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Bis zu den Knien im blühenden Lavendel

Städtepartnerschaft Bis zu den Knien im blühenden Lavendel

„Anstrengend war‘s, aber erlebnisreich und letztlich toll“, so lautete das Fazit der Teilnehmer einer Gladenbacher Reisegruppe nach einem Besuch im südfranzösischen Monteux.

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Quelle: Hartmut Berge

Gladenbach. Nein, wer sich dem Tross des Gladenbacher Partnerschaftsvereins anschließt, um die Freunde in Monteux zu besuchen, der fährt nicht zur Selbstfindung ins Schweigekloster. Ausruhen und ausschlafen sind nicht die erklärten Ziele.

Aber der geneigte Gladenbacher Neuling in Monteux erfährt schnell, dass überragende Gastfreundschaft und die südfranzösische Lebensart, gepaart mit Ausflügen, auf Geist und Körper positiver wirken können als jeder Wellness-Urlaub. Berichtet ein Monteux-Reise-Anfänger den alterfahrenen Vereinsmitgliedern des Partnerschaftsvereins von dieser Erkenntnis, dann wird sie mit einem Lächeln quittiert und meist „Ich weiß“ kommentiert.

Die seit 1987 währende Städtepartnerschaft zwischen Gladenbach und Monteux hat viele Freunde. Und es bereitet meist keine Probleme, den Bus voll zu bekommen. Beim jüngsten Besuch der Gladenbacher in Monteux blieben freilich ein paar Plätze leer, aber das war der besonderen Situation geschuldet, dass der Abreisetag der vorletzten Schultag vor den Sommerferien war. Zudem reisten einige Gladenbacher tags drauf mit dem eigenen Auto an, um das Monteux-Programm zu genießen und anschließend weiter Urlaub zu machen.

14 Stunden dauerte die Busfahrt. Am Feuerwehrstützpunkt in Monteux nahmen die Gastfamilien die Besucher aus Gladenbach herzlich in Empfang. Ab ging‘s in die Unterkünfte, schnelles Frühstück und dann zum Wochenmarkt nach Carpentras. Zum Vergleich: Der größte Markt in der Provence entspricht dem Kirschenmarktfreitag in XXL!

Den Freitagnachmittag nutzten die meisten zum Auspacken und Entspannen oder zum Spaziergang durch Monteux. Zwei Neulinge, Mitglieder des Gladenbacher Imkervereins, knüpften derweil Kontakte zu örtlichen Bienenzüchtern. Am Samstag fuhren die Gladenbacher ans Mittelmeer, um mehr oder weniger im Wasser oder in der Sonne zu baden. Auf dem Weg dorthin, der durch die Carmarque führte, besichtigte die Reisegesellschaft die Salinen von Aigues-Mortes.

Das Programm am Sonntag stand zunächst ganz im Zeichen des Lavendel, die Hinterländer besuchten eine Lavendel-Destillerie, bevor die Gesellschaft ein sehr ausgiebiges Picknick machte. Daraus entwickelte sich ein kleines Open-Air-Konzert. Mariano Sanchez-Runkel hatte seine Gitarre, sein Sohn Florian ein Cajon mitgebracht. Zahlreiche Gladenbacher zupften die Saiten, trommelten oder gaben dem Publikum ihre gesanglichen Künste preis, wie etwa die talentierte Leonie Wilhelm oder der passionierte Musiker und Busfahrer Andreas Lenz. Der Sonntag endete mit einem gemeinsamen Festessen. Zuvor betonten die Vorsitzenden der Partnerschaftsvereine, für Gladenbach Michael Willms und für Monteux George Troesch die Bedeutung der partnerschaftlichen Beziehungen. Bürgermeister Christian Gros freute sich besonders, neben den vielen bekannten Gästen auch neue Besucher aus Gladenbach begrüßen zu können.

Schulpartnerschaft soll wieder in Schwung kommen

Grüße übermittelte auch die mitgereiste Kirschenkönigin Jennifer Koch mit Prinz Maxim Laukert an ihrer Seite. Gedacht wurde der in diesem Jahr verstorbenen Danièle Mouton, Witwe von Jean-Pierre Mouton, dem langjährigen Vorsitzenden des Verschwisterungsvereins.

Bei den vielen Gesprächen in den Gastfamilien war auch die Zukunft der Städtepartnerschaft Thema. Die hat ihren Ursprung in der seit 36 Jahren bestehenden Partnerschaft zwischen der Europaschule Gladenbach und dem Collège Alphonse Silve in Monteux. Seither finden regelmäßig Austausche statt. Schüler knüpfen Freundschaften und lernen voneinander. In diesem Jahr kamen die Franzosen erstmals nicht nach Gladenbach. Dafür gibt es dem Vernehmen nach verschiedene Gründe. Immer weniger Schüler wollen Deutsch lernen. Dementsprechend gibt es nur noch Lehrer, die an verschiedenen Schulen Deutsch unterrichten und verständlicherweise nicht den Antrieb haben, einen Austausch nur für Schüler aus Monteux zu organisieren. Zudem mangelte es an der nötigen Gruppengröße. Dieses Problem sollen die Schulen angehen, die Partnerschaftsvereine wollen sie dabei unterstützen. Derweil ist fest geplant, dass im kommenden Jahr wieder eine Reisegruppe aus Monteux, organisiert vom dortigen Verschwisterungsverein, Gladenbach besuchen wird. Und auch dann lautet die Devise wieder: wenig Schlaf, aber dafür viel Vergnügen!

von Hartmut Berge

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