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Bürgerhäuser zu, Kosten runter

Lohra kämpft gegen riesiges Defizit Bürgerhäuser zu, Kosten runter

Durch den Verkauf von zwei und die Schließung von sechs Dorfgemeinschaftshäusern in den Wintermonaten muss die Gemeinde Lohra jährlich rund 75.000 Euro weniger aufwenden.

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Bei den Dorfgemeinschaftshäusern sieht Lohra großes Einsparpotenzial

Quelle: Archiv

Lohra. Die Einführung der Doppik brachte es in Lohra schnell ans Licht: Gut acht Millionen Euro an Verbindlichkeiten und ein viel zu großes Anlagevermögen, dessen Erhaltungskosten den gemeindlichen Haushalt zusätzlich zusetzte, belasteten vor einigen Jahren die Handlungsfähigkeit der Gemeinde Lohra.

Damals griff der Gemeindevorstand zu Mitteln, die im Landkreis ohne Beispiel waren. Nach dem Einverständnis der Gemeindevertretung wurden die Dorfgemeinschaftshäuser bewertet und acht der zehn Häuser zum Verkauf angeboten.

Um die Ernsthaftigkeit der ­Lage und der ergriffenen ­Gegenmittel zu unterstreichen, wurde zudem beschlossen, die kleinen ­Gemeinschaftshäuser in Damm, Seelbach, Reimershausen, ­Rodenhausen, Rollshausen, Weipoltshausen und Willershausen erstmals zum Winter 2013/2014 von Mitte November bis Ende März zu schließen.

Verkaufte Häuser kosten 60.000 Euro weniger pro Jahr

Geöffnet wurden die Häuser nur für bereits gebuchte Veranstaltungen, wie zum Beispiel Jahreshauptversammlungen von Vereinen, sowie aus Beerdigungs-Anlässen. Ziel der Akti­onen war, die Kosten für die ­Gemeindekasse zu senken.

Was hat es gebracht? Auf jeden Fall kreisweite Beachtung, waren doch die Bürgermeister anderer Kommunen mit ähnlichen Problemen gespannt, wie das Lohraer Experiment ausgeht. Es gab zwar Unmutsäußerungen, doch die befürchtete­ Protestwelle blieb aus. Selbst die Anfangs harsch kritisierte­ Schließung der kleinen Dorfgemeinschaftshäuser im Winter, wird nun gelassener gesehen.

„Die Dauernutzer haben sich an die Schließungszeiten gewöhnt und weichen auf andere­ Häuser aus“, sagt der parteilose Bürgermeister Georg Gaul. Nicht ohne eine gewisse Genugtuung weist der Lohraer Kämmerer darauf hin, dass andere­ Kommunen daran gehen, die Lohraer Modelle zu übernehmen.

Denn aus der Not entwickelten sich, neben der zeitweisen Schließung der Häuser, auch andere Möglichkeiten. Das zugenommene ehrenamtliche ­Engagement der Dorfbevölkerung habe eine erhebliche Kostenreduzierung ermöglicht.

Ehrenamt übernimmt Kosten der Gemeinde

So bildete sich in Weipolts­hausen ein Verein, der die Trägerschaft für das große Dorfgemeinschaftshaus übernahm. Nach langen und mühsamen Verhandlungen kaufte der Kultur- und Heimatverein 2015 das Haus zum Preis von 95.000 Euro, die Gemeinde zahlt eine Miete für das Ortsvorsteherzimmer und die Räume der Feuerwehr und einen bis 2018 jährlich fallenden Betriebskostenzuschuss.

Noch günstiger lief es für die Gemeinde mit dem Gebäude in Altenvers. Der Verein Weißer Stein, der dort Träger des Kindergartens ist, kaufte das Haus. Auch in diesem Fall musste die Gemeinde Abstriche machen. Der zuvor taxierte Verkaufswert wurde nicht erreicht. Dennoch ist Gaul zufrieden: „Durch den Verkauf der beiden Häuser, müssen wir jedes Jahr rund 60.000 Euro weniger an Kosten aufbringen.“

Die zweite fünfstellige Summe an verringerten Kosten kommt durch die zeitweise Schließung der kleineren Häuser zusammen. Wider Erwarten allerdings nicht hauptsächlich durch die unverbrauchte Energie für Heizung und Licht, sondern durch nicht mehr anfallende Personalkosten. Rund 12.500 Euro kommen so zusammen.

Auch hier hat der Bürgermeister einen Grund, das ehrenamtliche Engagement als „großartige Unterstützung“ hervorzuheben. Für das Dorfgemeinschaftshaus Kirchvers kam eine Vereinbarung mit dem Hauptnutzer zustande. Der Sportverein stellte nach dem altersbedingten Ausscheiden der Hausmeisterin eine Reinigungskraft auf 450-Euro-Basis ein, an denen sich die Gemeinde mit jährlich 5400 Euro beteiligt.

Dennoch lohnt sich die rund 50 prozentige Kostenreduzierung für die Gemeinde, wenn auch unterm Strich insgesamt nur noch 7100 Euro an Minderausgaben stehen, an denen auch das ehrenamtliche Engagement in Rollshausen beteiligt ist. Und dann erwähnt Gaul auch die Arbeit von Hermann Schorge, der als freiwilliger Einzelkämpfer in Rollshausen Arbeiten im Gegenwert von 2000 Euro pro Jahr stemmt.

Rund 13.100 Euro weniger für Energie und Personal

Bleiben noch die Energiekosten. Dank der Schließung der sechs kleinen Häuser muss die Gemeinde durchschnittlich 6000 Euro pro Jahr weniger für Heizung und Strom ausgeben.

Für den Bürgermeister ergeben sich aus den rund 75.000 Euro an Kostenverringerung folgende Schlüsse: „Wir müssen schauen, ob weitere Übernahmen in Trägerschaft möglich sind.

Zudem setzt er die Bemühungen fort, Dorfgemeinschaftshäuser zu verkaufen. Für das Haus 
 in Seelbach gebe es einen konkreten Interessenten. So sah es auch in Damm aus, doch der Interessent sei abgesprungen.

Abzuwarten sei, welche Entscheidung der Feuerwehrverein von Nanz-Willershausen trifft. Dieser prüft neben der Übernahme des Hauses aber noch zwei weitere Möglichkeiten ( die OP berichtete).

von Gianfranco Fain

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