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Das Optimieren ist schon vorgesehen

Wahl zur Kirschenkönigin Das Optimieren ist schon vorgesehen

Unterschiedlicher könnte die Bewertung des 
neuen Wahlmodus‘ kaum ausfallen, doch die Organisatoren hatten auch mit technischen Widrigkeiten zu kämpfen und sehen sich nun in einer Prinzen-Diskussion verwickelt.

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Nur die grünen, roten und gelben Bälle brachten Punkte. Die von den Kandidatinnen unterstützten Prinzen, konnten die Bälle nicht sehen – das Publikum aber auch nicht.

Quelle: Michael Hoffsteter

Gladenbach. Premieren haben 
ihre Tücken. Oftmals geht etwas schief. Hat der Veranstalter Glück, bekommt das Publikum nichts mit. Manchmal ist es aber so offensichtlich, dass es dem Publikum aber nicht entgehen kann, wie zum Beispiel bei der Wahl der Kirschenkönigin 2016 am Freitagabend im Festzelt.

Pech hatten zum Beispiel die Gäste ab der Mitte des Zeltes. Als vorne Black Jack gespielt wurde, wären größere Spielkarten sehr hilfreich gewesen, um ab den mittleren Plätzen etwas erkennen zu können. Selbst die beiden Großleinwände halfen dabei nicht, ebenso wenig beim Hindernisparcours, dem sogenannten „Über die Planke gehen“.

Auf den hinteren Rängen war davon nichts zu sehen, allenfalls bei dem höchsten Hindernis, unter dem die Kandidatinnen hindurch mussten, war etwas zu erahnen. Wer vorne saß oder auf den Bänken stand konnte zumindest einen Teil des Geschehens verfolgen.

Publikum: Neuer Modus 
ist gewöhnungsbedürftig

Dagegen waren die Hinterbänkler beim Glücksraddrehen mitten drin, weil die Organisatoren es diesmal nicht auf der Bühne, sondern am anderen Ende des Laufstegs aufgestellt hatten. Leider klemmte das Rad und war kaum zu drehen. Die geforderte volle Umdrehung bekamen die beiden ersten Prinzen schon nicht hin.

Moderator Lutz Riemenschneider fiel dies aber erst auf, als der dritte Prinz, der elfjährige Enrico Urban, sich an die Stifte des Rades hing und es doch nicht in Bewegung brachte. Nach einer Reparatur durch Mitarbeiter des Bauhofes mussten die Prinzen nochmal ran.

Zur schlechten Sicht kam auch noch eine bescheidene Akustik 
hinzu und so wurde die Fluktuation der Zuschauer nur noch durch die Inanspruchnahme 
von Smartphones oder der
 Intensität der Gespräche übertrumpft, mit der die Gäste der Akustik noch mehr zusetzten.

Doch nicht nur im hinteren Teil des Festzeltes hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Auch vorne, wo die Anhängerschaft der Kandidatinnen traditionell auf den Bänken steht, um ihre 
Favoritin anzufeuern, sprang der Funke erst nicht über. Eine kaum vernehmbare Resonanz kam aus dem Publikum, als 
Riemenschneider nach zwei Spielen nach der Meinung der Gäste fragte.

Gegenüber der OP waren unter den Befragten im Festzelt ein „es hat schon mehr mit Glück zu tun“, wie ein Frohnhäuser fand, oder das mehrmals vorsichtig geäußerte „man muss sich vielleicht erst daran gewöhnen“ noch die positivsten Reaktion. Einzig Katja Ullrich aus Gladenbach fand: „Es macht die Wahl interessanter.“

Bürgermeister: „Wir werden was verbessern

Vor allem die von der OP befragten Stammgäste äußerten sich wenig überzeugt. „Nicht gut“, sagte eine Frau aus einem Stadtteil. Sie sei seit 40 Jahren dabei und „es war bisher besser“, aber vielleicht müsse man sich erst daran gewöhnen. „Kinderkram“, findet gar ihre Freundin: „Erst haben sie sich hübsch gemacht, waren sie beim Frisör 
und bekommen dann eine 
 Augenbinde verpasst. Da ist doch alles hin!“

„Überhaupt nicht gut“, bewertet eine Mornshäuserin den neuen Modus und fügt an: „Da macht man sich ja lächerlich.“ Aus berufenem Munde kommt ein „blöd“. Es sei okay etwas zu verändern, aber nicht so, findet die ehemalige Kirschenkönigin, die wie viele andere namentlich nicht genannt werden möchte.

Kein Blatt vor dem Mund nehmen dagegen Ex-Queen Lara I. 
und ihre Freundinnen. Sie stehen vorne auf den Bänken links vom Laufsteg, da wo sich traditionell die lautesten Fans aufhalten. „Das ist zu lang, da macht keiner mehr mit“, sagt Tamara Wolf und Katharina Kirch unkt: „Wenn mehr Kandidatinnen mitmachen, schläft man ja ein.“ Beide sind sich einig: „Das Schreien war viel besser.“ „Ich fand das alte Verfahren auch besser“, pflichtet 
ihnen Lara bei.

Dabei haben die Banksteherinnen noch eine recht gute Sicht auf die Bühne. „Man sieht ja nichts“, hatte der Anfangs erwähnte, seitlich vorn stehende Frohnhäuser moniert und zum Ganzen auch folgenden Vorschlag parat: Man solle überlegen, was zu modifizieren sei.

