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Das Duell an der Gemeindespitze

Bürgermeisterwahl in Angelburg Das Duell an der Gemeindespitze

Der Erste Beigeordnete gegen den Amtsinhaber oder Haffer gegen Beck: Am 5. Februar wählen die 
Angelburger Bürger ihr Gemeindeoberhaupt.

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Die beiden Kandidaten der Bürgermeisterwahl in Angelburg: der sozialdemokratische Amtsinhaber Thomas Beck (links) und der parteilose Herausforderer und Erste Beigeordnete Reiner Haffer.

Quelle: privat

Angelburg. Vor rund sechs Jahren trafen sie bei der Bürgermeisterwahl um den vakanten Posten schon einmal aufeinander. Die Stichwahl ging 2011 zugunsten des Sozialdemokraten Thomas Beck aus. Der Bankkaufmann aus Lixfeld trat sein Amt an, der Polizist aus Gönnern gönnte sich eine Pause von der Lokalpolitik.

Erst die Kommunalwahl im März 2016 beförderte Reiner Haffer in eine Spitzenposition der Gemeinde. Die vielen Stimmen, die der 54-Jährige erhielt, gaben für BGL/FWG und CDU den Ausschlag, ihn zum Ersten Beigeordneten zu küren, womit er ehrenamtlicher Stellvertreter des hauptamtlichen Bürgermeisters ist.

Amtsinhaber stolz auf Entschuldung

Neben dem Drang zum Gestalten verbindet die beiden Kandidaten die Heimatverbundenheit. Beide sind Hinterländer, leben mit ihren Familien in Angelburger Ortsteilen. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten auch fast schon auf. Während der Sozialdemokrat seine Arbeit fortsetzen, erreichtes ausbauen möchte, sieht der unabhängige Herausforderer einigen Verbesserungsbedarf. Der 43-jährige Beck ist stolz darauf, in seiner fünfeinhalbjährigen Amtszeit die Entschuldung konsequent vorangetrieben zu haben und dass am Ende dieses Jahres es sogar einen kleinen Überschuss im Haushalt geben soll.

Die ­finanzielle Handlungsfähigkeit ermögliche es dann, Ideen und Projekte zu verwirklichen, ohne an die belastete Gemeindekasse denken zu müssen. Projekte­ gibt es viele: An der Instandhaltung von Straßen, Abwasser- und Wasserleitungen müsse die Gemeinde „dran“ bleiben. Auch das Thema „regenerative Energien“ soll geprüft und umgesetzt werden bei „größtmöglicher Transparenz und Bevölkerungsinformation“, heißt es auf seiner Internetseite.

Die Diskussion um die Nutzung des alten Rathauses in Lixfeld sei weiterzuführen und die Familienfreundlichkeit der Gemeinde zu erhöhen, wobei die Kinderbetreuung auf einem hohen Niveau sei und Familien vielleicht zum Kauf oder Bau eines Hauses von der Gemeinde einen Zuschuss erhalten könnten.

Zu prüfen sei, ob ein Bürgerbus ebenso eingerichtet werden kann wie „Angelburg-Aktiv-Tage“ für junge und ältere Mitbürger. Das ehrenamtliche Engagement möchte Beck durch die Änderung der Förderrichtlinien und der Einführung eines Ehrenamtspreises stärken. Und auch eine Mountainbike-Strecke kann sich der Amtsinhaber vorstellen.

Bürgerbus oder 
Mitfahrerbank?

Für Haffer, der durch seine Tätigkeit als Erster Beigeordneter Einblick in die internen Strukturen erhalten hat, steht die Modernisierung der Abläufe in der Gemeindeverwaltung ganz obenan. Er möchte mit den Mitarbeitern einiges verändern und so Zeit und Geld sparen. Begleitend dazu soll es ein Ideenmanagement geben und möglichst einen Beschaffungsverbund mit dem Kreis oder anderen Kommunen. Auch eine Kooperation mit dem Bauhof der Nachbargemeinde Steffenberg soll es geben. Ziel von alledem: Die Kosten für die Kommune senken. Bei diesen Themen ist der Polizist in seinem Element, leitet er doch den Fuhrpark, die Beschaffungen und die Spezialtechnik.

Weil Kindergartengebühren für ihn auch ein Standortfaktor sind, ist ein ganz großes Ziel die kostenfreie Kindergartenbetreuung, wozu er aber Hilfe von Land und Bund für die Kommunen erwartet. Auch die vor zwei Jahren gescheiterte Fusion mit Steffenberg ist für Haffer noch ein Thema. Was beim ersten Versuch an Transparenz und Bürgerbeteiligung fehlte, sollte bei einem neuerlichen Versuch besser laufen, findet der parteilose Kandidat. Mit der Nachbargemeinde würde er auch die Vermarktung des gemeinsamen Gewerbegebietes bei Gönnern und Niedereisenhausen verbessern, zum Beispiel mit Grundstücken zu reduzierten Preisen, um langfristige Arbeitsplätze zu erhalten.

Die kostenfreie Fahrt zum Einkauf für ältere Mitbürger würde Haffer durch eine „Mitfahrerbank“ erreichen wollen. Und bevor Gebühren erhöht werden, müsse die Ausgabenseite geprüft werden. Dies soll eine direkte Kostenkontrolle erreichen, die auch die Jahresabschlüsse und Gemeindehaushalte aussagekräftiger machen würde.

von Gianfranco Fain

Steckbrief: Thomas Beck   Steckbrief: Reiner Haffer
Thomas Beck, geboren am 13. Dezember 1973.
1990 Realschulabschluss.
1990 Ausbildung zum Bankkaufmann bis 2011 Tätigkeit bei der Deutschen Bank.
1999 Studiumabschluss Bankfachwirt (IHK), 2001 Bankbetriebswirt (Bankakademie).
Seit Juni 2011 Bürgermeister der Gemeinde Angelburg.
Mitglied in mehreren Vereinen und im Vorstand des Regionalen Nahverkehrsverbandes Marburg-Biedenkopf (RNV) und des Naturparks „Lahn-Dill-Bergland“ sowie im Beirat der Diakoniestation Gladenbach.
Seit 1994 verheiratet mit Anne-Carina, Februar 2012 Geburt von Mila-Sophie.
Hobbies: Singen, Wandern, Radfahren, Lesen, Kabarett.
  Reiner Haffer, geboren am 5. September 1962 in Biedenkopf.
Realschulabschluss 1979 in Dillenburg.
1986 Heirat mit Birgit, 1991 Geburt von Bastian.
Bei der Polizei 1988 von Frankfurt nach Gießen versetzt.
1998 Abschluss als Diplomverwaltungswirt an der Hochschule für Polizei und Verwaltung, danach dort Dozent für Polizei- und Verwaltungsbeamte.
Seit Mai 2016 Erster Beigeordneter der Gemeinde Angelburg.
Seit Jahren Vorsitzender des Vogelschutzvereins Gönnern.
Hobbys: Fotografieren und Betreuen der Geräte des Angelburger Senioren Computerclubs.
     
     
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