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Historie humorvoll in Szene gesetzt

Herbstabende Historie humorvoll in Szene gesetzt

Ein Stück der Stadtgeschichte kommt demnächst im Biedenkopfer Schloss auf die Bühne. In dem Schauspiel geht es um die Folgen des großen Stadtbrandes von 1717.

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Die Geschichte des Stadtbrandes und seiner Folgen greift das „Schenkbarsche Hoftheater“ auf.

Quelle: Susan Abbe

Biedenkopf. 300 Jahre ist es her, dass das letzte große Feuer in der Stadt wütete. „Die ganze Stadt war in Battenberg auf dem Markt – deshalb war keiner zum Löschen da“, erzählt Christoph Kaiser, Autor und Regisseur des Theaterstücks „Dreimal ein Phoenix“. Als die Biedenkopfer zurück nach Hause kamen, war ihre Stadt fast vollständig niedergebrannt. „Von ursprünglich mehr als 100 Häusern standen noch acht“, sagt Kaiser.

Das große Glück dabei: Die Biedenkopfer hatten kein einziges Todesopfer zu beklagen. Dennoch traf das Feuer die Stadt schlimm. Denn es war nach 1635 und 1647 der dritte große Stadtbrand in Biedenkopf. Den Neuanfang konnten die Bürger nicht allein schaffen. Ein Gesandter aus Darmstadt kam, um den Wiederaufbau zu koordinieren und der Stadt zu helfen, zum dritten Mal wie „Phoenix aus der Asche“ aufzusteigen.

Der historische Stoff rund um die Stadtbrände interessiert den Biedenkopfer Kaiser schon seit Jahren. Geschichte ist das große Hobby des Theologen, der als Lehrer und Stadtführer arbeitet. Sein zweites Steckenpferd ist das Theater: Seit Langem schauspielert er selbst, verfasste bereits einige Stücke und baute in den vergangenen drei Jahren mit etwa 20 Gleichgesinnten die Gruppe des „Schenkbarschen Hoftheaters“ auf.

Historische Figuren treffen fiktive Charaktere

Aus der Geschichte des Feuers im Jahr 1717 ein Stück zu machen, lag für Kaiser deshalb nahe. Als Hinterlandmuseumsleiter Gerald Bamberger dann im Jahr 2013 auch noch einen alten Stadtplan entdeckte, in dem alle Brandschäden von 1717 verzeichnet waren, war Kaiser begeistert. „Jetzt hatte ich was in der Hand; daraus konnte ich was machen.“

Entstanden ist ein Schauspiel, das sich eng an den historischen Ereignissen orientiert; auch ­einige handelnde Personen sind historisch belegt: die Färberfamilie Plitt zum Beispiel. Andere Figuren hat Kaiser für sein Stück erfunden: Die alte Lisbeth etwa, die schon die Stadtbrände 1635 und 1647 miterlebt hat und nun in hohem Alter den dritten großen Brand mit ansehen muss.

Doch so dramatisch die historischen Ereignisse auch waren – auf den für ihn selbst und das „Schenkbarsche Hoftheater“ typischen Humor wollte Kaiser im Stück nicht verzichten. „Da es beim Stadtbrand keine Todesopfer gab und der Schwerpunkt des Stücks sowieso weniger auf dem Brand und mehr auf dem Wiederaufbau liegt, kann man durchaus auch was Fröhliches machen“, meint Kaiser. Er betont, dass Theater nicht immer nur ernst und problembeladen daherkommen müsse. „Ich finde es absolut legitim, wenn Theater mal einfach nur unterhaltsam ist“, sagt Kaiser und ­ergänzt augenzwinkernd: „Die Leute sollen nicht deprimierter aus dem Stück rausgehen, als sie reingekommen sind.“

Laienschauspieler zwischen 12 und 60 Jahren alt

Und so bringt Kaiser in seinem Stück witzige Dialoge und Situationen unter. Bunt und zuweilen überzeichnet sind die Figuren. Allen voran der wohlhabende Schultheiß, der sich nicht unbedingt als der Mutigste und Klügste hervortut, wohl aber mit einem gerüttelt Maß Arroganz gesegnet ist. Das Schenkbarsche Haus, das er samt Gattin bewohnt, wurde bemerkenswerterweise von allen Feuern verschont. Im Gegensatz zu den drei Häusern einer „Gevatterin“, die – soeben noch eine gute Partie – nach dem Brand nur noch drei Keller ihr eigen nennt.

Der Schwerpunkt im Stück liegt nicht auf einzelnen Hauptpersonen. Es gibt viele Rollen für viele Figuren. „Ich mag es, wenn verschiedene Typen aufeinandertreffen“, erklärt Kaiser. Geschuldet ist die gleichmäßige­ Rollenverteilung dabei auch dem Ensemble des „Schenkbarschen Hoftheaters“. Die 20 Laienschauspieler sind zwischen 12 und 60 Jahre alt, kommen aus dem ganzen Landkreis und treffen sich donnerstags zu den Proben in Biedenkopf.

Maßgeschneiderte Rollen für Mitwirkende

„Ich schreibe meine Stücke für die Leute in der Gruppe“, erläutert Kaiser. Und das heißt: Er hat Ensemblemitglieder vor Augen, wenn er die Rollen entwirft. Und: Kein Schauspieler geht leer aus; für jeden ist eine Rolle dabei. Mit entsprechend großem Engagement gehen die 20 Laienschauspieler die Proben an. Jetzt – nur wenige Wochen vor der Premiere – probieren sie bereits in ihren Kostümen. Hier und da hakt es noch mit dem Text. Und Hobby-Regisseur Kaiser erklärt zwischendurch auch immer wieder, wie die eine oder andere Szene noch verbessert werden kann.

Bei allem Spaß wird deutlich: Das Ensemble strengt sich mächtig an, arbeitet gezielt auf die Premiere im Landgrafenschloss hin. „Dass wir im Schloss spielen dürfen, ist schon eine große Ehre für uns“, freut sich auch Kaiser.

  • Das Theaterstück „Dreimal ein Phoenix“ ist im Programm der Herbstabende im Schloss Biedenkopf zu sehen am 10., 11. und 12. November. Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Kartenreservierung unter der Telefonnummer 06461/924651.

von Susan Abbe

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