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Skiskulptur bleibt auf dem Kreisel

Ortsbeirat Biedenkopf Skiskulptur bleibt auf dem Kreisel

Die Idee, das Kunstobjekt auf dem Ludwigshütter Kreisel durch ein Modell des Biedenkopfer Schlosses zu ersetzen, hat der Kernstadt-Ortsbeirat nach Widerstand aus der Kulturszene fallengelassen.

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Der Biedenkopfer Ortsbeirat will die Skiskulptur auf dem Ludwigshütter Kreisel nun doch erhalten.

Quelle: Susan Abbe

Biedenkopf. Einen Willkommensgruß für Besucher, die nach Biedenkopf hereinfahren, wollte der Kernstadt-Ortsbeirat gerne an den Ortseingängen der Stadt schaffen. Ortsbeiratsmitglied Jörg Michel (BB) hatte Ende 2016 vorgeschlagen, Schloss-Skulpturen – mit dem Schriftzug „Willkommen in Biedenkopf“ versehen – an den Ortseingängen aufzustellen. Eine Skulptur könnte am Ortseingang aus Richtung Eckelshausen stehen, die andere auf dem Ludwigshütter Kreisel. So lautete die Idee, die der Ortsbeirat sehr wohlwollend diskutierte.

Nur am Rande sprach das Gremium dabei über die Skiskulptur, die bisher den Ludwigshütter Kreisel ziert. Was mit dem Kunstobjekt passieren könnte,­ war im Ortsbeirat noch kein Thema. Für andere Biedenkopfer aber schon, wie Ortsbeiratsmitglied Jörg Michel und auch Ortsvorsteher Heinz Olbert (beide BB) nun in der jüngsten Ortsbeiratssitzung berichteten.

Heftige Reaktionen von kulturell interessierten Bürgern habe­ es gegeben. Michel teilte mit, dass ihn nicht nur ein Mitglied des Vereins „Bid Kultur“ angesprochen habe, sondern auch die Künstlerin Ursula Cyriax, die bei der Schaffung der Skiskulptur seinerzeit federführend war. Ihre Sorge um das Kunstobjekt sei groß, sagte Michel und erklärte, dass es ihm ja nicht darum gehe, „Kunst kaputtzumachen.“

Michel schlug vielmehr vor, einen geeigneteren Standort für die Skiskulptur zu finden. Sinnvoll sei es doch, das Kunstwerk an einer Stelle zu platzieren, an der der Betrachter stehenbleibe­ und sich intensiver mit dem ­Objekt beschäftigen könne. Am Kreisel sei das nicht möglich; den könnten Autofahrer höchstens mehrfach umrunden.

Abbau könnte damalige Partner der Aktion irritieren

Angesichts der Reaktionen aus der Bürgerschaft war der Ortsbeirat während der Sitzung sichtlich bemüht, das Thema sachlich zu diskutieren. Beigetragen hat dazu auch Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD), der eine schriftliche Einschätzung der Biedenkopfer Kulturreferentin Birgit Simmler zum Thema mitgebracht hatte. Simmler hält demnach den Abbau oder das Versetzen der Skulptur kulturell nicht für sinnvoll. Das Objekt, das offiziell den Titel „International-Richtungsweisend“ trägt, habe laut der Kulturreferentin künstlerischen Wert. Aussage des Kunstwerks sei, „dass alle in Biedenkopf wohnenden Nationalitäten mit der Hauptstadt der Länder, aus denen sie kommen, abgebildet sind. Die Skier weisen in die Richtungen der Hauptstädte“. Die Skulptur stehe somit für Weltoffenheit und finde zudem allgemeine Akzeptanz in der ­
Bevölkerung.

Simmler weist darüber hinaus darauf hin, dass mehr als 100 Menschen an der Erstellung des Kunstwerks, das 2011 im Rahmen des Skulpturenpfads geschaffen wurde, beteiligt waren: Bürger spendeten Skier, andere betreuten das Projekt aus einem Beirat heraus, soziale Institutionen waren eingebunden, Fördergelder von Bund und Land flossen, und heimische Firmen­ ermöglichten die durchaus aufwendige Aufstellung des ­Objektes.

Der Abbau würde zu Irritationen bei den Partnern, die kulturelle Aktionen in Biedenkopf unterstützen, führen, erklärt Simmler. Und: Die Errichtung einer neuen Skulptur mit ähnlichen oder größeren Ausmaßen auf dem Kreisel würde Kosten im fünfstelligen Bereich verursachen. Die Einschätzung der Kulturreferentin überzeugte den Ortsbeirat. Angesichts der großen Zahl von beteiligten Bürgern und Institutionen war sich der Ortsbeirat schnell einig, die Skiskulptur dort zu lassen, wo sie jetzt steht.

Ortsbeirat will Kosten für Schloss-Skulptur ausloten

Lediglich Detlef Stein (BB) erklärte, dass es durchaus auch Bürger gebe, die die Skiskulptur kritisch sähen und gerne an ­eine andere Stelle versetzen lassen würden. „Die Kunst, die 100 Prozent Zustimmung erfährt, ist noch nicht erfunden“, hielt Bürgermeister Thiemig entgegen und sagte, dass auch ­eine Schloss-Skulptur kaum allen Biedenkopfern gefallen würde.

Letztlich entschied der Ortsbeirat, den Blick weg vom Ludwigshütter Kreisel und hin zum anderen Ortseingang Biedenkopfs zu richten. Die Hoffnung ist, dass wenigstens dort eine­ 
 Schloss-Skulptur oder ein ­anders gestaltetes Willkommens-Objekt errichtet werden kann. Das könnte sich allerdings schwierig gestalten. Denn einen Kreisel gibt es dort nicht. Und direkt am Straßenrand dürfe die Stadt aber nicht einfach eine Skulptur aufstellen, erklärte Bürgermeister Thiemig. Abstände von 20 Metern seien einzuhalten.

Eine Skulptur, die trotz dieser Entfernung zur Geltung komme, müsse ziemlich groß sein. Der Ortsbeirat sah das ähnlich, will aber auf jeden Fall Möglichkeiten und eventuell Kosten ausloten. Entsprechend erging vom Ortsbeirat die Bitte an die Stadtverwaltung, dass die dortigen Fachleute mögliche Standorte für eine Willkommens-Skulptur prüfen mögen.

von Susan Abbe

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