Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Buchenholz wird zum Exportgut

Holzhandel nach China Buchenholz wird zum Exportgut

30 Meter hohe, 150 Jahre alte Buchenstämme werden nach China verschifft - auch aus der Region. Für Greenpeace ist das ein Skandal, für Hessen-Forst ein eher nachrangigesZusatzgeschäft.

Voriger Artikel
Adolf Theis profitiert vom "Stahlross"
Nächster Artikel
Verfahren gegen 62-Jährigen ist eingestellt

Waldarbeiter zersägen einen Buchenstamm im Buchenwald. Buchenstammholz wird auch auf dem Seeweg nach China exportiert. Ende Dezember 2013 fuhr sich ein Lastwagen mit Buchenholz für China im Nachbarkreis Lahn-Dill (kleines Foto) fest.
Fotos: Tobias Hirsch, Klaus Peter

Quelle: Tobias Hirsch

Hinterland. Buchen für den chinesischen Markt kommen auch aus staatlichen Wäldern aus dem Hinterland und dem angrenzenden Lahn-Dill-Kreis. Das Buchenstammholz wird in Container verladen, die dann über den Seeweg, zumeist über Rotterdam, zu ihrem Zielort verschifft werden. Das statistische Bundesamt meldete für das Jahr 2012 gut 330000 Tonnen, die in Deutschland abgeholzt und nach China exportiert werden. Etwa 38800 Tonnen kommen aus Hessen, bestätigt der Hessische Waldbesitzerverband. Hessen-Forst hat sogar eine eigene Homepage, auf der „lion log“ für den chinesischen Holzmarkt Werbung macht - zweisprachig: in Englisch und mit chinesischen Schriftzeichen.

Für Petra Westphal, Pressesprecherin von Hessen-Forst, ist dies kein Indiz dafür, dass das staatliche Unternehmen den Buchenwald zum Ausverkauf preisgibt. 2002 nach dem großen Sturmwurf habe Hessen-Forst Kontakte nach China aufgebaut, um das Wurfholz überhaupt verkaufen zu können. Bezogen auf den hessischen Landeswald werden von Hessen-Forst nur etwa 0,1 Prozent der gesamten Holzerntemenge nach China exportiert

Greenpeace spricht dagegen von einem Kahlschlag der deutschen Buchenwälder. Nach deren Recherchen gelangen pro Jahr 14000 Container mit Buchenstammholz nach China. „Die Chinesen zahlen nicht schlecht für Buchenholz“, sagt Greenpeace-Pressesprecherin Gesche Jürgens.

58 Euro kostet Brennholz

Zwischen 80 und 110 Euro für einen Festmeter Buchenstammholz zahlt Holzhändler Wolfgang Wack aus Mudersbach der Forstverwaltung. Beim Export werden dann die Transportkosten und der Gewinn noch draufgerechnet. Der Verkaufspreis für das minderwertige Buchenbrennholz liegt in der Region im Schnitt bei 58 Euro. Biedenkopfs Forstamtsleiterin Sigrid Krawielitzki ist froh darüber, dass sich die Kommunen, die ihr Forstamt betreut, auf dieses Preisniveau eingelassen haben. Sonst würden Verbraucher das Holz dort kaufen, wo es am günstigsten ist.

Holzhändler Wack kauft seit mehr als 20 Jahren Holz ein, auch in anderen Landkreisen, überwiegend jedoch in Hessen. Und er exportiert Buchenstammholz nach China - wenn es sich ergibt. Er hat Kontakte aufgebaut und ab und an nutzt er sie, um den asiatischen Markt mit deutschem Buchenholz zu beliefern. 3 bis 5 Prozent der im Forstamt Wetzlar eingeschlagenen Rundholzmenge Buche landet im Export. Hauptsächlich liefert er aber an Sägewerke im Inland.

Er hält die Vorwürfe von Greenpeace für haltlos. Die staatliche Beförsterung sei auf Nachhaltigkeit ausgelegt und nicht auf Raubbau. Seit gut 40 Jahren gebe es keinen Kahlschlag mehr in deutschen Wäldern. „Und es gibt eine Unmenge an Buchen im Wald.“ Allerdings kann er sich vorstellen, dass es hier und da auch ein paar schwarze Schafe unter den Waldbesitzern gibt, die in möglichst kurzer Zeit den größtmöglichen Profit aus dem Ökosystem ziehen wollen. Für ihn ist dies der falsche Weg.

Der Transport von Buchenholz nach China ist zurzeit deshalb attraktiv, weil die Kosten für die Container relativ gering sind. Die Container in den Nordseehäfen sind leer und müssten leer zurückfahren. 1200 Euro zahlt Wack aktuell, seine finanzielle Schmerzgrenze liegt bei 1400 Euro. Liegt der Preis darüber, wird das Geschäft für ihn unrentabel.

In diesem Jahr hat der Mudersbacher noch kein Holz nach China exportiert. Der Grund: der milde Winter. Die Waldwege sind kaum für schwere Fahrzeuge zu nutzen. Das Rücken sei teilweise eingestellt, sagt Wack, der das bereits gerückte Holz auf bestimmte Plätze bringen lässt, um es dann in die Container zu verladen.

Ein China-Transport mit Buchenholz von ihm hatte sich vor Weihnachten 2013 auf einem matschige Waldweg festgefahren, als er auf die L 3047 einbiegen wollte. Alle Stämme mussten in einen anderen Container umgeladen werden (die OP berichtete). In den nächsten zwei Monaten ist der Export von Buchenstammholz für Wack kein Thema. „Erst werden die inländischen Kunden befriedigt, der Rest geht dann in den Export“, sagt Wack.

