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Das Urteil lautet 34 Monate Haftstrafe

Vergewaltigungs-Prozess Das Urteil lautet 34 Monate Haftstrafe

Das Landgericht ist von der Schuld des Angeklagten überzeugt und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von fast 3 Jahren.

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Das Landgericht Marburg verurteilte einen 59-Jährigen zu zwei Jahren und zehn Monaten.

Quelle: Archivfoto

Marburg. An einem Novembertag im Jahr 2010 fiel ein Mann, der bis dahin nicht gewalttätig aufgefallen war, im gemeinsamen Haus in einer Südkreisgemeinde über seine Ehefrau her. Er würgte sie so stark, dass sie dachte, er bringe sie um. Anschließend zerrte er sie ins Badezimmer, wo er eine Wanne mit Wasser bereitgestellt hatte. Als sie schrie, zerrte der Mann seine Frau an den Haaren ins Schlafzimmer, wo er unter Gewalteinwirkung Geschlechtsverkehr erzwang. Anschließend hielt er sie die ganze Nacht fest und ließ sie erst in den Morgenstunden zur Arbeit fahren.

Diesen Tathergang sieht das Marburger Landgericht unter de Vorsitz von Richter Dr. Carsten Paul als erwiesen an. Es verurteilte den 59-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

Sein Verteidiger kündigte an, dieses Urteil anzufechten, in die Revision zu gehen. Denn bis zum Schluss standen, nach Ansicht von Rechtsanwalt Oliver Staab aus Gladenbach, Aussage gegen Aussage. An zwei Verhandlungstagen waren acht Zeugen geladen, unter anderem der Bruder des Angeklagten, die Schwester des Opfers, die auch als Nebenklägerin auftrat und der gemeinsame Sohn des Noch-Ehepaares.

Fünf Monate arbeitsunfähig

Am ersten Verhandlungstag war die Geschädigte als Zeugin aufgetreten, schilderte mit nüchterner Sprache die Tat und erzählte von den Folgen. Dass sie gedacht hatte, sie schaffe es irgendwie, nachdem sie am Tag nach der Tat zu ihrem Sohn zog. Dass sie aber im Januar zusammengebrochen und fünf Monate arbeitsunfähig gewesen sei, an Schlafstörungen, Angstzuständen und einer schweren Depression gelitten habe. Richter Paul verlas das Attest einer Psychotherapeutin, die der Geschädigten bescheinigte an den Symptomen einer posttraumatischen Belastung zu leiden. Ihr seit 10 Jahren arbeitsloser Mann reagierte mit Unverständnis und der Forderung zur Zahlung eines Unterhalts, durch seine als Altenpflegerin tätige Frau. Vor einem Jahr saßen sich die Eheleute schon vor dem Familiengericht gegenüber, das die Unterhaltsforderungen auf Grund der sexuellen Nötigung und Körperverletzung abwies.

"Ich bin ein friedfertiger Mensch"

Der 59-Jährige gab keinen der Anklagepunkte zu. Er gab an, eifersüchtig gewesen zu sein, dass er mit eigenen Augen seine Frau eng umschlungen mit einem jungen Mann gesehen habe. Ihm scheine es, als gehe es nur um einen Streitpunkt, nämlich Geld. 40.000 Euro, die an den gemeinsamen Sohn überschrieben wurden. Die Tat habe er nicht begangen. „Es hat keiner Angst vor mir, wir müssen in der Familie wieder einen normalen Umgang finden. Ich bin ein friedfertiger Mensch, das können alle bestätigen, die mich kennen“, sagte er.

Sein Verteidiger versuchte die Ehefrau als unglaubwürdig darzustellen, stellte ihre Aussagetüchtigkeit in Frage. Er zeigte Widersprüche auf und versuchte, das Ehe-Ende mit einer Depression der Frau zu erklären. „Hier zeigt sich eine Aussage-gegen-Aussage-Konstellation, es gibt keinen Tatnachweis und eine Anhäufung widersprüchlicher Details.“ Er plädierte auf Freispruch.

Zeugenaussagen untermauerten jedoch die Angaben des Opfers. Arbeitskollegen beschrieben zum Beispiel, dass sie am Morgen nach der Tat stark hervorquellende Augen und ein geschwollenes Gesicht hatte. Dass sie erst knapp zwei Jahre später Anzeige erstattete liege daran, dass sie sich unglaublich geschämt habe und ihre Familie schützen wollte, legte Staatsanwältin Annemarie Wied dar. Rachegedanken spielten dabei keinerlei Rolle.

von Kristina Gerstenmaier

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