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Datenklau beim Müllzweckverband

30 000 Kunden gewarnt Datenklau beim Müllzweckverband

Bei einem Einbruch in die Geschäftsstelle des Müllabfuhrzweckverbandes nahmen die Diebe neben Geld auch noch EDV-Sicherungsbänder mit, auf denn sensible Kundendaten gespeichert sind.

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Sensible Dokumente wurden bei dem Einbruch in der MVZ-Geschäftsstelle entwendet.

Quelle: Nadine Weigel

Biedenkopf. Der Müllabfuhrzweckverband (MZV) Biedenkopf warnt seine rund 30 000 Kunden im Hinterland und auch in Städten und Gemeinden des Altkreises Marburg und fordert sie auf, in den nächsten Wochen ihre Bankkontoauszüge auf unberechtigte Abbuchungen zu überprüfen.  Auslöser der Aktion ist, dass Einbrecher in der Nacht zu Sonntag in die MZV-Geschäftsstelle in der Breidenbacher Gemeindeverwaltung eindrangen und auf der Suche nach Geld aus einem Wandschrank einen Tresor entwendeten. In diesem befanden sich neben einem dreistelligen Geldbetrag laut Polizeibericht auch Schlüssel, schriftliche Unterlagen.

Es war ein kleiner Schranktresor, einer den ein Mann allein nicht tragen könne, sagt Geschäftsführerin Ninette Engel-Rezzonico, und dennoch könnte dessen Abhandenkommen schwerwiegende Folgen für die rund 30 000 Kunden des Müllabfuhrzweckverbands (MZV) Biedenkopf haben. Denn der Tresor, der bei einem Einbruchdiebstahl in der Nacht zu Sonntag aus der Breidenbacher Geschäftsstelle des MZV gestohlen wurde, enthielt auch EDV-Sicherungsbänder mit sensiblen Kundendaten wie  zum Beispiel die Bankverbindung. Diese Daten werden zur Sicherheit täglich mehrfach gespeichert, unter anderem auch extern des Servers zur Datenverarbeitung. 

Daten sind ohne Kennwörter nicht nutzbar

Ob des Diebstahls raten die Verbandsspitze und die Geschäftsführerin ihren Kunden in den nächsten Wochen die Kontoauszüge genau zu überprüfen. Sollten unberechtigte
Abbuchungen festgestellt werden, seien die Mitarbeiter der MZV-Geschäftsstelle oder die Polizei zu informieren. Allerdings wird dies nur als Vorsichtsmaßnahme eingestuft. Beim MZV geht man davon aus, dass die Diebe es auf Geld abgesehen hatten und mit den verschlüsselten Daten ohne entsprechende Software und Kennwörter nichts anfangen können. Vielleicht haben die Speicherkassetten auch schon den Weg in den Müllkreislauf des MZV gefunden, weil
die Einbrecher sie entsorgt haben.

Weitere Informationen sollen die Kunden über die Homepage des MZV und der Mitgliedskommunen, das sind die Gemeinden und Städte des Hinterlandes Angelburg, Bad Endbach, Biedenkopf, Breidenbach, Dautphetal, Gladenbach und Steffenberg sowie im Altkreis Marburg Cölbe, Fronhausen, Lahntal, Lohra, Wetter und Wohratal.
Doch am Mittwoch hatte der Vorsitzende des Verbandsvorstands, Steffenbergs Bürgermeister Peter Pfingst, für die Verbandsversammlung auch erfreuliche Mitteilungen parat. Der MZV steht wirtschaftlich so gut da, dass er Rückstellungen von mehr als 2 Millionen Euro gebildet hat, wovon ein Teil noch in diesem Jahr an die Kunden zurückgezahlt werden soll (die OP berichtete).
Wertstoffhöfe, Metall- und Grünschnittsammlung im Visier

Keine Chance für "Schwarzentsorger"

Erheblich zu den Mehreinnahmen beigetragen hat die Einführung des sogenannten Ident-System, ein chipbasiertes Behältermanagement-System, mit dem die zu entleerenden Abfalltonnen erfasst und somit „Schwarzentsorger“ ausgeschaltet werden. Zudem ist gleichzeitig die Restmüllmenge zurückgegangen, während die Altpapierpreise auf konstant hohem Niveau verharren.

Zudem plant der MZV die Möglichkeiten des zum 1. Januar 2015 geltenden Wertstoffgesetzes zu nutzen und seine Tätigkeiten auszuweiten. Eine dazu erfolgte Organisationsuntersuchung ­ergab, dass zur Weiterentwicklung der Wertstofferfassung ein
Konzept erstellt wird. Ansätze sind zum Beispiel Wertstoffhöfe und die Sammlung von Grünschnitt, Altmetallen oder Kunststoffen.
Die Untersuchung ergab auch, dass die Weiterentwicklung von der Abfall- zur Wertstoffwirtschaft nur mit einer ausreichenden Personalausstattung zu erreichen ist. Angestrebt wird, die bisher 7,5 Stellen in der Geschäftsstelle, die regelmäßig durch befristete Anstellungen aufgestockt werden, um einen Techniker sowie einen Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit zu erweitern.

Sollte diese personelle Aufstockung beschlossen werden, steht die Breidenbacher Geschäftsstelle infrage. Schon jetzt klagt der MZV über „sehr beengte Verhältnisse“ und führt Gespräche mit der Gemeinde Breidenbach.
Sollte der Vermieter keine Erweiterungsmöglichkeiten aufzeigen, so müsse ein anderer Standort gefunden werden. Dieser könne, so Pfingst, durchaus zentraler liegen, hat doch der MZV seinen Schwerpunkt in den vergangenen Jahren „deutlich in das nordöstliche Kreisgebiet verlagert“.
Ein weiterer einstimmiger Beschluss der Verbandsversammlung war die dahingehende Änderung der Satzung, dass die Abfallgebühren nun als „grundstücksbezogene Benutzungsgebühren“ geführt werden. Dies ermöglicht dem MZV, ihre Forderungen als drittrangige Sicherungshypothek eintragen zu lassen. Die Geschäftsführerin sieht dann die Aussichten des MZV sehr gut, bei Zwangsversteigerungen Geld zu erhalten. Engel-Rezzonico geht von 5000 bis 15 000 Euro pro Jahr aus.

von Gianfranco Fain

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