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Bürger empört über eigene Gemeinde

Windpark Hilsberg Bürger empört über eigene Gemeinde

Die Wut der Holzhäuser Bürgerinitiative über den Windpark am Hilsberg hält an: Der Bau einer Kabeltrasse beschädigt Wald- und Feldwege.

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Die Kabel für die Anbindung des Windpark Hilsberg an das Stromnetz werden durch den Wald verlegt.

Quelle: Gianfranco Fain

Holzhausen. Auf dem Weg nach Holzhausen kommt nun niemand mehr darum herum, auf fünf riesige Betonpfeiler zu schauen, welche später noch zu doppelt so hohen Windrädern werden. Bedrohlich ragen sie über dem kleinen Ort im Tal hervor. Und es sollen noch weitere folgen.

„Das Orts- und Landschaftsbild, auf welches der Ort seit Jahrzehnten Rücksicht genommen hat, wird nun verunstaltet“, beschwert sich Reinhold Leinweber, Vorsitzender der Holzhäuser Bürgerinitiative. Alle baulichen Entwicklungen sollten bewusst mit Landschafts- und Umweltschutz abgewägt werden, doch das sei bei diesem Industriegebiet auf dem Hilsberg nicht der Fall gewesen, erläutert Leinweber.

Schmidt: Gladenbachs Pläne liegen noch nicht vor

Er fragt sich, warum die Gemeinde nicht dagegen protestiert habe. Schließlich seien die Anwohner nicht nur von der Umweltbelastung, sondern auch von der „erdrückenden Wirkung“ der bereits rund 90 Meter hohen Stümpfe betroffen. „Sie wirken viel mächtiger als uns das vor Baubeginn suggeriert wurde“, sagt Leinweber.

Daher fordert die Bürgerinitiative bessere interkommunale Abstimmung und Kommunikation für die Planung weiterer drei Windräder der Stadt Gladenbach, welche am Rande des Hilsbergs in Rachelshäuser Gemarkung gebaut werden sollen.

Bernd Schmidt, Bürgermeister der Gemeinde Dautphetal, sagt dazu, dass ihm die Pläne Gladenbachs noch nicht vorliegen würden und er daher diesbezüglich noch keine Vorgehensweise entwickelt habe.

Nach Meinung der BI ist diese Kommunikation schon im Bezug auf die fünf Windräder der Gemeinde Bad Endbach gescheitert. Leinweber betont daher das Recht auf einen finanziellen Ausgleich für Holzhausen, was das hessische Landesministerium bestätigt habe.

Zwar wurde aus naturschutzrechtlichen Gründen das Windrad nicht genehmigt, welches durch die Nähe zum Dorf und eine Erhöhung am „erdrückendsten“ gewesen wäre, doch die Mitglieder der Bürgerinitiative bleiben weiterhin skeptisch und befürchten nur einen zeitlichen Aufschub des Baus.

Besonders enttäuscht zeigt sich Leinweber von der eigenen Gemeinde und deren Vertretern, die in seinen Augen diese „Verschandelung ihres Ortsbildes“ hätten verhindern können und müssen.

Kabeltrasse: Führung und Bau ärgern BI

Des Weiteren berichten Reinhold Leinweber und Dieter Jurkat, ebenfalls von der Bürgerinitiative, schockiert von der Kabelverlegung vom Windpark nach Hommertshausen. Dadurch seien erhebliche Schäden auf Wald- und Feldwegen entstanden, welche eine Gefahr für die Fahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft darstellen. So sei der Waldboden einfach aufgerissen worden, wobei Äste und Wurzeln von Bäumen beschädigt wurden. Danach seien die Löcher nur wieder zugeschüttet, aber nicht begradigt worden, auch wurde der Boden nicht so befestigt wie zuvor.

Leinweber erklärt, dass die Forstbetriebsvereinigung und die Jagdgenossenschaft, welche für die Unterhaltung dieser Wege verantwortlich sind, diesen Maßnahmen nie klar zugestimmt hätten, das aber für die Umsetzung auch nicht nötig sei. „Es hieß nur, dass Einwände möglichst berücksichtigt werden sollten“, sagt Leinweber.

Allgemein sei es für die Bürgerinitiative unverständlich, warum Holzhäuser Boden für die Kabelverlegung genutzt werden müsse, da so noch eine weitere Beeinträchtigung für den Ort entstehe. Man habe auf diese Frage keine direkten Auskünfte erhalten. Die Gemeinde habe die Verlegung auch durch die Notwendigkeit eines diskriminierungsfreien Zugangs zum Stromnetz des Energieversorgers für Bad Endbach begründet. Dieses Recht beziehe sich aber nur auf bereits bestehende Netze und auf das Verhältnis von Anbieter und Kunde.

Bürgermeister Bernd Schmidt sagte zur Kabelverlegung, dass die Gemeinde ihrer Aufsichts- und Kontrollpflicht selbstverständlich nachkommen und den Zustand der Waldwege nach Fertigstellung des Baus überprüfen werde.

Einen weiteren Missstand sieht Jurkat in der „Vertuschung“ der Kohlenstoffdioxid-Bilanz der Windräder. So werde der immense Ausstoß durch Bau, Transport und Logistik und die dadurch entstehende Umweltbelastung nicht in die Kohlenstoffdioxid-Bilanz der Windräder einbezogen, um diese für die Bevölkerung attraktiver erscheinen zu lassen. Zudem stehe die geringe Leistung der Windräder in keinem Verhältnis zu den hohen Anschaffungskosten, erläutert Jurkat.

von Johanna Stein

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