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„Da fragt man sich, was Sie hier wollen“

Landgericht „Da fragt man sich, was Sie hier wollen“

Seine Berufung gegen eine Verurteilung zu vier Monaten Gefängnis wegen Ladendiebstahls nahm ein 29-jähriger Gladenbacher gestern auf Anraten der Richter des Marburger Landgerichts zurück

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Gerichtshammer, Gesetzgebung, Rechtsprechung, Richter, Hammer, Gericht, Urteil

Marburg. Wegen weiterer Straftaten warten auf ihn noch Verfahren mit einer wesentlich höheren Strafandrohung.

Das Marburger Amtsgericht verurteilte den Mann im November, weil er vor einem Jahr mit seinem jüngeren Bruder und zwei Freundinnen aus dem Kaufland in Biedenkopf Waren im Wert von knapp 150 Euro entwendet hatte. Wegen zahlreicher Vorstrafen schloss das Gericht eine Bewährung aus.

Der Bruder und dessen minderjährige Freundin akzeptierten eine Geldbuße beziehungsweise Arbeitsstunden. Das Verfahren gegen die Freundin des 29-Jährigen wurde ausgesetzt, da sie kurz vor der Verhandlung ein Kind bekam.

Nichts spricht für eine günstige Sozialprognose

Dieses habe sein Leben sehr verändert, beteuerte der Angeklagte. Die zahlreichen Straftaten - insgesamt hat er 13 Vorstrafen, unter anderem wegen Einbruchs und Kreditkartenbetrugs, wofür er auch schon im Gefängnis war - habe er wegen seines Hangs zum Glücksspiel begangen, so der Mann. Jetzt sei er verantwortungsvoll und gehe nur noch einmal die Woche in die Spielhalle. Zudem habe er seit der Geburt des Kindes keine Straftaten begangen.

Wie der Vorsitzende Richter Thomas Wolf ausführte, wurde die Tat unter laufender Bewährung begangen. Zudem sei er vom Amtsgericht Biedenkopf zuletzt zu einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden, die Berufungsverhandlung dafür stehe noch aus. Drei weitere Strafverfahren seien anhängig. „Da fragt man sich, was Sie hier wollen“, betonte der Richter.

Verteidiger Oliver Staab argumentierte, dass die vier Monate im Hinblick auf das, was noch komme, eher untergeordnet seien, eine Bewährung für diese Tat also wegen der veränderten Lebensumstände durchaus noch möglich erscheine.

Das sah die Berufungskammer jedoch anders. „Es spricht gar nichts dafür, dass wir das Urteil abändern“, so Wolf später, nachdem er versuchte zu erfahren, was eine günstige Sozialprognose rechtfertigt.

Außerhalb des Gefängnisses hat der ungelernte Mann eigenen Angaben zufolge lediglich zwei Monate gearbeitet. Jetzt beschäftige er sich nur noch mit seinem Kind, schaue fern und gehe spazieren. Seine Freundin sei auch zuhause, einen Ausbildungs-Abschluss habe sie nicht geschafft. Auch dass er immer noch spiele, sei alles andere als positiv, bemerkte Wolf. Er verwies darauf, dass alle Strafen aus den drei ausstehenden Verfahren zu einer zusammengezogen werden können. Die vier Monate würden dann wohl nur mit einem Monat zu Buche schlagen.

Letztendlich konnte der Angeklagte überzeugt werden, sein Rechtsmittel zurückzunehmen. „Eine gute Entscheidung“, befand der Vorsitzende. Diese Einsicht könne sich nur positiv auf die ausstehenden Verfahren auswirken.

von Heiko Krause

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