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Daniela Rühl steht ihren Mann

OP-Serie "Die gute Seele des Vereins" Daniela Rühl steht ihren Mann

Daniela Rühl ist schon seit der Jugend für den TSV Weipoltshausen aktiv. Seit 2009 sogar als erste Frau an der Spitze des Vereins, mit dem die 38-Jährige viel erreicht hat – und auch ein persönliches Ziel anstrebt.

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Daniela Rühl ist eine der wenigen Frauen, die im Vorstand eines Fußballvereins im Landkreis Marburg-Biedenkopf tätig ist. Ihre Heimat: Der SG Versbachtal.

Quelle: Thorsten Richter

Weipoltshausen. „Keine zehn“, antwortet Peter Jacobi vom Sportkreis Marburg-Biedenkopf auf die Frage, in wie vielen der etwa 400 Sportvereinen im Landkreis Marburg-Biedenkopf eine Frau Vorsitzende ist. Daniela Rühl ist eine dieser wenigen – was so manch männliches Pendant schon mal irritiert.

„Bei Rundenbesprechungen ist es auch schon vorgekommen, dass Männer zu mir gesagt haben: ‚Mädchen, bring’ mir mal ein Bier!‘“, kann die 38-Jährige über derartige Erlebnisse aber inzwischen schmunzeln. Kein Wunder, denn beweisen muss sich die Verwaltungsfachangestellte der Uni Gießen nicht mehr. Schon in jungen Jahren brachte sie sich ehrenamtlich ein: im Jugendclub, beim Kinder­fasching, bei den Ferienspielen – der TSV war da bereits Familienangelegenheit.

Bei ihrer Wahl gab es drei Enthaltungen

„Mein Vater Werner hat selbst gespielt, war lange im Vorstand. Meine Mutter Brigitte war auch im Vorstand“, erzählt die gebürtige Weipoltshäuserin, die von 1986 bis 1996 selbst für den TSV und später die MSG Dautphetal/Erdhausen kickte – und das auch erfolgreich bis in die damalige Landesliga. „Irgendwann wurde der zeitliche Aufwand aber zu intensiv, weil ich zu dieser Zeit in Gießen meine Ausbildung gemacht habe.“

2001 fing sie mit Vorstandsarbeit an – zunächst als stellvertretende Schriftführerin, dann als Schriftführerin. 2009 folgte die damals 30-Jährige Thorsten Fink als erste Frau an die Spitze des etwas mehr als 240 Mitglieder zählenden Vereins im knapp 620-Seelen-Ort der Gemeinde Lohra. Allerdings nicht unum­stritten.

„Bei meiner Wahl gab es drei Enthaltungen“, erinnert sich Rühl, „ich wurde gefragt: ‚Wie willst du denn den Verein leiten? Du bist doch eine Frau.‘“ Doch das sei nicht selten hilfreich, meint Rühl, denn: „In einer Männerdomäne ist es manchmal schwierig. Als Frau kann man aus bestimmten Situationen gut die Spannung herausnehmen“, sagt sie augenzwinkernd.
So sehr damals die Vorbe­halte trafen, so groß war später die Genugtuung. „Zwei Jahre nach der Wahl haben sich dieselben Personen bei mir entschuldigt.“ Und auch dies mag nicht verwundern, denn ab 2009 passierte viel in dem einen von sieben Dorfvereinen am südlichen Rande des Landkreises.

„Das Durchsetzen war ein harter Kampf“

Die Tischtennis-Abteilung wurde wieder in Schwung gebracht, das Vereinsheim erhielt eine Solaranlage, Aerobic gehörte fortan wieder zum Angebot des TSV – um nur einen Teil zu nennen. Und: Mit dem SV Kirchvers und dem VfB Altenvers gründeten die Weipolts­häuser 2009 die bis heute bestehende Fußball-Spielgemeinschaft Versbachtal.

„Das Durchzusetzen, war ein harter Kampf“, war laut Rühl die Skepsis bei vielen Vereinsmitgliedern groß – auch bei ihrem Vater. Doch der Schritt sei mit Blick auf die künftige Teilnahme am Spielbetrieb alternativlos gewesen, wie die 38-Jährige meint, die von 2011 bis 2014 auch der SG vorsaß.

Ehrenamtliche Tätigkeit – für Rühl heutzutage unverzichtbar. Nicht zuletzt, weil so das Dorfleben „am Leben gehalten“ werde. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir ein so aktives Dorf sind“, sagt Rühl. Wenngleich es längst nicht mehr gang und gäbe sei, sich auf die Weise einzubringen. „Oft sind es dieselben Personen, die aktiv sind“, klagt Rühl, für die „diese Form der Freiwilligenarbeit für das gesellschaftliche Miteinander unverzichtbar, unersetzlich und unbezahlbar“ ist. Ein Beispiel für die Wichtigkeit des gemeinsamen Schaffens sei 2015 der Kauf des Dorfgemeinschaftshauses gewesen, bei dem sich auch der TSV maßgeblich einbrachte.

Blick geht schon auf das 100-jährige Jubiläum im Jahr 2020

„Die Gefahr war groß, dass wir alles weggenommen bekommen. Das war vielen nicht bewusst“, betont Rühl die Bedeutung dieses Projektes – schließlich hätte anderenfalls eine Räumlichkeit gefehlt, die nicht nur für offizielle Anlässe, sondern auch für die private Nutzung der Bürger nicht mehr zur Verfügung gestanden hätte. Für das kommende Jahr sei ein Spendenlauf aller Vereine zugunsten des Dorfgemeinschaftshauses angedacht.

Daniela Rühl, die in diesem Jahr für den Lu-Röder-Preis für Frauen im Ehrenamt nominiert war, blickt aber auch schon ins Jahr 2020, wenn das 100-jährige TSV-Jubiläum ansteht. „Das würde ich schon gerne als Vorsitzende erleben“, verrät sie, „was danach kommt: mal sehen. So lange ich Leute begeistern kann, ist alles gut“, sagt Rühl, die sogleich betont, dass ohne Vorstandskollegen vieles „nicht stemmbar“ wäre – egal, ob für Männer oder für Frauen, die ihren Mann stehen.

von Marcello Di Cicco

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