betraut, die Bäume in unmittelbarer Umgebung des Friedhofes zu fällen. Koch und sein Team waren die vergangenen eineinhalb Wochen damit beschäftigt, die Bäume sorgfältig zu Fall zu bringen und abzutransportieren.

Auch für die routinierte Spezialfirma war dies kein gewöhnlicher Auftrag. Die Bäume waren überdurchschnittlich hoch und da auf keinen Fall Gräber zu Schaden kommen sollten, war höchste Konzentration erforderlich.

Die Profis beeinflussten die Fallrichtung der Stämme, indem sie mithilfe eines Traktors ein an den Bäumen befestigtes Stahlseil spannten und so die Fallrichtung vorgaben.

In der Nähe der Friedhofskapelle war dann aufgrund des Platzmangels Muskelkraft gefordert: das Seil wurde von Hand gespannt und die Waldriesen in einzelne Stücke gesägt, um den Abtransport möglich zu machen.

Gefahr­ abschätzen

„Diese Douglasien hier sind schon sehr hoch, aber das ist alles noch im Bereich des Machbaren“, erklärt Christian Koch und befestigt mit geübten Handgriffen die Steigeisen an seinen Unterschenkeln.

Nur mithilfe dieser Gerätschaften und eines Stahlseils, das er fachmännisch an seinem Bauchgurt befestigt hat, erklimmt er den Stamm. Meter für Meter arbeitet er sich nach oben. Scheinbar mühelos. Im Seil hängend befreit er den Stamm von Ästen und Zweigen, die krachend metertief nach unten fallen.

Höhenangst hat er nicht: „An manchen Tagen dauert es einfach nur länger als an anderen, bis ich mich an die Höhe gewöhnt habe“, sagt er. Es gehört auch zu seinen Aufgaben, die von den Fällarbeiten ausgehende Gefahr­ abzuschätzen und die Fallrichtung der tonnenschweren ­Giganten zu bestimmen.

(Foto: Nadine Weigel)

Zahlreiche Buchenauer staunten nicht schlecht über die spektakulären Arbeiten. Unter ihnen war auch Erna Dersch, die in Erinnerungen schwelgte. „Ich weiß noch, wie ich damals die kleinen Bäumchen gemeinsam mit meinem Bruder gegossen habe. Das war so vor ungefähr 60 Jahren“, erinnert sich die 77-Jährige.

„Es ist schon bewegend, wenn man sieht, wie die Bäume, die man von klein auf kennt, gefällt werden. Aber die Fällung macht natürlich Sinn. Das war ja schon gefährlich mit den Ästen“, findet die Buchenauerin.

von Lars Neubauer 
und Nadine Weigel

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