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Geigenbau und Partikelsäuberung

Start-ups Geigenbau und Partikelsäuberung

Neue Unternehmen und bestehende Probleme lernte die Landrätin am Donnerstag während ihrer Tour durch die Gemeinde Breidenbach kennen.

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Uwe Schmidt (Mitte) zeigt Landrätin Kirsten Fründt und Breidenbachs Bürgermeister Christoph Felkl Arbeitsschritte beim Geigenbau.

Quelle: Gianfranco Fain

Breidenbach. Es war gut, das direkt vor Ort zu sehen. Mit ihrem Fazit meinte die Landrätin nicht nur die angenehmen Seiten ihrer Reise durch die Hinterlandgemeinde, sondern zum Beispiel auch die „infrastrukturellen Grenzen“, die es an der Grundschule in Breidenbach für das Betreuungsangebot gibt.

Ein Problem, das es an mehreren Schulen im Landkreis gibt, doch hier in Breidenbach, einem der ersten Standorte mit Grundschulbetreuung, wurde Kirsten Fründt gleich bei ihrere ersten Station mit der Situation konfrontiert. Mit 43 angemeldeten Kindern stößt die Nachmittagsbetreuung an ihre räumlichen Grenzen und für den Unterricht ist die Situation ähnlich. Die steigenden Schülerzahlen der vergangenen Jahre führen zu Überlegungen, aus dem EDV-Raum oder der Küche Klassenräume zu machen. Um der drohenden Vielfaltsminderung zu begegnen, regt die Landrätin eine Art Schulgipfel an, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Landrätin lobt Mentalität der 
Hinterländer

Zeigte sich Fründt von der Direktheit des Problem-Vortrags beeindruckt, so war sie dies nicht minder beim restlichen Programm. Das folgte nämlich bei den Firmenbesichtigungen nicht dem üblichen Schema. Statt bei Weltmarktführern schaute die Landrätin diesmal bei Unternehmensgründern rein, bei Menschen, die mit ­einer guten Idee in der sprichwörtlichen Garage beginnen, ein Unternehmen ­aufzubauen. Das sei „typisch für die Menschen des Hinterlandes“, meint die Landrätin anerkennend.

In diese Kategorie fällt sicherlich Markus Hansel, der in diesem Jahr das Unternehmen Bidag gründete. Im Ortsteil Wolzhausen setzt der gelernte Techniker seine von ihm entwickelte Norm für technische Sauberkeitsprüfungen um: Er entwickelt eine Methode, mit der Kunden überprüfen können, wie verlässlich ihre Säuberungen von Platinen und Mikrochips sind. Das ist notwendig, damit zum Beispiel keine Fräsrückstände aus Metall in Nano-Größe die Funktion der elektronischen Komponenten stören. Zu seinen Kunden zählt Hansel schon mehrere ­Automobilhersteller sowie die europäische ­Raumfahrtbehörde Esa.

Eins von wenigen Spezialgeschäften

Greifbarer sind da schon die Produkte, die der Instrumentenbauer Jacob Schmidt in Kleingladenbach herstellt. Den 23-Jährigen bekam die Landrätin zwar nicht zu Gesicht, weil er bei einem Feuerwehrlehrgang in Kassel ist, doch seine Eltern zeigten, was einer der jüngsten Geigenbauer des Landes in der ehemaligen Kfz-Werkstatt seines Großvaters seit diesem Jahr macht. Dazu brachte den Geigenbauer eine ­beeindruckende Zielstrebigkeit. Schon mit 16 Jahren wusste er, Geigenbauer werden zu wollen.

Das ­Hobby seines Vater, der als Schreiner und Modellbauer solche Instrumente für die musizierende Mutter Heidi reparierte, inspirierte ihn dazu. Seine Heimatverbundenheit führte ihn nach dem Absolvieren der Geigenbauerschule wieder nach Kleingladenbach zurück. „Geigenbau in einem kleinen Dorf im Hessischen Hinterland – kann das Geschäft laufen?“, fragte die Landrätin. Mit dem Internet sei das heutzutage kein Problem mehr, erklärt Uwe Schmidt, da es weltweit nur wenige Betriebe gibt, die Kundenwünsche erfüllen.

Als Siebtplatzierter 
noch nachgerückt

Auch Geigenbauer zu werden, ist nicht so einfach. Jakob Schmidt gelang es mit 18 Jahren im zweiten Anlauf an der international renommierten Geigenbauschule in Mittenwald, eine von wenigen weltweit, angenommen zu werden – unter 2000 Bewerbern erhalten jedes Jahr nur sechs eine Zusage. Der Kleingladenbacher hatte das Glück, als Siebtplatzierter vom Verzicht eines Gewinners zu profitieren. Nach dreieinhalb Jahren Ausbildung und Gesellenzeit erhielt Schmidt Angebote aus Schweden und England, baut nun aber lieber eine Geige in Kleingladenbach zusammen und sich selbst einen Kundenstamm auf. Im nächsten Jahr will Jacob Schmidt noch seinen Meister im Geigenbau in Mittenwald machen, dann gehören vielleicht einmal solche Größen wie David Garret zu seinen Kunden.

Weitere Termine führten die Landrätin zum Beispiel zu den Feuerwehren der Gemeinde, die von beengten Verhältnissen in Gerätehäusern berichteten, aber auch davon, sich von der Gemeindeleitung respektiert zu 
fühlen, sowie zu den Wisent­bacher Mountainbikern und zu ­einer Einkaufstour mit Seni­oren.

von Gianfranco Fain

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