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Vestas-Windrad für Wiesenbach

Windpark Hesselbach Vestas-Windrad für Wiesenbach

Von acht auf zehn Windräder wächst der Windpark Hesselbach in Bad Laasphe. Dazu kommt eine elfte Anlage diesseits der Landesgrenze in der Gemarkung Wiesenbach.

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Der Bad Laashper Betrieb „Wittgenstein New Energie“ plant eine Windkraftanlage auf einem Privatgrundstück bei Wiesenbach.

Quelle: Thorsten Richter

Wiesenbach. Bürger informieren, Akzeptanz herstellen – das gehört im Windradbau heutzutage zum guten Ton. Die Wittgensteiner New Energie Holding (WNE) aus Bad Laasphe will die Wiesenbacher über die Planungen zu den „Windenergieanlagen am Standort Görzberg“ aufklären.

Die Einladung für den 17. März ins Dorfgemeinschaftshaus (DGH) füllt die ganze Titelseite des Breidenbacher Blättchens. Nun hat WNE abgesagt – nicht den Termin, aber den Ort. WNE-Geschäftsführer Ludwig Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg stößt auf, dass er 270 Euro Miete für das DGH zahlen soll.

Dass die Wiesenbacher als ­Anlieger aus erster Hand erfahren sollen, was in ihrer Gemarkung und der direkten Nachbarschaft geschieht, verdanken sie der Initiative des Breidenbacher Bürgermeisters. Christoph Felkl (SPD) hat in der Wiesenbacher Bürgerversammlung im ­Januar von der Genehmigung der zwei neuen WNE-Anlagen hinter der Landesgrenze berichtet. Die Rodung ist mittlerweile abgeschlossen.

Anlage wird 200 Meter hoch sein

Von einem Anwohner hörte­ Felkl da zum ersten Mal, dass auch im Wiesenbacher Wald Pflöcke mit der Aufschrift „WEA“ – für Windenergieanlage – eingeschlagen sind. Auf Nachfrage bei den zu Sayn-Wittgensteins erfuhr der Bürgermeister dann, dass ein weiteres Windrad in ­Arbeit ist. Das Projekt unter dem Namen „Boxbach“ soll auf Privatgelände entstehen, das die WNE gepachtet hat.

Das hat Ludwig Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg inzwischen bestätigt. Der Vertrag ist unter Dach und Fach, der Eigentümer der Fläche wohnt selbst nicht in Wiesenbach.

Geplant sei eine Anlage vom Typ Vestas V 126, sie ist inklusive Rotoren 200 Meter hoch und hat 3,3 MW Leistung. Angeschlossen werden soll sie – anders als die Nachbaranlagen in Nordrhein-Westfalen – an das Stromnetz auf Breidenbacher Seite. Gebaut wird das Windrad auf der Fläche „3109a“, einem kleinen Zipfel ganz am Rande Hessens, der im Teilregionalplan Energie als Vorranggebiet für Windkraft ausgewiesen ist.

Der Standort ist rund 1560 Meter Luftlinie von Wiesenbach, fast zwei Kilometer von Kleingladenbach und gut 1233 Meter vom Waldhotel Boxbach entfernt. Der Antrag auf Genehmigung für das Regierungspräsidium (RP) in Gießen ist in Arbeit.

Zuständig sind Behörden 
in Nordrhein-Westfalen

Die Gemeinde Breidenbach hatte sich dagegen gewehrt, dass die Wiesenbacher Fläche überhaupt zum Vorranggebiet für Windkraft wird – ohne Erfolg. Ebenso erfolglos nahm die Gemeinde gegen die Erweiterung der Hesselbacher Windfarm Stellung: zu nah die Räder, zu groß die Beeinträchtigung der Anwohner, lauteten ihre ­Argumente.

Mit den Windrädern in Oberdieten und dem Windpark Schwarzenberg hat Breidenbach seinen Beitrag zur Energiewende mehr als geleistet, findet nicht nur der Bürgermeister. Dass die Gemeinde keine kommunalen Flächen mehr für Windräder hergibt, hat Felkl schon mehrfach verkündet. Zementiert werden soll diese Haltung nach dem Willen des Gemeindevorstands mit einem Parlamentsbeschluss.

Gegen die Erweiterung in Hesselbach Richtung Wiesenbach hilft das wenig. Für die NRW-Räder sind die Genehmigungsbehörden in NRW zuständig. Ob ein privater Investor in Mittelhessen ein Windrad auf einem privaten Gelände in einem eigens ausgewiesenen Vorranggebiet bauen darf, entscheidet das RP in Gießen.

„Das sind die Fakten“, sagt Felkl, und gegen die ist er machtlos. Sorgen kann er dennoch dafür, dass die Bürger Bescheid wissen. Deshalb die Anfrage an den Betreiber wegen der Infoveranstaltung. Dass die in Wiesenbach stattfinden soll, ist für den Bürgermeister selbstverständlich. Und dass der Betreiber als Veranstalter auftritt und das DGH dafür anmietet, „und zwar zu den Bedingungen, die für jeden anderen auch gelten“, ebenso.

Streit um Info-Veranstaltung wegen Raummiete

Anders sieht das der Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Dem Wunsch des Bürgermeisters entspreche man gerne, sagt der Unternehmer, das sei ein Entgegenkommen, das auch Kosten verursache. „Dazu sind wir nicht verpflichtet“, stellt er klar. „Wir kommen nicht als Bittsteller, sondern als Gäste und wollen auch als solche behandelt werden“, beschreibt Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg seine Sicht der Dinge. Er wolle keine Gräben aufreißen, aber: Dem Gast eine Rechnung zu schicken, das findet er „ungebührlich“.

Deshalb seine Entscheidung, den Infoabend zurück an den Sitz der Holding in Bad Laasphe, Gennernbach 60, zu verlegen: „Wir haben hier schöne Räume, es gibt auch etwas zu trinken“, sagt der Prinz. Die Veranstaltung beginnt nächsten Freitag um 18.30 Uhr.

„Sehr schade“, kommentiert Wiesenbachs Ortsvorsteherin Christina Hainbach die Entwicklung, „das ist nicht im Sinne der Wiesenbacher Bürger“. Sie hatte der Assistentin der WNE-Geschäftsleitung das DGH gezeigt und alles abgestimmt. Dass die Windradbetreiber die Räume anmieten, sei auch für sie selbstverständlich gewesen. Sie und der gesamte Ortsbeirat stünden da auf Felkls Seite.

Das ganze Dorf hätte sich hier informieren können, sagt Hainbach. Den Weg nach Bad Laasphe würden sicher nur wenige antreten. Sie selbst werde aber hinfahren: „Wir brauchen Fakten gegen die Gerüchte, die kursieren.“

von Birgit Heimrich

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