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Vom Telefon mit Wählscheibe zum Smartphone

17. Dautphetaler Seniorentag Vom Telefon mit Wählscheibe zum Smartphone

120 Frauen und Männer haben trotz Hitze den Weg ins Bürgerhaus Wolfgruben gefunden. Dort fand der 17. Dautphetaler Seniorentag – organisiert vom Seniorenrat der ­Gemeinde – statt.

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Die Besucher des Seniorentages lauschten Detlef Ruffert, der über Jugendzeit damals und heute referierte – auch anhand eines alten Telefons.

Quelle: Peter Piplies

Wolfgruben. Erinnerungen an ihre Jugend tauschten ältere­ Mitbürger aus. Anstöße dazu gab Detlef Ruffert. Er referierte­ unter dem Motto „Schön war die Jugend – wie ist sie heute?“ Dabei erinnerte der Vorsitzende des Kreistags nicht nur an seine eigene Kindheit und Jugendzeit. Vor ­allem Sprache, Kommunikation und Medien nahm der Referent genauer unter die Lupe.

Der heutige Umgang mit Begriffen, die aus dem Bereich der Sexualität stammen – wie das „böse Wort mit F“ – wäre­ in seiner Jugendzeit gar nicht vorstellbar gewesen. Zwar habe es in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg auch „brutale und unangenehme Sprache“ gegeben. Doch diese fand mehr im Verborgenen statt und trat nicht in die Öffentlichkeit, erläuterte­ Ruffert. Früher sei alles anders gewesen – ob besser oder schlechter, müsse jeder für sich selbst beantworten.

Ruffert erzählte,­ er habe das Telefonieren erst mit 16 Jahren als Lehrling an einem 
Telefon mit Wählscheibe gelernt. Zur Anschauung hatte­ er ein altes Modell mitgebracht. Ein heutiger Heranwachsender werde­ sich da wohl fragen, wo denn hier der Bildschirm zum „Wischen“ sei.
Auch für ihn selbst habe sich inzwischen einiges geändert: Er habe besitze ein Smartphone,­ im Winter werde mehr als nur ein Raum beheizt und das auch nicht mehr mit den Ästen, die man mit einem „Holzleseschein“ im Wald eingesammelt hat.

Ruffert: Schimpfen nützt nichts

Auch müsse niemand mehr in eine Gaststätte gehen, um auf einem Schwarz-Weiß-TV den Wochenendkrimi zu schauen. Der damalige Luxus ist inzwischen zum minimalen Standard geworden, ohne den Kinder und Jugendliche heutzutage gar nicht mehr auskommen wollen oder können.

Und Auszubildende müssten nicht nur ihr Fachwissen lernen, sondern auch ganz normales freundliches Benehmen und Höflichkeit in „Knigge-Kursen“.

Doch schimpfen nütze hier gar nichts. Denn die jungen Leute seien das Ergebnis „unserer Erziehung“, sagte Ruffert. Dabei hätten es die Kinder und Jugendlichen heute viel schwerer als früher. Gab es damals eine relativ intakte Umwelt und das durch die Ausbildung erlangte Wissen reichte bis zum Rentenbeginn, so sei heute die ständige Veränderung die einzige Konstante geblieben. Das führe bei ganz ­vielen zu Verunsicherung und könne auch Gefahren mit sich ­bringen.

Hier nannte Ruffert als Beispiel das unreflektierte Aufnehmen und Posten von Meldungen im Internet. Hier müssten die Jugendlichen lernen, kritischer nachzufragen, wer hier was warum postet und den Wahrheitsgehalt einer Meldung überprüfen.

Bürgermeister lobt Engagement des Rates

Alt zu sein heutzutage bedeute dagegen: Wir haben sehr viele Veränderungen mitgemacht und mussten uns ständig an ­etwas Neues anpassen.
Bei seinen älteren Zuhörern in Wolfgruben konnte sich Ruffert aber auch sicher sein, dass sie sich mehr als zehn Minuten konzentrieren können. Entsprechend aufmerksam hörten sie seinen Ausführungen bis zum Ende zu.

Um den Vortrag herum fanden die Senioren Gelegenheit, mit alten Bekannten ins Gespräch zu kommen, der Musik vom Mundharmonika-Treff unter der Leitung von Adam Schmalz zu lauschen und sich mit Kaffee, Kuchen sowie belegten Broten zu stärken.

Seniorenratsvorsitzender Siegfried Ortmüller legte den Besuchern ans Herz, von den Angeboten der Kooperationspartner gebraucht zu machen und sich ausführlich zu informieren.

Bürgermeister Bernd Schmidt unterstrich, dass die Dautphetaler Senioren auch die vielfältigen Angebote des engagierten Seniorenrates der Gemeinde nutzen und mit Leben füllen sollen.

von Peter Piplies

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