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Bierglaswurf bleibt vorerst ungeklärt

Aus dem Amtsgericht Bierglaswurf bleibt vorerst ungeklärt

Vermutlich erst im September wird das Marburger Amtsgericht im Fall eines Diskoabends mit Folgen ein Urteil fällen. Ein Glaswurf fügte einer Kellnerin einer Diskothek erhebliche Verletzungen zu. Trotz einer stundenlangen Verhandlung am Mittwoch konnte Amtsrichterin Dr. Antonia Wetzer den blutigen Streit aus dem März 2013 allerdings nicht aufklären. Im September wird der Fall neu verhandelt.

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Warf der Angeklagte während eines Diskoabens mit einem Bierglas um sich? Die Ursache von Verletzungen bei Kellnerin und Gast soll ein Sachverständiger klären.

Quelle: A. Reinkober / pixelio.de

Marburg. Zwei Brüder aus dem Hinterland saßen auf der Anklagebank. Der Jüngere soll der Bedienung in einer Diskothek des Südkreises in der Nacht des 29. März 2013 ein Weizenbier-Glas ins Gesicht geworfen haben. Der 40-jährigen Kellnerin und Nebenklägerin entstanden klaffende Wunden an Kinn, Unterkiefer und im Halsbereich. Eine Scherbe traf zudem die Hauptschlagader des rechten Arms. Die Frau leidet seither an einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Staatsanwalt Peter Heinisch lastete den Brüdern zudem die Verletzung eines Disko-Besuchers an. Auch der ältere Bruder verletzte sich: Ihn trafen Splitter eines Glases am Ohr, die Ohrmuschel musste mit zehn Stichen genäht werden.
Dementsprechend wiesen die 29- und 31-jährigen Brüder die Schuld von sich. Nicht der 29-Jährige habe das Glas geworfen, vielmehr sei sein Bruder Opfer von aggressiven Fußballfans im Raucherraum der Disko geworden. Die sollen ein Glas auf ihn geworfen und damit ihn sowie die in der Nähe stehende Bedienung verletzt haben.

Angeklagter: Die Gruppe war den ganzen Abend schon aggressiv

„Ich bin mit meinem Cousin gegen 23 Uhr in die Disko gegangen, weil meine Ex-Freundin da gearbeitet hat. Ich hatte die Hoffnung, dass sie nochmal zu mir zurückkommt“, erzählt der jüngere Angeklagte. „Später kam mein Bruder dazu. Wir haben zu dritt getrunken.“ Dann seien sein Bruder und der Cousin Richtung Raucherraum und Toilette gegangen. Plötzlich habe es dort einen Tumult gegeben. Ein Mann lag auf dem Boden, seinen Bruder habe er am Ohr blutend angetroffen.

Der ältere Bruder sagte: „Im Raucherraum war eine Gruppe Fußballfans, die war den ganzen Abend schon aggressiv.“ Nach dem Toilettengang soll ihn die Gruppe bedrängt haben. Einer aus der Gruppe soll das besagte Weizenbierglas geworfen haben, der 31-Jährige sei zu Boden gegangen. Cousin und Bruder hätten den Verletzten dann lediglich aus dem Tumult herausgeholt. Die Disko-Besitzerin habe die drei dann des Lokals verwiesen, ohne einen Kranken­wagen zu rufen.

Ganz anders dagegen die Aussage der Bedienung: Die Brüder sollen einen Gast im Raucherraum verprügelt und – als dieser am Boden lag – getreten haben. Ganz genau will sich die 40-Jährige zudem erinnern, dass der 29-jährige Angeklagte ihr nach der Schlichtung der Prügelszenen ein Bierglas entgegengeschleudert habe.

Bei Ortstermin ein Bild von Größe des Raumes machen

Weil auch dessen Bruder verletzt war, habe man den beiden sogar angeboten, zusammen ins Krankenhaus zu fahren. Die lehnten aber ab, klagten über unterlassene Hilfeleistung, weil niemand einen Krankenwagen oder die Polizei gerufen habe.

Die vermeintliche Verletzung des Disko-Gastes geriet bald in den Hintergrund. Der sagte aus, gar nicht verletzt worden zu sein, könne sich zudem nicht an einen Angriff durch die beiden Angeklagten erinnern. Stattdessen rief Heinisch dazu auf, „sich auf das Hauptgeschehen zu konzentrieren. Wir haben hier zwei Verletzte. Wie sind diese Verletzungen zustande gekommen?“ Damit lautete die Kernfrage: Wer hat das Glas geworfen? Der 29-jährige Angeklagte, oder ein anderer Disko-Gast aus einer Gruppe, die sich im Raucherraum aufhielt und die Streit mit den Brüdern hatte?

Richterin Dr. Wetzer befand die Beschuldigungen der Kellnerin für glaubhaft, wollte sich aber dennoch kein Urteil fällen. Stattdessen soll ein Ortstermin in der Diskothek Aufschluss über die Größe des Raucherraums geben, in dem das Glas geworfen wurde. Die Verteidigung des 29-jährigen Angeklagten stellte dazu den Antrag.

Sachverständige sollen prüfen, ob die Splitter eines an der Wand zerschellten Glases den 31-jährigen Bruder und die Kellnerin verletzen konnten. „Vielleicht müssen wir selber ein Glas werfen“, erklärte sich der Staatsanwalt zum Mittel der Wahrheitsfindung bereit. Die Neuauflage der Hauptverhandlung findet voraussichtlich im September statt.

von Jouka Röhm

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