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Mit Drogen und Waffen unterwegs

Aus dem Landgericht Mit Drogen und Waffen unterwegs

Drogentransport samt Waffen: Was während 
einer nächtlichen Polizeikontrolle im Auto des 
Angeklagten alles gefunden wurde, damit rechneten weder der Drogenkurier noch die Polizisten.

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Wegen des Handels mit Amphetaminen steht ein 28-Jähriger in Marburg vor Gericht.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Mehr als 70 Gramm Amphetamine in der Fahrertür, ein Messer griffbereit in der Jackentasche, eine Schreckschusspistole unter dem Sitz, ein weiteres Messer plus Brechstange und Sturmhaube im Kofferraum: Ein kleines Sammelsurium an Rauschmitteln und Waffen fanden die Ermittler im September 2015 bei einem Mann aus Kleve in Nordrhein-Westfalen.

Nicht nur in seiner Heimatstadt verkaufte der heute 28-Jährige seinen Stoff: Ende September des vergangenen Jahres befand er sich auf einer Transporttour nach Breidenbach, wurde noch bevor er seine Kunden erreichte von der Polizei erwischt. Im Gepäck: 84 Gramm Amphetamine und einen Elektroschocker. Auch in seiner Wohnung fanden die Polizisten weitere synthetische Drogen.

Vor dem Marburger Landgericht legte der Mann am Montag ein umfassendes Geständnis ab. Die Waffen hatte er während seiner Drogengeschäfte „zur Selbstverteidigung“ dabei, gab er an. Sein Arsenal erregte einige Aufmerksamkeit vor Gericht.

Nach Firmenpleite ging‘s 
in den Drogenhandel

Insbesondere den als Taschenlampe getarnten Schocker, der den Prozessbeteiligten einen gehörigen Schrecken einjagte, als der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm dessen lautstarke 
Funktion im Saal demonstrierte. Dass er in zwei Fällen die Drogen in nicht geringer Menge zum Handel anbot, gab der Angeklagte zu. Einen weiteren Vorwurf der Staatsanwaltschaft bestritt er dagegen: Auch in Biedenkopf soll er Handel getrieben und rund 450 Gramm Amphetamine transportiert haben. Dieser Anklagepunkt ließ sich nicht nachweisen und wurde eingestellt.

Der Beschuldigte bezeichnete 
sich selbst als drogensüchtig, entwickelte sich in den vergangenen Jahren „Stück für Stück vom Konsumenten zum Verkäufer“, um seine Sucht zu finanzieren. Er sei sich bewusst, dass auf ihn „keine kleine Haftstrafe“ zukommen dürfte. Seit rund zehn Jahren nehme er harte Drogen, nach Speed und Ecstasy als Heranwachsender wechselte er zu Kokain.

Nachdem er eine Beraterfirma 
eröffnet hatte, konsumierte er zunehmend größere Mengen an Koks und Marihuana, so viel, wie die Finanzen es zuließen. Die Firma lief zeitweise sehr gut, „ich gab im Monat bis zu 3500 Euro für Kokain aus“. Nach der Firmenpleite wechselte er in den Drogenhandel.

Angeklagter hofft auf Therapie

Heute wolle er endgültig weg von der Sucht, „ich möchte eine Therapie und endgültig einen Schlussstrich ziehen“, betonte der 28-Jährige.
Sechs Gespräche bei der ambulanten Drogenberatung habe er absolviert, zudem einen sozialen Trainingskurs hinter sich. Den brauchte er anscheinend aufgrund des aggressiven Verhaltens, das er an den Tag legte. Der Grund: Zusätzlich zu den Drogen konsumierte der Mann Anabolika und Steroide für den Muskelaufbau, „die haben mich verändert, ich fühlte mich unbesiegbar“.

Vor dem Hintergrund einer angeblichen Drogensucht zielte 
die Strategie der Verteidigung nicht auf eine Haftstrafe, sondern auf eine alternative Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Ein psychiatrischer Sachverständiger begleitet daher den Prozess. In seinem 
vorläufigen Gutachten sah der Experte noch keine klaren Hin­weise für ein Suchtproblem. „Nach zwei Jahren Kokain­konsum eine starke Leistung“, wunderte sich der Richter.

Vom Tisch ist eine Unter­bringung dennoch nicht. Der Angeklagte beteuerte mehrfach, dass er in der Untersuchungshaft mit Entzugserscheinungen zu kämpfen habe, eine Therapie die sinnvollere Maßnahme für ihn darstelle. Auch Staatsanwalt Sebastian Brieden ließ bereits durchblicken, dass er einer Unterbringung nicht abgeneigt wäre. Den Ausschlag dafür dürfte das endgültige Gutachten des Sachverständigen geben.

Der Prozess wird diesen Mittwoch, 29. März, fortgesetzt. Beginn ist um 9 Uhr im Saal 101 des Marburger Landgerichts.

von Ina Tannert

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Aus dem Landgericht
Mit einem zusammengerollten 50-Euro-Geldschein und einem weißen Pulver wird der Konsum 
von Kokain imitiert. Der am Marburger Landgericht Angeklagte verkaufte Drogen und ist selbst süchtig. Symbolfoto: David Ebener

Kehrtwende – weitere Erkenntnisse überzeugten das Gericht von der Sucht des Angeklagten. Seine Freiheitsstrafe wird der überführte Drogenhändler in einer Entziehungsanstalt verbringen.

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