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„Umgesetzt, was wir schon leben“

Lahn-Dill-Bergland „Umgesetzt, was wir schon leben“

Zehn Jahre lang waren Breidenbach und Dietzhölztal zwar Teil der Region Lahn-Dill-Bergland, aber nicht des gleichnamigen Naturparks. Das ist seit wenigen Tagen anders. Warum hat das so lange gedauert?

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Die Aufnahme in den Naturpark freut die Verantwortlichen. Doch schon vorher nutzten Wanderer in den Gemeinden Breidenbach und Dietzhölztal zertifizierte Wege.

Quelle: Uwe Zucchi

Landkreis. Unter dem Motto „einer Vision Raum geben“ wurde der elfte Naturpark Hessens im Oktober 2007 gegründet. Vor dem diesjährigen Tag der Regionen wurde dies mit geladenen Gästen in Gladenbach groß gefeiert. 18 Kommunen aus den Kreisen Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill gehören zu der rund 90.000 Hektar großen Mittelgebirgslandschaft, die die Region zwischen den Flüssen Lahn und Dill umfasst. Darin leben: etwa 180.000 Menschen.

„Natur- und Kulturlandschaften entfalten sich gleichermaßen für den Menschen, für Flora und Fauna“, heißt es auf der Webseite von Lahn-Dill-Bergland. Ein umwelt- und sozialverträglicher Tourismus solle­ dabei helfen, die durch verschiedenste Nutzung geprägte Landschaft mit ihrer Arten- und Biotopvielfalt zu erhalten, weiterzuentwickeln und wiederherzustellen. Naturbegegnungen sollen dazu beitragen, diese rücksichtsvoll zu nutzen und zu bewahren. Das ist der Anspruch und das Leitbild, dem der Naturpark in Mittelhessen gerecht werden möchte.

Regionale Produkte weiteres Merkmal des Naturparks

Es sei in den vergangenen Jahren nicht möglich gewesen, dass Breidenbach und Dietzhölztal – obwohl sie inmitten der Region Lahn-Dill-Bergland liegen – nachträglich auch Teil des Naturparks wurden, beschreibt Regionalmanagerin Marion Klein. Erst eine Gesetzesänderung habe den Weg freigemacht ( wir berichteten). „Seit 2008 waren wir dran, das umzusetzen“, sagt Klein. „Jetzt hat es geklappt.“

Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) dazu via Pressemitteilung: „Die Neuausweisung von Naturparks und die Arrondierung von Flächen bestehender Naturparks ist jetzt wieder möglich.“ Auf dieser Grundlage konnten die Gemeinden Breidenbach und Dietzhölztal Naturpark-Kommunen werden.

„Damit wird nun das umgesetzt, was wir schon seit Langem leben“, sagt Marion Klein. Denn als Teil der Region Lahn-Dill-Bergland gab es auch in den beiden Gemeinden schon vor der offiziellen Aufnahme in den Reigen der Naturpark-Kommunen einige Angebote. Als ­Naturpark-Führerin bietet etwa­ Margret Kunz in Dietzhölztal gruppenspezifische Haubergstouren für Erwachsene, Familien, Kinder, Gästegruppen und Schulklassen an. Auch regionale Produkte, ein weiteres Merkmal eines Naturparks, kommen aus den beiden „Neulingen“: beispielsweise Rindfleisch von den Direktvermarktern Frank und Thomas Pfeiffer aus dem ­Breidenbacher Ortsteil Wiesenbach.

Felkl froh und überrascht

Und auch einige Premium-wanderwege führen durch Dietzhölztal und Breidenbach. Etwa der Boxbachpfad, ein Rundwanderweg, der rund 16 Kilometer durch Wiesenbach nach Hesselbach im benachbarten Kreis Siegen-Wittgenstein und zum Breidenbacher Silbersee führt. Der Hörlepanoramaweg hingegen verläuft größtenteils in Steffenbergs Gemarkungsgrenze, streift aber auch Oberdieten.

Und bei der Haubergstour mischen sich Natur­erlebnis und das Erwandern ­regionaler Wirtschaftsgeschichte bei der knapp 20 Kilometer langen Route durch das Ebersbach-, Rossbach- und Dietzhölztal. Von der Nachricht, dass sie jetzt Naturpark-Kommunen sind, wurde Breidenbachs Bürgermeister Christoph Felkl (SPD) überrascht. „Wir sind froh, dass wir nun auch das Siegel Naturpark erhalten haben – und freuen uns auf eine weitere gute Zusammenarbeit“, erklärt Felkl. „Es hat sich aber nie so angefühlt, als gehörten wir nicht dazu“, sagt der Rathauschef weiter.

Die Zusammenarbeit mit Lahn-Dill-Bergland und den anderen Naturpark-Kommunen sei über die Jahre hinweg „total harmonisch“ abgelaufen. „An allen Entscheidungen waren wir gleichberechtigt beteiligt“, blickt Felkl zurück. Neben dem Boxbachpfad-Premiumwanderweg sei auch der 2013 anlässlich der 1100-Jahr-Feier errichtete Aussichtsturm ein Aushängeschild für Breidenbach als Teil von Lahn-Dill-Bergland.

Thomas hat Projekte geplant

Dietzhölztals Rathauschef Andreas Thomas (parteilos) sieht die Aufnahme als Lohn der Mühen der vergangenen dreieinhalb Jahre. „Wir haben ziemlich Gas gegeben, dass wir nicht nur Mitglied im Verein und Teil der Region sind, sondern auch zum Naturpark dazugehören“, sagt er. Dies sei auch Ausdruck dafür, dass sich die Gemeinde Dietzhölztal verstärkt touristisch engagieren wolle und werde, erklärt der Bürgermeister.

Zwei konkrete Projekte habe man auch schon in der Pipeline – und man erhofft sich Zuschüsse über Lahn-Dill-Bergland. Gemeinsam mit dem TSV Rittershausen ist ein Mountainbike-Pumptrack am Hammerweiher geplant. Ziel dieses speziellen Rundkurses ist es, darauf, ohne in die Pedale zu treten, durch Hochdrücken des Körpers aus der Tiefe am Rad Geschwindigkeit aufzubauen. „Dieses Angebot richtet sich gezielt an ein jüngeres Publikum“, sagt Thomas.

Projekt Nummer zwei, das demnächst umgesetzt werden soll, ist die touristische Aufwertung der Wilhelmswarte, dem einstigen Wahrzeichen von Ewersbach. „Der Aussichtsturm, der 1901 eingeweiht wurde, ist etwas in die Jahre gekommen, müsste freigeschnitten und an Wanderwege angebunden werden. Das haben wir uns nun 
vorgenommen“, sagt Thomas.

von Christian Röder

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