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Blaues Licht stoppt wilde Tiere

Unfälle Blaues Licht stoppt wilde Tiere

In der dunklen Jahreszeit lauern auf den Straßen erhebliche Gefahren. Durch Kollisionen zwischen Fahrzeugen und Wild kommen viele Menschen zu Schaden und es entstehen hohe Sachschäden.

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Christian Trothe vom Institut für Wildbiologie Göttingen und Dresden montiert einen blauen Wildwarnreflektor, die Reflektoren wurden auf verschiedenen Strecken getestet.

Quelle: Archivfoto

Gladenbach. Im vergangenen Jahr wurden im Bundesgebiet bei Kollisionen zwischen Kraftfahrzeugen und Wildtieren 2693 Menschen verletzt, sieben starben. Die dabei entstandenen Sachschäden belaufen sich auf eine halbe Milliarde Euro. Diese Zahlen gehen aus einer gemeinsamen Erklärung des Allgemeinen Deutsche Automobilclubs (ADAC) und des Deutschen Jagdverbandes (DJV) hervor. Die Autofahrer sollen vor diesen Gefahren gewarnt werden.

Gerade in den Monaten Oktober, November und Dezember passieren sehr viele Wildunfällen. Das ist die Zeit, in der Wildtiere nach den abgeernteten Feldern neue Nahrungsquellen und Schutzzonen suchen müssen und dabei immer häufiger willkürlich auch Straßen überquerten. Gerade nach der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit fällt das Hauptverkehrsaufkommen durch den Berufsverkehr mehr in die Dunkelheit, sagen die Experten.

Auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf ist erheblich von Wildunfällen betroffen. Nach Angaben von Polizeipressesprecher Martin Ahlich wurden im vergangenen Jahr 950 Unfälle mit Wildtieren registriert. Fünfzehn Autofahrer seien bei den Kollisionen verletzt worden, einer davon schwer. Die Wildunfälle des vergangenen Jahres hätten 23,2 Prozent aller Verkehrsunfälle ausgemacht. Hingegen wurden 2001 noch 536 Unfälle dieser Art gemeldet. Ahlich appelliert an die Autofahrer, vorausschauend zu fahren und immer bremsbereit zu sein. Ferner solle auf die Verkehrsschilder geachtet werden, die einen Wildwechsel anzeigten.

Dies gelte besonders für Straßen, die durch Waldgebiete führen. Auch sei zu bedenken, dass einem Tier oft weitere Wildtiere nachfolgen könnten. „Auf keinen Fall dürfen bei Unfällen angefahrene oder getötete Tiere mitgenommen werden, das würde den Tatbestand der Wilderei erfüllen“, betont Ahlich. Man solle auch auf jeden Fall den zuständigen Jagdpächter informieren.

Licht bewirkt Fluchtreaktion

Die Polizei könne dabei behilflich sein. Der Vorsitzende der Jägervereinigung Marburg, Dr. Gerhard Willmund, berichtet, dass wegen des steigenden Anstiegs der Wildschweinpopulation gerade im Herbst größere Jagden organisiert werden müssten. „Durch die Intensität der Schwarzwildbejagung, der revierübergreifenden Drück- und Bewegungsjagden werden Rotten gesprengt, sodass auch vermehrt einzelne Tiere auf der Suche nach dem Rottenverband weitere Fluchtstrecken zurücklegen“, erklärt er. Diese Tiere würden vor Straßen nicht Halt machen.

Die Jagden fänden tagsüber statt, ergänzte Willmund und bittet die Autofahrer auf Warnschilder, wie „Achtung Jagd“ zu achten. Diese Schilder würden vor der Jagd vom Veranstalter aufgestellt. Der Vorsitzende der Jägervereinigung Hinterland, Karl Leinbach, beklagt ebenfalls die hohe Anzahl von Wildunfällen. „In einigen Jagdrevieren des Hinterlandes sind durch Unfälle im Straßenverkehr bis zu siebzig Prozent Fallwild zu verzeichnen.“ Darunter falle jenes Wild, besonders Rehwild, was gemäß behördlicher Vorgaben im Jahr geschossen werden müsse. Bei Unfällen zu Tode gekommenes Wild sei nicht mehr zum menschlichen Verzehr zugelassen. Neben dem zu beklagenden Leid der Tiere gehe dadurch wertvolles Lebensmittel verloren, sagt er.

Die Zahl der Wildunfälle sei nur zu reduzieren, wenn sich die Kraftfahrer auf die gerade jetzt lauernden Gefahren einstellten, betont Leinbach.

Gebräuchlichstes Mittel gegen Wildunfälle sind zurzeit sogenannte Wildwarnreflektoren. Jagdpächter und die Jagdgenossenschaft Damm haben jetzt gemeinsam 140 solcher blauen Wildwarnreflektoren angeschafft und an den Leitpfosten der L3048 Richtung Oberwalgern und L3061 Grenze Altenvers bis Stedebach von Hessen Mobil anbringen lassen.

Durch das Auftreffen des Scheinwerferlichtes auf die halbkreisförmigen Reflektoren entsteht ein blaues Licht. Das Reflektieren der blauen Farbe, die in der Natur nicht vorkommt, bewirkt beim Wild eine Fluchtreaktion. Die soll dazu führen, dass die Tiere in diesem Moment die Straße nicht überqueren und somit weniger Unfälle passieren. Arnd Hartmann aus Gladenbach-Bellnhausen­ ist einer der Jadpächter in Damm. Er bittet die motorisierten Verkehrsteilnehmer, beim Aufleuchten der blauen Reflektoren - die an den besonders gefährdeten Stellen montiert wurden - langsamer zu fahren.

von Heribert Theis

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