Diese Frage stellte die OP dem Moderator des Abends. Lutz Riemenschneider ( Foto: Hoffsteter) meint dazu: Das Problem mit der Akustik sei allen aufgefallen, er könne aber nicht sagen, woran es lag. Riemenschneider 
weist hinsichtlich der anderen Kritikpunkte darauf hin: „Es war eine Premiere, mit dem Versuch, eine Chancengleichheit herzustellen.“

Er finde den neuen Wahlablauf besser und dieser sei auf der Bühne auch kurzweilig gewesen. „Aber die Leute wollen was sehen“, weiß der Moderator. Deshalb müsse das Spiel mit den Bällen verbessert werden. Es könnte in der Mitte der Bühne stattfinden und mittels Kamera auf einer Großbildleinwand übertragen werden, lautet sein Vorschlag, den er bei einer Besprechung mit den Organisatoren einbringen werde.

Diese soll in den nächsten Tagen stattfinden, sagt Bürgermeister Peter Kremer ( Foto: Hoffsteter). Für ihn steht jetzt schon fest: „Wir werden was verbessern.“ Denn: „Es war eine Premiere 
und wir wussten nicht, was auf uns zukommt.“ Fest steht für Kremer, dass der Modus mit fünf Disziplinen beibehalten wird, weil „die Spiele durchweg sehr gut angekommen sind“.

Fest steht für ihn auch: Im nächsten Jahr wird es neue Regeln für den Einsatz des Jokers geben. Und das Bällchenspiel soll „besser sichtbar“ sein. Dazu könnte der Behälter auf einem Tisch postiert werden und die Filmaufnahme davon mit einer tragbaren Kamera und Projektor auf eine Leinwand übertragen werden.

Die Lösung mit den Video-Bildschirmen war nur für die Fußballübertragung gedacht. Man sei erst kurzfristig auf die Idee gekommen, auch das Geschehen auf Bühne und Laufsteg darüber zu zeigen, doch das ging nur mit einer statischen Kamera, berichtet Bürgermeister.

Ersatz-Prinz Enrico Urban wird zum Politikum

Dennoch sagt Kremer: „Ich bin wirklich sehr zufrieden.“ Vor allen Dingen weil die Modifikationen von einer Mitarbeiterin der Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Team der SEB entstanden sind, die „vorher nie etwas damit zu tun hatte“.

Mehr Sorgen bereitet Kremer der Wirbel um Enrico Urban, der im Festzelt als Prinz für die plötzlich ohne Begleiter dastehene Kandidatin Selina Schmidt einsprang. Daraus 
werde ein Politikum gemacht, sagt der Bürgermeister, dabei hätte die spätere Siegerin ohne den elfjährigen Ersatz-Prinzen nicht an den Spielen teilnehmen können. Außerdem spiele 
der Prinz bei den Terminen der Kirschenkönigin keine Rolle, 
versucht Kremer diejenigen zu beschwichtigen, die um den 
Ruf der Kirschenmarkt-Stadt besorgt sind.

von Gianfranco Fain

 

Stellschrauben sind zu betätigen

Die Verantwortlichen haben sich an eine Änderung des Modus‘ zur Wahl der Kirschenkönigin gewagt, doch der Versuch ist nicht auf Anhieb gänzlich geglückt. Die technischen Probleme, wie schlechte Sicht und miese Akustik sowie ein klemmendes Glücksrad lassen sich sicherlich leicht beheben.

Auch ein vorheriges Festlegen der Joker-Regeln wäre nicht von Nachteil gewesen. Gleichgültig, ob Spiel gewonnen oder nicht – der Joker verdoppelt immer die Punkte, wäre eine einfache Regel und macht keine Stechen nötig.

Noch schwieriger wird 
eine Korrektur des Wahlmodus‘ werden. Von zu langwierig und das Publikum nur noch minimal beteiligend bis hin zum schlichten „blöd“ lauteten die Meinungen der durch die OP befragten Festzeltbesucher.

Zugegeben: Elf zufällig Befragte in einem mit Hunderten Menschen gefüllten Zelt werfen allenfalls ein Blitzlicht auf die Stimmungslage. Doch wenn sich nur einer von diesen unumschränkt positiv äußert, sollte das zu denken geben.

Damit steht die veranstaltende Stadtmarketing-Energie-Bäder (SEB) vor einem erneuten und zugleich altem Problem. Zwar bevorteilte der alte Modus die Kandidatinnen, die einen Verein im Rücken hatten, doch die Version hatte den Vorteil, kurz und knackig zu sein und vor allem, das Publikum stark einzubeziehen.

Die nun eingeführten Spiele sollten den Nachteil der Vereinslosigkeit durch den Glücksfaktor mindern und somit die Wahl spannender machen. Das ist im Ansatz auch gelungen, nur wie lange soll die Wahl dauern, wenn es mal wieder fünf Kandidatinnen 
geben sollte?

Bis zur Kirschenkönigin-Wahl 2017 haben die SEB-Verantwortlichen eine harte Nuss zu knacken. Ratsam erscheint zumindest, statt einer Spieleprobe im stillen Kämmerlein eine Generalprobe im Festzelt abzuhalten.

Dadurch können zumindest technische Probleme mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Vielleicht wäre auch die erneute Auswahl eines Prinzen aus dem Publikum ein belebendes Element für die Wahl.

 
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