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„Das ist kein Kavaliersdelikt“

Aus dem Amtsgericht „Das ist kein Kavaliersdelikt“

Wegen unerlaubten Erwerbs von Marihuana und der Weitergabe an einen 
Jugendlichen wurde ein 25-jähriger Dautphetaler zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

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Ein 25-Jähriger gab zu, Minderjährigen Drogen überlassen zu haben.

Quelle: Friso Gentsch

Marburg. Angeklagt war der Mann wegen gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln. Staatsanwaltschaft und Gericht verzichteten jedoch auf Zeugen, da sie dem Angeklagten glaubten, der gestand, in 24 Fällen in Gladenbach Drogen gekauft zu haben. Es stimme auch, dass er dem damals zwischen 16 und 17-Jährigen Drogen überlassen habe.

Gewinnabsichten bestritt der 25-Jährige. Er habe selbst am Wochenende konsumiert, dem Jüngeren lediglich etwas mitgebracht, was der vorher bezahlt habe. „Und wir haben bei mir auf dem Dachboden auch mal zusammen 
eine Tüte geraucht“, gestand er ein. „Das war ein Fehler, wie ich jetzt weiß.“

Das klang Staatsanwalt Sebastian Brieden zu harmlos. „Das ist kein Kavaliersdelikt“, der Gesetzgeber bestrafe die Weitergabe von Drogen an Minderjährige als Verbrechen. Viele Drogenkarrieren endeten in der Psychiatrie, mahnte der Staatsanwalt, der aber von einem minderschweren Fall ausging. Der Angeklagte sei nicht vorbestraft und der Jugendliche, der zudem nicht mehr sehr jung war, hätte ehedem schon konsumiert.

Verurteilt wurde der Angeklagte auch wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Die bei einer Wohnungsdurchsuchung sichergestellten zwei Schlagringe stammten aus seiner Jugend, er habe schon vergessen, sie überhaupt zu besitzen, sagte er.

Beim Strafmaß blieb das Gericht unter 
Vorsitz von Richter Thomas Rohner zwei Monate unter dem Antrag des Staatsanwalts. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt. Als Auflage muss der Mann zudem 1500 Euro an eine gemeinnützige 
Organisation zahlen.

Die Bewährung sei durch eine günstige Prognose ganz sicher gerechtfertigt, hob Rohner hervor. „Sie leben in einer gefestigten Situation und gehen arbeiten, das ist nicht immer so bei den vielen Fällen, die wir hier verhandeln.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Heiko Krause

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