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Das Werben um mehr Energiegenossen

Infoveranstaltung Das Werben um mehr Energiegenossen

60 Interessenten informierten sich über die geplante Gründung einer Energiegenossenschaft. Die Gründungsversammlung findet am Montag in Herzhausen statt.

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Etwa 60 Besucher informierten sich über die geplante Gründung der Energiegenossenschaft Dautphetal-Gladenbach. Die Initiatoren der Energiegenossenschaft stellten den Regionalplan Energie mit den entsprechenden Potenzialflächen für Herzhausen, Bellnhausen

Quelle: Helga Peter

Sinkershausen.. Ortsvorsteher Reiner Weigand begrüßte am Montagabend im Dorfgemeinschaftshaus etwa 60 Bürger zu einer Informationsveranstaltung über eine zu gründende Energiegenossenschaft Dautphetal-Gladenbach und stellte dieses Vorhaben als eine gute Sache heraus.

Zu diesem Abend hatten sechs Herzhäuser Initiatoren eingeladen. Gernot Wege führte in die Thematik ein und berichtete, dass sich der erstellte Regionalplan Energie des Regierungspräsidium seit dem 21. Januar in der Offenlegungsphase befinde. Dieser Plan habe auch hervorgebracht, dass in der Gemarkung Herzhausen mehr als 50 Prozent (200 Hektar) der etwa 420 Hektar beabsichtigten Vorrangflächen dem Rotstift zum Opfer gefallen seien und die Gemarkungen Sinkershausen und Diedenshausen Flächenzuwächse zu verzeichnen hätten.

Das Ziel der Energiegenossenschaft sei es auch, dass während der Offenlegungsphase die „gestrichenen Flächen“ bei Herzhausen wieder aufgenommen werden. Sobald der Regionalplan beschlossen sei, entstehe auf den endgültigen Vorrangflächen Baurecht und die Bauleitplanung liege dann in den Händen der Kommunen Dautphetal und Gladenbach.

Dirk Reuter stellte die Grundgedanken zur Gründung der Energiegenossenschaft vor und führte aus, dass sich ein Großteil der „windhöfigen“ Flächen im Privatbesitz befinde. Die Stimmung im Ortsteil Herzhausen schwanke zwischen kategorischer Ablehnung über Unentschlossenheit bis hin zur Zustimmung. Einige Bürger, organisiert durch die Bürgerinitiative „Franzosendrusch“, hätten einseitige Willenserklärungen für eine Nichtakzeptanz von Windkraftanlagen auf ihren Grundstücken abgegeben. Gleichzeitig seien bereits erste Investoren an Grundstückseigentümer herangetreten.

Da es in Kürze Baurecht geben werde, sei eine kategorische Ablehnung von Windkraftanlagen riskant und eine Option sei, die Zügel in der Hand zu behalten. Eine Energiegenossenschaft biete die eigenverantwortliche Gestaltung der Standorte, sodass eine Übernahme durch fremde Investoren ausgeschlossen werde.

Zu den Aufgaben der Energiegenossenschaften gehören die Pachtung von direkten und indirekten Flächen für den Bau von Anlagen, die gerechte Verteilung der Pachterträge und die Organisation von Informationsveranstaltungen. Des Weiteren werde die Gestaltungsfreiheit und Akzeptanz durch eine Ermittlung der Wirtschaftlichkeit gegeben (Grundvoraussetzung sei ein Windgutachten), die Definition der Anlagen und der Abstand derselben zu den Ortslagen, darunter fallen auch die Berücksichtigung der Eingriffe in die Natur und die Definition der Zufahrtswege und Trassen.

Letztendlich beschließe die Genossenschaftsversammlung den Bau oder die Ablehnung der Windkraftanlagen. Durch eine große Bürgerbeteiligung soll Gleichberechtigung erzielt werden, wobei jedes Mitglied eine Stimme habe und das Stimmrecht nicht auf den Flächenanteil ausgelegt werde.

Genossenschaftsgründung am 28. Januar

Ein wichtiger Faktor sei zudem, dass die Wertschöpfung in der Region bleibe und auch eine Förderung regionaler Projekte in den Orten betrieben werden könne beziehungsweise Gewerbesteuer anfalle.

Für Montag, 28. Januar, 20 Uhr, kündigte Reuter die Gründung der Energiegenossenschaft mit Verabschiedung der Satzung im Dorfgemeinschaftshaus von Herzhausen an. Dabei soll sowohl der Aufsichtsrat, der zwischen 9 und 13 Mitgliedern umfassen kann, gewählt und auch der Vorstand bestellt werden.

Sinnvoll sei es, dass aus allen Ortsteilen Mitglieder in diesen Gremien vertreten seien. Reuter bat darum, in der Versammlung geeignete Personen vorzuschlagen. Die Anteilshöhe der Mitgliedschaft betrage 100 Euro (je Mitglied maximal 100 Anteile). Zusätzliche Finanzierungen können über Nachrang- und Fremdkapital erfolgen.

Nachfragen gab es bezüglich der anfallenden Kosten für die notwendigen Gutachten. Diese Kosten wurden von Ulf Schmiechel von „BürgerWind Gladenbach“ auf bis zu 200000 Euro geschätzt und als Risikokapital bezeichnet. Hierzu sprach Wege von zuverlässigen Informationen darüber, dass diese Kosten über ein Bankdarlehen finanziert werden könnten. Klaus Bartnik wollte wissen, was für den Fall der Nichtverwirklichung der Vorhaben mit den eingezahlten Anteilen geschehe. Dirk Reuter versicherte, dass diese dann wieder zurück an die Anteilseigner gehen.

Kontra von der IG Franzosendrusch

Siegfried Kerkiehn warf Reuter und Wege nicht unbedingte Uneigennützigkeit in Bezug auf die Wiedererlangung bereits gestrichener Flächen im Regionalplan bei Herzhausen vor, da sie dort Grundstückseigentümer seien. Reuter bezeichnete daraufhin die Gründung der Energiegenossenschaft als Einladung für alle Genossen - ob Eigentümer oder nicht - mit gleichem Stimmrecht.

Kerkiehn teilte auch mit, dass sich die IG Franzosendrusch gegen den Bau von Windkraftanlagen im Wald ausspreche. Zudem sei nach seiner Information die Abnahme des erzeugten Stroms, wenn die geplanten Windkraftanlagen „Am Hilsberg“ an das Netz gehen, nicht gewährleistet, da dafür die Abnahmekapazitäten der Eon Mitte im Umspannwerk in Friedensdorf nicht ausreichten.

von Helga Peter

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