Greenpeace kritisiert hauptsächlich den Eingriff ins Ökosystem. Jürgens behauptet sogar, Hessen-Forst agiere „wie die Axt im Walde“ und missachte die mittel- und langfristigen Folgen, die der Export von Buchenholz birgt.

Greenpeace geht davon aus, dass jede zweite Buche nach China exportiert wird, und dass ein Teil der dort produzierten Holzprodukte wieder nach Deutschland importiert wird: als Holzspielzeug, zu Möbeln verarbeitet oder als Laminat.

Insgesamt seien lediglich drei Prozent der Wälder in Deutschland Buchenwälder. Die Umweltschützer fordern deshalb den sofortigen Einschlagstopp für alle öffentlichen Buchen- und Laubwälder, die älter als 140 Jahre sind, und die Schaffung von Urwälder von morgen.

2020 sollen zehn Prozent der öffentlichen Wälder laut der Nationalen Bioversitätsstrategie rechtlich verbindlich aus der forstlichen Nutzung genommen werden. Die Bundesregierung hatte sich 2007 im Rahmen eines UN-Übereinkommens verpflichtet, mehr für den Wald zu tun. Greenpeace fordert nun vorrangig den Schutz der alten Buchen- und Laubwälder.

Professor Manfred Niekisch, Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung, sieht die Bundesländer in der Pflicht. Gegenüber „Report Mainz“ erklärte er, dass in einigen Bundesländern eine erhebliche Zunahme der Intensivnutzung festgestellt werde. Dies bedrohe die Artenvielfalt in deutschen Wäldern: 14 Vogelarten, 205 Pflanzenarten und 1284 Pilzarten.

„Deutschland kann nicht von anderen Ländern die Erhaltung des Regenwaldes verlangen, wenn es nicht bereit ist, eigene Ökosysteme zu schützen. Das ist scheinheilig“, hatte Jürgens gegenüber „Report Mainz“ geäußert.

„Wir betreiben keinen Raubbau und müssen uns deshalb nicht verteidigen“, sagt Biedenkopfs Forstamtsleiterin Krawielitzki. Für sie ist der Wirbel um den Export von Buchenholz nicht nachvollziehbar. Sie werte die Greenpeace Äußerungen als emotionale Darstellungen und stellt klar: „Es wird kein Holz aus Biedenkopf nach China verkauft. Das ist nicht unser Alltagsgeschäft“, sagt Krawielitzki.

Zu den Kunden zählt auch Holzhändler Wack. Die gesamte Menge Rundholz, die die Mudersbacher Wack GmbH in diesem Jahr aus dem Forstamt Biedenkopf bezieht, verbleibt in Deutschland, bestätigt der Firmeninhaber.

Der hessische Waldbesitzerverband stuft die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes durch den Export von Buchenholz nicht als gefährdet ein. Zwischen 1987 und 2002 habe die gesamte Buchenwaldfläche in Hessen um mehr als 15000 Hektar zugenommen, während die Anbaufläche von Fichte um mehr als 25000 Hektar abgenommen habe, heißt es in einer Stellungnahme.

Hessen-Forst denkt aufgrund des Greenpeace-Aktionismus darüber nach, den Flyer von „lion logs“ wieder aus dem Internet zu nehmen. Es bestünden Kontakte zum asiatischen Markt, die im Falle eines ähnlichen Orkans wie Kyrill genutzt werden können, um Sturmwurfmengen, die auf dem deutschen Markt nicht abgesetzt werden können, zu exportieren.

„Wir bleiben im Gespräch mit unseren Kontaktpartnern in China“, bestätigte Westphal. Die Konsequenz wäre, dass das Sturmwurfholz im Wald liegen bleibt. Nach einem halben oder einem Jahr wäre das Buchenholz häufig stark entwertet und für höherwertige Produkte nicht mehr verwendbar.

Es ist ein Verdrängungswettbewerb

„Millionen von Euro würden dem hessischen Steuerzahler verloren gehen, wenn die umgeworfenen Stämme nach einem großen Sturmwurf nicht verkauft werden könnten“, ergänzt sie. Hessen-Forst habe nach wie vor großes Interesse daran, die Wertschöpfung im Inland zu halten und die regionalen, holzverarbeitenden Werke mit dem Rohstoff Holz zu versorgen. Man wolle die heimischen Wälder weiterhin „intelligent bewirtschaften“, erklärt Westpfahl. Mit dem Export von Buchenstammholz nach China, verbleibe das Geld nicht in der Region, behauptet hingegen Greenpeace-Pressesprecherin Jürgens. Die Sägewirtschaft liege am Boden. „Viele haben dicht gemacht“, sagt sie. Diese Aussage hält der Hessischen Waldbesitzerverband für falsch. Ursächlich sei der in den vergangenen 15 Jahren vorhandene Verdrängungswettbewerb kleiner Sägewerke durch den Neubau mehrerer großer Laubholzsägewerke. Durch ihre Größe, Einschnittmenge und Produktionsgeschwindigkeit seien große Betriebe wettbewerbsfähiger als kleine.

Dennoch: Greenpeace will am Thema dranbleiben, weil Hessen-Forst einen wirtschaftlichen statt einem ökologischen Kurs eingeschlagen hat.

von Silke Pfeifer-Sternke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr