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Bürger protestieren gegen Pläne

Gewerbepark Krummacker Bürger protestieren gegen Pläne

Rund 45 Bürger haben sich in Wallau getroffen. Ihr Ziel: Einspruch einlegen gegen das, was inzwischen für das Gewerbegebiet „Krummacker“ geplant ist.

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Inzwischen ist kaum noch zu erkennen, wie das Gebiet zu seinem Namen kam: Die riesige Fläche am „Krummacker“ zwischen Wallau und Niederlaasphe ist neu modelliert worden.

Quelle: Hartmut Bünger

Wallau. Hermann Achenbach hatte das Treffen in die Wege geleitet. Durch die Amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Biedenkopf war er auf anstehende Änderungen im Bebauungsplan aufmerksam geworden. Der Wallauer machte sich die Mühe, folgte dem Hinweis auf weitere Informationen im Internet, studierte dort das 13 Seiten lange Papier – und mochte kaum glauben, was er da las.

Rückblende: Am 15. Dezember vergangenen Jahres hatten die Biedenkopfer Stadtverordneten ein Verfahren in die ­Wege geleitet, um den bestehenden Bebauungsplan für das Gewerbegebiet „Krummacker“ zu ändern. Einstimmig fiel das Votum seinerzeit aus. Grund war das Interesse der Biedenkopfer Firma Elkamet Kunststofftechnik an großen Teilen des Areals. Weil die Firma signalisierte, 41.289 Quadratmeter und damit rund zwei Drittel der Fläche kaufen zu wollen, erschien die bislang geplante Ringstraße in der Mitte als nicht zweckmäßig und sollte durch eine Stichstraße ersetzt werden.

„Ziel dieser Bebauungsplanänderung ist die Nutzbarkeit der vorgenannten Flächen für die Firma Elkamet Kunststofftechnik ... und die Änderungen der Verkehrsanlagen auf dem Krummacker“, hieß es im Dezember 2016 im Parlament. Vor allem ging es in der Beschlussvorlage darum, dem Biedenkopfer Unternehmen einen größeren Gestaltungsspielraum zu eröffnen, wenn es um Gebäude-­stellung und ­Betriebsabläufe geht. Die Kosten des Verfahrens, rund 10.000 Euro, trägt die Stadt. Umso verblüffter war Hermann Achenbach, als er sich nun in den Entwurf vertiefte, der auf den 16. August 2017 datiert ist und den das Planungsbüro Koch aus Aßlar für die Stadt Biedenkopf erarbeitet hat. Denn dort stehen Stichworte, die in der Öffentlichkeit bislang so noch nicht gefallen waren. Von einer Ausweitung der Nachtarbeit ist die Rede, von ­höheren Gebäuden, mehreren­ Immissionsprognosen und Lärmbelastung.

Abbau von Hemmnissen 
für Gewerbeansiedlungen

Zudem werden auf einmal für das gesamte Verfahren andere­ Ziele genannt. „Die Bebauungsplanänderung soll also dazu dienen, die bisherigen immissionsbezogenen Festsetzungen­ so weit zu prüfen und anzupassen, dass die bestehenden Hemmnisse für Gewerbeansiedlungen abgebaut werden können“, heißt es wörtlich. Die gewerbliche Nutzung solle weniger stark eingeschränkt werden, damit der „Krummacker“ vielfältigeren Nutzungsansprüchen gerecht werde. Wobei die Planer vermerken: Dem Schutzbedürfnis der Nachbarschaft soll weiterhin Rechnung getragen werden. In dem 13-seitigen Entwurf des Bebauungsplans heißt es dort im Detail unter anderem:

  • Die Gebäudehöhen werden neu definiert. Im nördlichen Teil, der an die Alte Straße angrenzt, ändert sich vom Grundsatz her nur wenig. Im südlichen Teil dagegen können die Gebäude zum Teil sechseinhalb Meter mehr in die Höhe ragen als bislang geplant. Die Planer sehen den „stärkeren Eingriff in das Landschaftsbild“ durchaus, schreiben aber: Da unterhalb des Gewerbegebietes ebenfalls Firmen angesiedelt seien und die nächsten Häuser in Breidenstein 450 Meter entfernt ­lägen, sei die optische Beeinträchtigung zu relativieren. Im Übrigen­ seien zwölf Meter hohe­ 
­Gebäude eher im Sinne des ­Bodenschutzes als eine großflächige Versiegelung mit flacheren Hallen in der Breite.
  • Die ehemals geplante Ringerschließung ist nicht mehr notwendig und wird durch zwei Stichstraßen mit Wendemöglichkeit ersetzt.
  • Da im nördlichen Teil des Gewerbegebietes Nachtarbeit bislang weitgehend ausgeschlossen war, mehrere Interessenten aber Nachtarbeit planen, wurden mehrere Schallimmissionsprognosen in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Wenn man die Emission im Gewerbegebiet tagsüber auf Werte zwischen 60 und 65 Dezibel begrenzt, nachts auf Werte zwischen 40 und 44 Dezibel (in einem Gebiet im Süden auf 50), dann werden die Richtwerte eingehalten, sodass das Nachtarbeitsverbot aufgehoben werden kann. „Die oben genannte konkret anfragende Firma kann im Rahmen ihrer Werksansiedlung diese Emissionskontingente einhalten“, heißt es wörtlich.
  • Wie im Ursprungsplan müssen Gebäude zur Straße drei Meter Abstand haben, zu allen übrigen Seiten fünf Meter.
  • Einzelhandelsbetriebe oder Verkaufsstellen, die sich an den Endverbraucher richten, sind nicht zulässig; allenfalls dann, wenn sie eng mit einem produzierenden Gewerbebetrieb zusammenhängen.

Ein Bürger fordert Stopp des gesamten Projekts

Bei den Bürgern, die sich in einem Gasthaus versammelt hatten, stießen vor allem die erstgenannten Punkte auf wenig ­
 Gegenliebe. „Es wird passend gemacht für die Industrie“, kommentierte Hermann Achenbach den Entwurf. Nachtarbeit und Arbeitslärm – das sei bei Wind, der zu 90 Prozent aus Süd-West komme, eine enorme Belastung für die Anwohner. Wie aber weiter vorgehen?

Eine sehr kritische Stimme aus Bad Laasphe forderte, das Gesamtprojekt zu Fall zu bringen, fand damit in der Versammlung aber wenig Zustimmung. Die Mehrheit war sich einig, dass es darum gehen müsse, die jetzt geplanten Änderungen zu verhindern. In einem ersten Schritt fanden sich mehrere Bürger aus Wallau und Niederlaasphe, die das Gespräch mit der Stadt suchen wollen, um vielleicht auf diesem Weg noch zu einer für alle tragbaren Lösung zu kommen. In der nächsten Woche soll es dann das nächste Treffen geben. Sollte das Gespräch mit der Stadt nichts gebracht haben, soll der nächste Schritt sein, offiziell Einspruch beziehungsweise ­
viele Einsprüche gegen den Plan einzulegen. Auf ihr ­eigenes ­juristisches Geschick werden sich die Anwohner vermutlich nicht verlassen. Kontakt zu mehreren Fachanwälten für ­öffentliches Baurecht ist schon aufgenommen.

von Hartmut Bünger

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