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Bürger protestieren gegen Reformplan

Arztlicher Bereitschaftsdienst Bürger protestieren gegen Reformplan

Am Samstag, 13. April, sollen viele Menschen auf die Straße gehen und sich gegen die Reformbestrebungen der Kassenärztlichen Vereinigung wenden, das wünschen sich die Initiatoren der Demo.

Gladenbach . Der Termin steht schon seit ein paar Wochen, nun sollen ihn die Bürger auch wahrnehmen: Alle Fraktionen des Gladenbacher Stadtparlaments, Stadtverordnetenvorsteher Hans-Hermann Ullrich und Bürgermeister Klaus Dieter Knierim rufen dazu auf, am 13. April an einer Demonstration für den Erhalt des bestehenden ärztlichen Bereitschaftsdienstes teilzunehmen. An diesem Samstag soll sich ab 11 Uhr ein Protestmarsch durch die Innenstadt, beginnend vom Marktplatz, in Bewegung setzen.

„Alle Bürgerinnen und Bürger aus Gladenbach, Bad Endbach und Lohra und natürlich auch aus anderen Gemeinden sind zum gemeinsamen und friedlichen Protest aufgerufen und in Gladenbach herzlich willkommen“, heißt es in dem Aufruf.

Um den Protest auch mit der nötigen Lautstärke zu artikulieren, sollen die Protestler Trillerpfeifen mitbringen und benutzen - ganz nach dem Motto: „Wir pfeifen auf die Reform der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen“.

„Alle demokratischen Verbände, die Vereine, die Schulen, die Kirchen und andere Gruppierungen werden gebeten ihre Mitglieder und Untergruppierungen über die Demo zu informieren und zur Teilnahme zu animieren. Die Protestkundgebung steht unter dem Motto „Notdienst in Not“.

Im Vorfeld der Demo haben Gladenbacher Kommunalpolitiker bei Ärzten aus Gladenbach und Umgebung um Verständnis für die Kundgebung geworben. Der Protest sei keineswegs gegen die Ärzteschaft gerichtet, bekräftigte auch gestern noch einmal Bürgermeister Knierim. Im Aufruf wird erklärt, dass sich der Protest einzig gegen die Umstrukturierung und die bis dato ungerechte Verteilung der Lasten richte.

So müssen in Gladenbach rund 25 Ärzte die bereitschaftsdienstliche Versorgung tragen. In Marburg sind dies weit über 200 Ärzte. Deshalb sei die finanzielle Last für einen Arzt in Gladenbach wesentlich höher als für einen Arzt in Marburg.

Stadt-Land-Gefällesoll beseitigt werden

Dieses finanzielle Stadt-Land-Gefälle sollte zuvorderst beseitigt werden, reklamieren die Initiatoren der Kundgebung.

Und sie weisen darauf hin, dass etwa bei den Planungen für die Besetzung der Fachärztestellen ganz andere Grenzen gezogen werden. In diesem Fall werde der gesamte Landkreis Marburg-Biedenkopf betrachtet.

Fast überall herrscht nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung eine Überversorgung.

Auf dem „flachen Land“ könne man davon nicht sprechen, im Gegenteil: Immer mehr Fachärzte wanderten ab in die lukrativere Region nach Marburg. Und dort herrsche lokal dann wirklich ein Überangebot. Und selbst kumuliert betrachtet scheine es immer noch zu viele Fachärzte zu geben. Von diesem

Überangebot hätten die Bürger auf dem Land allerdings nichts, bemängeln die Initiatoren der Demo und erklären: „Für sie fallen lange Fahrten ins Zentrum nach Marburg an.“ Finanzielle Solidarität der medizinisch und ärztlich sehr gut versorgten Gebiete Marburg und Umgebung mit den weniger gut versorgten Gebieten sei eine zentrale Forderung der geplanten Demo. Das Umland von Marburg müsse zum Ausgleich für die Ärztedichte in Marburg herhalten. „Warum also bei der Finanzierung der ärztlichen Bereitschaftsdienste nicht die gleiche Grenze ziehen“, fragen die Initiatoren.

Solidarität der gesamtenÄrzteschaft gefordert

Alle Ärzte aus dem Kreis Marburg-Biedenkopf sollten für die derzeit bestehenden Bereitschaftsdienstbezirke aufkommen, fordern sie. Und dies ohne dass ein Standort aufgegeben werde. „Das wäre solidarisch. Und im Sinne der Bürgerinnen und Bürger“, heißt es in dem Aufruf.

Dem Aufruf des VdK in Rosenthal waren Anfang März 800 Menschen gefolgt. In der dortigen Region soll nach dem bisherigen Konzept der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) nur noch eine Zentrale am Krankenhaus in Frankenberg eingerichtet werden. Patienten mit akuten Beschwerden müssten bis dorthin fahren. Die Strukturreform betrifft auch den Landkreis Marburg-Biedenkopf. Es steht zur Debatte, die bisherigen Standorte Biedenkopf. Gladenbach, Wehrda und Stadtallendorf zu schließen und einen Dienst am Diakoniekrankenhaus in Wehrda einzurichten. .

Die Gladenbacher SPD hatte eine Unterschriftenaktion gegen die Schließung der Bereitschaftsdienstzentrale in Gladenbach initiiert, bei der fast 7000 Menschen - unterschrieben hatten. Diese Unterschriften und eine Resolution des Stadtparlamentes wurden der Kassenärztlichen Vereinigung übergeben.

von Hartmut Berge

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