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Wenig Interesse an Vereinsprojekt der Stadt

„Wir sind dabei“ Wenig Interesse an Vereinsprojekt der Stadt

Welche Hilfe brauchen Vereine, um sich fit für die Zukunft zu machen? Über diese Frage hat der Biedenkopfer Jugend- und Sozialausschuss diskutiert.

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Der Turnverein Biedenkopf ist auch im vergangenen Jahr weiter gewachsen und hat mittlerweile 1224 Mitglieder. Die Vereine nehmen das Beratungsangebot der Stadt nicht an.

Quelle: Sophie Cyriax

Biedenkopf. „Wir sind dabei“ heißt das Projekt, das unter anderem von der Stadt und dem Landkreis getragen und vom Land Hessen gefördert wird. Hintergrund ist laut Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) ein Beschluss des Parlaments aus dem Jahr 2014, der Vereine und Ehrenamtliche stärken soll. Zwei Stichworte dabei: demografischer Wandel und Integration.

Dass die Biedenkopfer Vereine mit „Wir sind dabei“ auch mitmachen, kann man zur Halbzeit des auf drei Jahre ausgelegten Projekts indes nicht sagen. Die Bilanz von Projektmanager Michael Schwesinger fiel im Jugend- und Sozialausschuss ernüchternd aus. Schwesinger ist Mitarbeiter des Marburger Vereins Juko, der das Projekt umsetzt. Laut Schwesinger habe ­
Juko in den Jahren 2015 und 2016 mehr als 90 Vereine zu zwei Eröffnungsworkshops eingeladen.

Zum ersten Termin seien zwei Leute, beim zweiten immerhin 30 gekommen. Die Teilnehmer äußerten insbesondere den Wunsch nach Fortbildungen für Vereinsvertreter. Die habe der Verein dann auch angeboten, doch: „Wir hatten an vier Terminen genau einen Teilnehmer“, sagte Schwesinger. Auch Einzelgespräche mit Vereinen stießen auf wenig Interesse. Das Angebot einer individuellen Vereinsberatung sei nicht wahrgenommen worden.

„Schlagworte reichen nicht“

Im besten Fall, sagte der Projektmanager, sei bei den Biedenkopfer Vereinen der Leidensdruck nicht so groß. Schwesinger verwies dabei darauf, dass das Vereinsleben mit mehr als 150 Vereinen in Biedenkopf sehr ausdifferenziert sei und gute Netzwerke existierten.
Andererseits sei er in Gesprächen aber durchaus auf Probleme gestoßen. Kleinere Vereine hätten Schwierigkeiten, ihre Vorstände zu besetzen. Dass Angebote von Juko ihnen helfen könnten, werde von manchen Vorständen aber bezweifelt. Die Bereitschaft, im Vereinsleben etwas zu verändern, um attraktiv für neue Mitglieder zu sein, sei nicht überall vorhanden.

Während der Diskussion machten die Mitglieder des ­Jugend- und Sozialausschusses ein großes Problem des Projektes aus: Es ist in den Vereinen auch nach eineinhalb Jahren Laufzeit kaum bekannt.

Als Grund vermutete der Ausschussvorsitzende Matthias­ Ried­­esel (CDU) nicht Desinteresse­ der Vereine, sondern eine zu abstrakte Projektbeschreibung. Ihm selbst sei nicht klar geworden, worin der Mehrwert für die Vereine besteht. Schwesinger hatte darin unter anderem erklärt, dass der Projektname „Wir sind dabei“ für „D“irekte Wege, „A“ktives Miteinander, „BE“lebte Orte und „I“ntegration steht. Jörn Schreiber (UBL) ergänzte,­ dass Schlagworte wie „Integration“ oder „demografischer Wandel“ nicht ausreichten, um Leute hinter dem Ofen vorzulocken.

Trachtenverein öffnet sich für ausländische Trachten

Schwesinger konkretisierte das Beratungsangebot: Verein X kann Tipps bekommen, wie er mit seinem Schwerpunkt Mitglieder und vor allem aktive Ehrenamtliche werben kann. „Es gibt Wege, junge Leute zu gewinnen – die sind aber aufwendig“, sagte Schwesinger und erklärte, dass Jugendliche sich oft wegen der mehrjährigen Amtszeit scheuten, im Vorstand zu arbeiten. Ein 18-Jähriger wisse noch nicht, wie sein Leben drei Jahre später aussieht. Satzungsänderungen könnten helfen: die Amtszeit auf ein Jahr senken.

Auch Migranten könnten als neue Mitglieder gewonnen werden. Allerdings müssten Vereine dazu unter Umständen zu Veränderungen bereit sein. Als Beispiel nannte Schwesinger einen hessischen Trachtenverein, der sich für ausländische Mitglieder und deren Trachten geöffnet habe. Um Ehrenamtliche zu finden, brauche es eine bessere Anerkennungskultur in den Vereinen. Wichtiger als Ehrenamtspauschalen oder Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft sei es, die Leistung des Einzelnen individuell zu würdigen.

Überhaupt: „Wir sind dabei“ soll laut Schwesinger auch den einzelnen Ehrenamtlichen für seine Aufgaben fit machen. Denn oft scheitere die Suche nach Vorstandsmitgliedern daran, dass die Leute sich das Amt nicht zutrauen. Fortbildungen könnten helfen. Dass das Projektthema wichtig ist, darüber war sich der Ausschuss am Ende der Sitzung ­einig. „Das Projekt muss aber klarer runtergebrochen werden, mit konkreten Beispielen – dann kann man auch die Vereinsvorstände gewinnen“, sagte Ausschusschef Riedesel.

von Susan Abbe

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