Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Das Arbeiten mit Sylvester ist trickreich

Pferd macht Kunsttücke Das Arbeiten mit Sylvester ist trickreich

Sylvester kann Lachen, Jasagen, Kopfschütteln, Spanischen Schritt, Fußballspielen, sich verbeugen – und zu besonderen Anlässen rollt der 25-jährige Wallach sogar einen roten Teppich aus.

Voriger Artikel
Kosten für Stützpunkt der Feuerwehr steigen
Nächster Artikel
Neue Ortsvorsteher legen den Eid ab

Viktoria Gerlach hat ihrem Pflegepferd Sylvester beigebracht, auf Kommando zu lachen.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Friedensdorf. Gut 30 Minuten pro Tag trainiert Viktoria Gerlach an den Wochenenden regelmäßig mit dem Fjordwallach Sylvester. So lange kann er sich konzentrieren und folgt den Kommandos aufs Wort.

Dann ist bei ihm die Luft raus, und die Möhrchen als Motivationsunterstützung sind alle. Für jeden Trick holt sich Sylvester ein Leckerli ab.

Bei einem Trick bedient er sich sogar selbst mit gleich mehreren Leckerli: Wenn er aufgefordert wird, den roten Teppich auszurollen. Es bedarf keiner zweiten Aufforderung. Eingerollt in dem Vorleger sind mehrere Möhrenstückchen, auf die Sylvester total abfährt. Den Teppich-Trick hat Viktoria Gerlach auch bei der Verleihung des Staatsehrenpreises an das Fjordgestüt Fjellhorn in Friedensdorf im November 2015 vorgeführt und damit die Zuschauer auf ihre Seite gezogen.

Sylvester gibt sich Mühe

Sylvester hat aber noch mehr Tricks auf Lager. Er kann zum Beispiel Lachen, Nein-Sagen, Nicken, Apportieren, sich hinlegen, Spanischen Schritt und Kompliment, die vornehmste der Verbeugungen. Die Tricks hat ihm Viktoria Gerlach beigebracht, weil sie ihn in einer langen Verletzungsphase beschäftigen wollte. Bei einem Ausritt stürzten beide.

Der Wallach zog sich eine langwierige Sehnenverletzung zu und durften am Anfang nur stehen, später gab es Schritt-Spaziergänge auf hartem Boden. Während dieser Spaziergänge legte Viktoria Gerlach viele Pausen ein, in denen sie das Geübte abfragte.

Ihr machen die Zirkuslektionen mit Sylvester vor allem Spaß, weil „er sich Mühe gibt“. Zur Beschäftigung des Wallachs hat sie zunächst Bücher gewälzt und ausprobiert. Schnell stellte sie fest, dass sie nicht mit allen Ratschlägen ans Ziel kam.

„Ich habe einfach experimentiert, wenn es nicht geklappt hat.“ Um Sylvester das Ausrollen des roten Teppichs beizubringen, hat sie drei Wochen gebraucht. Obwohl Sylvester wieder geritten werden kann, hat Viktoria Gerlach so viel Spaß an der Arbeit mit Sylvester, dass sie ihm weitere Tricks beibringt.

Passend zur Fußball-Europameisterschaft kann Sylvester auf das Kommando „und Schuss“ einen aufblasbaren Gymnastikball mit den Vorderbeinen in Schwung bringen. Das Fußballspielen hat die Silbergerin mit ihm erst sechs Mal geübt.

Den richtigen Moment nicht verpassen

Für das Hinlegen auf Kommando braucht der 25-jährige Wallach vor allem eines: Zeit. Zunächst sucht er in der Halle die passende Stelle, auf der er sich ablegen möchte. Während der Wallach im Schritttempo nach einem guten Platz sucht, bleibt Viktoria Gerlach völlig ruhig. „Down“ sagt sie und lässt den Wallach suchen.

Wenn er fündig geworden ist, knickt er die Vorderbeine- und Hinterbeine ein und legt die Beine anschließend seitlich ab. Sobald Sylvester die typische Entspannungshaltung eingenommen hat, muss sich die 22-Jährige beeilen, will sie den richtigen Moment nicht verpassen. Aus dieser Position kann das Pferd innerhalb von Sekunden aufspringen. Während sie sich auf seinen Rücken setzt, reicht sie ihm ein Leinsamen-Leckerli.

In diesem Moment sind sich Mensch und Tier ganz nah. Die zirzensischen Lektionen haben die 22-Jährige und das Pony enger zusammengeschweißt. Sie will diese besonderen Momente mit ihrem Pflegepferd nicht missen, und sie ist stolz darauf, ihm etwas beigebracht zu haben. Und sie ist sicher, dass auch der Wallach Spaß an den Lektionen hat.

Ohne Halfter und ohne Strick bleibt der Wallach in der großen Halle stets in der Nähe seiner „Trainerin“. Wenn die Reithalle mal besetzt ist, weicht Viktoria Gerlach zur Arbeit auf den Roundpen aus. Dort klappt nur das Hinlegen nicht auf Anhieb. Viktoria Gerlach vermutet, dass dem Wallach der Hallenboden einfach angenehmer ist.

von Silke Pfeifer-Sternke

Das Hinlegen ist einer seiner Lieblingstricks, denn dafür erhält der Wallach ein besonders schmackhaftes Leckerli. Foto: Silke Pfeifer-Sternke
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr