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Bürgermeister setzen auf Gespräche mit Ärzten

Gesundheitskonferenz Bürgermeister setzen auf Gespräche mit Ärzten

Plötzlich erscheint die angestrebte Lösung der heimischen Ärzteschaft für den Bereitschaftsdienst freundlicher als die weitreichenderen Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung Hessens.

Gladenbach. Am Freitagabend fand in Marburg die zweite sogenannte Gesundheitskonferenz statt (die OP berichtete). Dabei ging es um die Zukunft der Ärztlichen Bereitschaftsdienste (ÄDB).

Die Motivation der Ärzteschaft des Kreises zur Veränderung liegt in der Dienstbelastung und dem hohen Altersdurchschnitt von 55 Jahren begründet. Der Marburger Notdienstausschuss versichert in einer Erklärung, die der OP vorliegt, dass es durch die Zusammenlegung der Notdienstbezirke Biedenkopf, Gladenbach und Ostkreis mit dem Marburger Bezirk „zu keiner Verschlechterung der ärztlichen Versorgung in den ländlichen Regionen kommen wird“. Die Zusammenlegung werde die ärztliche Gesamtversorgung in den ländlichen Regionen verbessern, indem die dort angesiedelten Ärzte weniger Bereitschaftsdienste leisten müssen, was wiederum die Attraktivität zur Niederlassung und Neubesetzung bestehender Praxen führen werde, heißt es in der Erklärung weiter.

Diese Diskussionsgrundlage und die Einwände der Bürgermeister führten dazu, dass sich die Runde laut Gastgeber Dr. Karsten McGovern gegenseitig versicherte, folgende gemeinsame Ziele anzustreben: Die gute Erreichbarkeit und Qualität des ÄDB zu erhalten, sowie diesen sicherzustellen und die Ansiedlung in ländlichen Gebieten für Ärzte attraktiver zu machen.

Details sollen von den KV-Obleuten und den Bürgermeistern in kleineren Runden geklärt werden. Die Zeit dazu sei vorhanden, so der Gesundheitsdezernent des Landkreises, weil die KV- Vertreterversammlung am Samstag zwar über die Strukturreform reden, aber vermutlich keine Entscheidung fällen werde. Somit sei mit der Reform erst im April zu rechnen - die Schließung der ÄDB-Zentralen in Biedenkopf und Gladenbach zum 1. April würde aufgeschoben - und dann könne auch mit der KV geklärt werden, welches Modell umgesetzt wird.

McGovern bewertet den Vorschlag der Ärzteschaft des Kreises als bessere Alternative zum den KV-Plänen, weil dieser zu einem Stadt-/Land-Ausgleich führe. Nach Informationen der OP plant die KV noch größere Bezirke als die jeweiligen Landkreise zu bilden mit nur zwei Telefon-Zentralen zum Beispiel in Kassel und Frankfurt.

McGovern verschweigt nicht, dass es am Freitagabend „keinen breiten Konsens“ gab. Nach Informationen der OP waren die Bürgermeister Gladenbachs, Klaus-Dieter Knierim, und Biedenkopfs, Joachim Thiemig bei der „Gesundheitskonferenz“ die zähesten Hinterfrager des vorgestellten Projekts.

Während Thiemig sich allerdings erst äußern will, nachdem er die zugesagten schriftlichen Erläuterungen studiert ausgewertet und diskutiert hat, sagt Knierim schon jetzt, dass viele Bedenken nicht ausgeräumt sind.

Zum Beispiel die Frage, ob die ÄDB-Zentrale in Wehrda überhaupt in der Lage sei, die erwartet Mehrzahl an Patienten aufzunehmen. Deshalb begrüßt Knierim auch die Bildung des „Arbeitskreises“, mit dem das Schicksal der Strukturreform „in die eigene Hand genommen wird“.

Sein Wunsch wäre ein Solidaritätspakt, um die Dezentralität zu erhalten. „Zumindest“, so der Gladenbacher Bürgermeister, „darf es nicht wesentlich schlechter werden.“ Eine Forderung, die auch seinen Lohraer Amtskollegen umtreibt. „Ob dieses Modell die Erwartungen erfüllen würde, ist offen“, sagt Georg Gaul. Die Wahrnehmung der Bürger sei jedoch: Die Versorgung wird verschlechtert.

HINTERGRUND

Der Notfalldienstausschuss des Bereitschaftsdienstvereins Marburger Ärzte hat am 16. Januar Pläne erstellt und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen übermittelt. Diesem Entwurf zufolge, wird der „Notdienstkreis“ nach der Zusammenlegung folgendermaßen organisiert, damit in vier Bezirken etwa 60000 Einwohner versorgt werden können:

nEs wird einen sogenannten „Sitzdienst“ in der Zentrale in Wehrda geben und für das ganze Kreisgebiet vier sogenannte „Fahrdienste“, also Ärzte die Hausbesuche machen.

nDie jetzigen Notdienstkreise Biedenkopf und Gladenbach werden für den ärztlichen Fahrdienst zu einem Notdienstkreis zusammengefasst.

nDer Ostkreis bleibt in den bisherigen Notdienstgrenzen bestehen.

nDie Stadt Marburg wird statt in einen Ost/West in einen Nord-/Südbezirk aufgeteilt.

nDie Öffnungszeiten der Notdienstzentrale in Marburg-Wehrda bleiben vorerst unverändert: täglich von 18 bis 23 Uhr, Mittwoch und Freitag von 13 bis 23 Uhr.

Für die Bürger sei somit außer einer längeren Wegstrecke zur Zentrale in Marburg mit keinen wesentlichen Veränderungen zu rechnen.

von Gianfranco Fain

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