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Das nächste Hochwasser kommt bestimmt

Hochwasser-Warnsystem Das nächste Hochwasser kommt bestimmt

Am Ende kommt alles doch nicht so schlimm. Das erste Hochwasser des Jahres wird in Mittelhessen keine Spur der Verwüstung hinterlassen. Eine neues System verbessert die Vorhersage auch an kleinen Lahnzuflüssen. An der Entwicklung war der Holzhäuser Walter Debus beteiligt.

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Walter Debus zeigt an seinem Laptop die Prognose der Wasserstandsentwicklung an der Salzböde sowie die interaktive Karte des Lahn-Einzugsgebiet von der Quelle bis zur Rheinmündung.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Holzhausen. Nach Einschätzung des Hochwasserlagezentrums beim Gießener Regierungspräsidium (RP) werden die Pegel an der Lahn im Laufe des heutigen Tages ihre vorerst maximalen Wasserstände erreichen. Das vermeldete gestern die Pressestelle des Regierungspräsidiums (RP) in Gießen.

Ähnliche Pressemitteilungen zur Warnung der Bevölkerung waren in der Vergangenheit die Regel. Sie wird es auch zukünftig geben, doch zusätzlich können sich Interessierte direkter und aktueller informieren, denn das nächste Hochwasser kommt bestimmt, die Frage ist nur wann und wie hoch es wird. Davon und vor allem von der frühzeitigen Warnung hängt aber auch ab, ob Schutzaktionen ergriffen und so Schäden verhindert oder zumindest minimiert werden können. Die dazu nötigen Informationen macht nun das Hochwasserlagezentrum (HWLZ) beim RP für die Öffentlichkeit zugänglich. Seit Dienstag kann die aktuelle Entwicklung und die daraus resultierende Prognose online eingesehen werden. Dazu muss nur ein „Button“ in der rechten Seitenleiste der RP-Homepage (www.rp-giessen.hessen.de) aktiviert werden und schon gelangt man auf die Seite des HWLZ Lahn. Mit einem weiteren Klick können die Prognosen zur Abfluss­entwicklung an den hessischen Nebengewässern der Lahn oder die Wasserstandsvorhersage für Lahn, Dill und Ohm als Grafik angesehen werden. Weitere Klicks ermöglichen die Visualisierung der voraussichtlichen Entwicklung als Pfeil- oder auch Kurvengrafik.

Die Angaben sind, wie bei Vorhersagen üblich, natürlich mit etwas Vorsicht anzunehmen, erklärt Walter Debus. Der in Holzhausen lebende Bauingenieur im Wasserbau war neben Ingrid Emrich und Hartmut Köster in den vergangenen vier Jahren an der Weiterentwicklung des Hochwasserwarnsystems des RP beteiligt. Das Neue daran ist, dass auch die Änderungen an den kleinen Zuflüssen der Lahn wie Salzböde oder Ohm beobachtet, erfasst, ausgewertet und für eine Prognose „hochgerechnet“ werden.

Das sei bei den kleinen Gewässern relativ schwierig, erklärt der 54-jährige gebürtige Bottenhorner, weil an den Zuflüssen die Reaktionszeiten gering sind. „Wenn‘s stark regnet, ist die Hochwasserwelle in 3 bis 4 Stunden da“, sagt Debus, deshalb gelte: Je kleiner ein Gebiet, desto schwieriger ist die Vorhersage.

Das Lahngebiet ist zur Beobachtung in 1500 Teilflächen aufgeteilt. Deshalb beschränke sich das HWLZ auf eine 12-stündige Prognose, darüberhinaus wird ein Trend aufgezeigt. Zur Ermittlung der Werte mussten einige zusätzliche Pegel- und Messstellen eingerichtet werden, um das Gebiet zu beobachten. Erfasst werden der Wasserstand und -abfluss, die Niederschlagsmenge, die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit, die Globalstrahlung (Sonnenschein) und die Windgeschwindigkeit.

Mithilfe der Wetterprognose des Deutschen Wetterdienstes werden die Daten kombiniert. Das „Arbeitspferd“ dazu nennt sich LARSIN, ein Computerprogramm, das anhand der Daten die wahrscheinliche Entwicklung errechnet. Mit diesem „Wasserhaushaltsmodell“ werden alle drei Stunden die Prognosen aktualisiert. Vier Rechner verrichten dazu im HWLZ ihren Dienst. Und trotzdem gibt es noch Unwägbarkeiten. Wenn zum Beispiel Schnee liegt und es anfängt zu regnen, dann sei es sehr schwer zu ermitteln, wann „der Schnee das Wasser loslässt“, erklärt Debus. Aber das ist für diese Tauperiode Schnee von gestern.von Gianfranco Fain

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