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„BürgerWind“ baut auf Vertrauen

Windpark „Am Landratskreuz“ „BürgerWind“ baut auf Vertrauen

Der geplante Windpark „Am Landratskreuz“ nimmt weiter Formen an. Die Umweltverträglichkeitsprüfung ist derzeit
im Gange.

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Ein militärisches Transportflugzeug ist hinter den Flügeln eines Windrades zu sehen. Die Luftsportgemeinschaft Bottenhorn fürchtet, dass der geplante Windpark „Am Landratskreuz“ ihren Flugbetrieb behindern könnte.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Rachelshausen. Eine Investition von 16 Millionen Euro ist für das Windparkprojekt „Am Landratskreuz“ veranschlagt, das in der Gemarkung von Rachelshausen und Römershausen entstehen soll.

Alleiniger Projektierer ist jetzt „BürgerWind“, da die sich unter dem Schutzschirm des Landes Hessen befindliche Stadt Gladenbach vor etwa einem Jahr aus dem Projekt ausgestiegen ist.

Das Genehmigungsverfahren gehe mit Volldampf weiter“, hatte Ulf Schmidl, einer von fünf ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern der Genossenschaft „BürgerEnergie“ Salzbödetal und einer der vier Geschäftsführer von „BürgerWind“, während einer Mitgliederversammlung erläutert.

Zudem erklärte er, dass eine umfangreiche Umweltverträglichkeitsprüfung in Auftrag gegeben wird, die eigentlich erst für Windparks ab 20 Windräder erforderlich sei. In sechs bis acht Wochen soll diese abgeschlossen sein, sagte „BürgerWind“-Geschäftsführer Frank Heuser.

Scoring-Termin fand statt

Im Sommer 2015 fand vorgeschaltet vor dem eigentlichen Genehmigungsverfahren ein sogenannter Scoring-Termin statt. Beteiligt waren Umwelt- und Naturschutzverbände sowie die Fachbehörden, um festzulegen, welche Unterlagen für das ­Genehmigungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung vorgelegt werden müssen.

Da es nicht nur Befürworter sondern auch Gegner gebe, seien die Projektierer bemüht, alle unter einen Hut zu bekommen. Deshalb strebe „BürgerWind“ die höchstmögliche Form der Öffentlichkeitsbeteiligung an, erklärte Schmidl gegenüber der OP.

Beim Scoring-Termin hatten die Teilnehmer bereits die Möglichkeit gehabt, Bedenken zu äußern. Den sich daraus ergebenden Bericht, muss „BürgerWind“ nun nacharbeiten. „Das ist zwar mehr Arbeit, aber es ist ein fairer Umgang. Hinterher kann keiner sagen, ich wurde nicht gehört“, sagt Schmidl.

Bedenken gegen das Projekt könnte unter anderem die Luftsportgemeinschaft Bottenhorn haben. Ihr Flugplatz liegt in unmittelbarer Nähe des Windparks Hilsberg und der bereits seit Jahren in Bottenhorn stehenden Anlagen. Nun sollen weitere Windräder hinzukommen, die eventuell den An- und Abflug behindern könnten.

Bedenken werden geprüft

Das Regierungspräsidium Kassel als zuständige Genehmigungsbehörde hatte keine grundsätzlichen Bedenken gegen die damalige Anfrage der Stadt Gladenbach zum Bau des Windparks. Dass diese Auffassung nun im anstehenden Genehmigungsverfahren komplett umgestoßen wird, davon geht Heuser nicht aus.

Damals schien der Windpark für das Betreiben des Flugplatzes kein Problem zu sein, sagte er. Sobald das Verfahren in die Offenlegung geht, habe der Verein die Option, seine Bedenken darzulegen, die dann 
vom RP geprüft werden.

Dass sich der Windpark mit drei Anlagen an dem geplanten Standort lohnt, hatte Schmidl bereits in der Mitgliederversammlung der Genossenschaft erklärt. Zudem verwies er auf weitere zahlungskräftige Investoren, die das Projekt mitfinanzieren würden. Die Genossenschaft hat 58 Mitglieder, die 304 Anteile halten. Jeder Anteil hat einen Wert von 100 Euro. Es gibt Überlegungen, dass sich die Genossenschaftsmitglieder zudem mit Krediten an dem Windpark beteiligen können.

Schmidl wehrt sich gegen „Märchen“

Beteiligt werden sollen zudem die Energiegenossenschaft Marburg-Biedenkopf (EGM) sowie weitere Geldgeber. Genossenschaften und Geldgeber übernehmen dann rund 25 Prozent der Investitionssumme von 16 Millionen Euro. Die übrigen 75 Prozent sollen über Kredite von heimischen Banken finanziert werden.

„Am Landratskreuz“ sollen drei Schwachwindanlagen der Firma Enercon mit der Bezeichnung E 115 errichtet werden. „Diese Anlagen produzieren bei schwachem Wind mehr Strom und bei stärkerem Wind weniger“, erklärte Schmidl. Diese Anlagen seien in der Regel teuer in der Anschaffung, würden aber in windschwächeren Regionen mehr Ertrag erwirtschaften.

Die Behauptung, der Windpark rechne sich nicht, weil die EEG-Umlage mit zunehmender Dauer des Planungsverfahrens abnimmt, hält Schmidl für ein „Märchen“. Die Windindustrie sei hoch innovativ. „Die Anlagen werden immer leistungsfähiger. Was an EEG-Umlage weniger gezahlt wird, holen die technischen Neuerungen der Anlagen wieder raus. Unterm Strich ist nicht einmal der Standort entscheidend“, sagte Schmidl.

Die Konstruktion als Genossenschaft und ehrenamtlicher Arbeit von Vorstand und Aufsichtsrat, soll zeigen, dass sich Windenergie rechnet. „Voraussetzung ist, dass sich die Kosten für die Projektentwicklung in Grenzen 
halten“, erklärte Schmidl.

von Silke Pfeifer-Sternke,
 Joshua Müller und Peter Piplies

 
 „BürgerWind“ / „BürgerEnergie Salzbödetal“

Die Firma „BürgerWind Gladenbach“ GmbH (BWG) gründete sich 2011 mit dem Ziel, zusammen mit der Stadt Gladenbach und den Bürgern aus der Region das Potenzial des Windes in der Gemeinde zu bestimmen und auszuschöpfen sowie für eine höhere Akzeptanz der regionalen Windkraft zu werben. Im Juni 2013 beauftragte das Gladenbacher Stadtparlament die Firma mit der Projektentwicklung des Windparks in Rachelshausen.

Im Sommer 2014 setzte sich zudem die Genossenschaft „BürgerEnergie Salzbödetal“ zusammen. Das vorrangige Augenmerk der Genossen liegt auf der Finanzierung von Windparkvorhaben. Ziel ist es, den Ausbau erneuerbarer Energien vor Ort voranzutreiben und dabei die Menschen in der Region in den Entwicklungsprozess einzubinden.

 
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