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„Darauf sollten wir mit Sekt anstoßen“

DGH-Verkauf an Kulturverein „Darauf sollten wir mit Sekt anstoßen“

Mit kleinen Änderungen und ohne große Diskussion wird der Gemeindevertretung die Zustimmung zum Verkauf des Gebäudes für 95 000 Euro nahegelegt.

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Das Dorfgemeinschaftshaus in Weipoltshausen wird zum Preis von 95 000 Euro den Besitzer wechseln. Das scheint nach der Hauptausschussitzung sicher zu sein.

Quelle: Gianfranco Fain

Lohra. Applaus am Ende der Hauptausschusssitzung – wann gibt es das schon? Die 17 Zuhörer und 9 Ausschussmitglieder waren sich aber einig und taten ihre Freude kund. Der Ausschussvorsitzende Hermann Schorge strahlte und sagte glücklich: „Eigentlich sollten wir darauf mit Sekt anstoßen!“ Der Sozialdemokrat sprach schon beim Aufruf des Tagesordnungspunkts „Verkauf DGH Weipoltshausen an den Kultur- und Heimatverein Weipoltshausen“ von einem sich anbahnenden „Jahrhundertbeschluss“, ging es doch um das erste DGH, das an die Bürgerschaft verkauft werden soll.

Um das Gebäude, dass noch im Zuge der alten Dorferneuerungsrichtlinien erneuert werden soll, zanken sich die Gemeindevertreter und die Weipoltshäuser seit rund drei Jahren. Erst waren die Sanierungswünsche umstritten und zu teuer, später beschloss die verschuldete Gemeinde, ob der prekären Haushaltslage, sich möglichst von Anlagevermögen zu trennen, zuvorderst die kostenträchtigen Dorfgemeinschaftshäuser. Die Weipoltshäuser wollen ihr Haus erhalten, darin zum Beispiel ein Dorfcafé einrichten, gründeten zum Betrieb und Unterhalt des Hauses einen Trägerverein.

Dieser handelte mit dem Gemeindevorstand die Modalitäten für den Kauf aus. Dennoch gab es zur Vorlage des Gemeindevorstands einen Änderungsantrag von der SPD- und der CDU-Fraktion. Als Grund nannte Michael Ganz, Kassenwart des Kulturvereins, der OP, dass der Verein etwas mehr Kalkulationssicherheit bei den Einnahmen und Verteilungsgerechtigkeit bei den Nebenkosten benötige.

Schwald: „Die Gemeinde wird mittelfristig als Gewinner dastehen“

Da auch die Vertreter der BfB sich dafür aussprachen, wird per einstimmig angenommenem Änderungsantrag festgehalten, dass die Stundung von 10 000 Euro des Kaufpreises für 5 Jahre zinsfrei erfolgt und dann je nach wirtschaftlicher Situation des Vereins zu zahlen ist. Ferner wird statt einer Warmmiete von 1000 Euro für 10 Jahre eine Kaltmiete von 790 Euro festgelegt und die Nebenkosten für das Ortsvorsteherzimmer, die Feuerwehrhalle und den -schulungsraum separat abgerechnet.

Sollte innerhalb der Frist die Vermietung entfallen, trägt die Gemeinde die Differenz (siehe Vertragsinhalt). Bürgermeister Georg Gaul bemerkte dazu, dass die Weipolts­häuser Wehr ob ihrer starken und jungen Einsatzabteilung sicherlich noch 10 Jahre bestehen wird und warb für die Vorlage des Gemeindevorstands.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Kurt Schwald begründete für die Antragssteller den Änderungsantrag: „Wir wollen dem Verein helfen, die Kosten besser stemmen zu können. Die Gemeinde wird mittelfristig als Gewinner dastehen. Es ist ein Beschluss, auf den der ganze Kreis schaut.“ Der Verein könne das Haus nun gestalten, wie er wolle, ergänzte CDU-Fraktionschef Werner Waßmuth: „Jetzt wird es ein richtiges Bürgerhaus!“

Bis dies der Fall ist, muss allerdings noch am nächsten Donnerstag die Gemeindevertretung während ihrer Sitzung der einstimmigen Empfehlung des Hauptausschusses folgen und im Dorfgemeinschaftshaus Altenvers ihren Segen zum Vertrag geben. Der scheint gewiss, kündigten doch Schwald und Waßmuth auch dort die geschlossene Zustimmung beider Fraktionen an. Damit dürfte der für diesen Abend angekündigten Sektrunde doch nichts mehr im Wege stehen.

von Gianfranco Fain

 
Vertragsinhalt

Das Dorfgemeinschaftshaus Weipoltshausen soll auf Vorschlag des Gemeindevorstands zu folgenden Konditionen an den Kultur- und Heimatverein Weipoltshausen verkauft werden:

Der Kaufpreis für das Gebäude und eine noch zu vermessende Teilfläche beträgt 95 000 Euro, wovon 85 000 sofort gezahlt werden, 10 000 auf 5 Jahre zinsfrei gestundet werden und dann je nach wirtschaftlicher Situation des Vereins zu zahlen sind.

Als Mietzins wird eine Kaltmiete in Höhe von monatlich 1000 Euro für 10 Jahre festgesetzt, die von der Gemeinde für die Nutzung von Ortsvorsteherdienstzimmer, Feuerwehrschulungsraum und -halle an den Verein zu zahlen ist. Benötigt die Gemeinde die Räume nicht mehr und wird kein Nachmieter gefunden, trägt die Gemeinde die entstehende Differenz.

Der Festplatz bleibt im Eigentum der Gemeinde.

Wird das Haus innerhalb von 20 Jahren veräußert, kann die Gemeinde die Differenz zum Kaufpreis von 95 000 Euro als Entschädigung verlangen, abzüglich des Betrags, der durch Wertverbesserung zum höheren Verkaufspreis geführt hat.

Die Gemeinde Lohra zahlt einen Betriebskostenzuschuss von 16 750 Euro im Jahr 2015, 13 250 Euro (2016), 11 250 Euro (2017) und 8750 Euro (2018).

Die anteilige Pacht an der PV-Anlage von rund 2450 Euro wird an den Verein übergeben.

Der Verein trägt alle Nebenkosten des Kaufvertrages.

Die Sirene auf dem Dach des Gebäudes bleibt im Eigentum der Gemeinde, die, so lange der Verein besteht, jederzeit Zugang für Wartungsarbeiten und Ähnliches erhält.

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