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Happy End für kleinen Eintracht-Fan

Rollstuhlplätze im Stadion Happy End für kleinen Eintracht-Fan

Am Donnerstag vergangener Woche veröffentlichte Marc Hecht auf seiner 
Facebook-Seite einen Wunsch seines Sohnes Jeremy Conner. Was der Beitrag auslöste, damit hätte der 38-jährige Papa nicht gerechnet.

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Jeremy und Papa Marc Hecht freuen sich auf ihren Stadionbesuch diesen Samstag bei Eintracht Frankfurt.

Quelle: Sascha Valentin

Wolzhausen. Bisher wurde der Beitrag rund 645.000 Mal angesehen und knapp 8000 Mal geteilt. Eine Erinnerung an den bislang einzigen gemeinsamen Stadionbesuch von Vater und Sohn bei der Frankfurter Eintracht vor vier Jahren. Dazu der Jeremy Conners Wunsch, das noch mal zu erleben. Darin liegt der Zündstoff des Beitrags.

Der mittlerweile Zwölfjährige wurde mit dem Smith-Lemli-Opitz-Syndrom geboren – einem Gendefekt, der Organfehlbildungen hervorruft. Jeremy ist auf den Rollstuhl angewiesen. Und Rollstuhlkarten sind beim Frankfurter Fußball-Bundesligisten offenbar Mangelware. „Leider ist es unmöglich, Rolli-Karten für die Eintracht zu bekommen“ berichtet Marc Hecht, alle Plätze seien mit Dauerkarten belegt. In mehr als 140 Kommentaren auf den Beitrag berichten Fans anderer Vereine – egal ob Darmstadt, Mainz, Kaiserslautern oder Dortmund – von ähnlichen Problem. Karten für Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige!

Laptop, Tablet das Handy standen nicht still

Dabei müsste ein bestimmter Anteil des Kartenkontingents sogar extra für Menschen mit Behinderung vorgehalten werden, schreibt zum Beispiel Thomas Renkel bei Facebook. „Die müssen mindestens 20 Prozent für Tageskarten aufheben, sonst verstoßen sie gegen das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, Anm. d. Red.), und das wiederum ist mit dem Grundgesetz verankert.“

Auch per E-Mail und über WhatsApp erreichen Jeremys Vater Nachrichten. „Am Wochenende hatte ich teilweise den Laptop, das Tablet und das Handy vor mir liegen und musste ständig parallel Nachrichten beantworten“, erzählt er. So hat ihn etwa die Mutter eines ebenfalls behinderten Jungen aus Dillenburg kontaktiert. Sie warte seit 2015 auf Rollstuhlkarten für ihren Sohn und stehe sogar auf einer Warteliste bei der Eintracht. Bisher jedoch erfolglos.

Allgemeine Problem nicht aus der Welt

„Das scheint doch ganz offensichtlich ein gesellschaftliches Problem zu sein, dass Menschen im Rollstuhl benachteiligt werden“, sagt Hecht. Ein wenig enttäuscht ist der Wolzhäuser vor allem darüber, dass es seitens der Eintracht noch keine Reaktion gegeben habe – und das, obwohl einige der Unterstützer auf Facebook den Beitrag gezielt an die Frankfurter weitergeleitet hätten. Für den eingefleischten Eintracht-Fan ist das umso bitterer, als dass er bereits mehrfach Hilfe von anderer Seite angeboten bekommen hat. „Eine Frau aus Frankfurt hat gesagt, dass sie uns Business-Karten für ein Eintrachtspiel kaufen wolle, und Peter Possmann hat angeboten, dass wir die Possmann-Loge nutzen können“, erzählt Hecht.

Eine Vertreterin des Gegners der Eintracht am Samstag, Mainz 05, hat Hilfe angeboten. „Und es hat tatsächlich geklappt“, freut sich Hecht. Für ihn und Jeremy hat der Erinnerungs-Post ein Happy End: Jeremy erlebt am Samstag seinen zweiten Stadion-Besuch. Doch das allgemeine Problem sei damit noch nicht aus der Welt, findet Vater Marc. Denn wie die Kommentare auf Facebook zeigten, gebe es noch jede Menge weiterer Fans, die mit denselben Barrieren kämpften.

Eine Antwort von Eintracht Frankfurt auf die Anfrage zu dem Fall lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

von Sascha Valentin

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