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Orchester überzeugen mit Ausdruck

Benefizkonzert Orchester überzeugen mit Ausdruck

Das Programm des Sonntagabends versprach eine große Vielfalt mit hohem Anspruch. Nutznießer des Benefizkonzertes der mehr als 60 Musizierenden waren die Zuhörer und der Hospizdienst Immanuel.

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Ein außergewöhnliches Konzert boten das Kammerorchester Lahn und das Orchester der Lahntalschule in der Biedenkopfer Stadt­kirche.Foto: Wolfgang Hoffmann

Biedenkopf. Das Orchester der Lahntalschule leitete den Abend mit „Habanera“ und dem ­Toreromarsch aus der Oper „Carmen“ von George Bizet ein. Ausdrucksstark und voller Freude stimmten die jungen Musiker auf ein Konzert ein, das im weiteren Verlauf zunehmend begeistern sollte.

Die folgende Orchestersuite in h-Moll von Johann Sebastian Bach war einer der zu erwartenden Höhepunkte des Abends. Die beiden Leiter der Orchester teilten sich die Aufgaben. Bianca Nassauer dirigierte das Orchester, während Hans-Jürgen Höfer den bei Bachs Werken wichtigen Continuopart übernahm.

Der erste Teil der Orchestersuite in h-Moll ist der etwas schwermütigere und von ernsteren Motivbögen geprägte Teil. Das Kammerorchester Lahn arbeitete mit Feingefühl die bachtypischen Phrasen heraus und stellte den beiden jungen, aber bereits musikalisch gereiften Soloflötistinnen Kira Nassauer und Emma Müller einen Klangkörper zur Verfügung, der die Flötenstimmen und die beiden Spielerinnen so einfühlsam trug, dass man bei geschlossenen Augen nur darauf wartete, in einer Arie der Johannespassion anzukommen. Wem es so gelingt, die Stilistik und Ausdruckskraft von Bachs Schaffen zu interpretieren, der hat verstanden, worin der musikalische Inhalt seiner Werke liegt.

Nach den ersten vier Sätzen der Orchestersuite folgte die Lambacher Sinfonie in G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Hierbei ergänzten Annette Himmelmann und Günther Wackernagel an der Oboe das Kammerorchester Lahn und trugen es auf die nächste Leistungsstufe. Die Schüler Robin Ehnert und Maximilian Kraft rundeten die symphonische Klanglandschaft mit ihren Hörnern gefühlvoll ab.

Der zweite Teil begann mit der Polonaise, in der Kira Nassauer entspannt, freud- und klangvoll und mit hoher Lebendigkeit ihre Flöte und das Kammerorchester in der Stadtkirche zum Klingen brachte. Ein besonderer Überraschungseffekt: Bei dieser Polonaise durfte man plötzlich auch die Klänge eines Cembalos hören. Es hätte dem gesamten Klang des Werkes gutgetan, hätte man das in der Stadtkirche zur Verfügung stehende, originale Cembalo verwendet. Dann wäre die hervorragende musikalische Leistung des Continuospielers nicht in den Hintergrund gerückt.

Den Abschluss der Orchestersuite prägte Emma Müller. Auf ihrer Flöte erlaubte sie es dem Zuhörer eines der bekanntesten Bachstücke, die Badinerie, authentisch und im Original zu hören.

Selten ist so ein Applaus zu hören

Den Schluss des ersten Konzertteils bildeten vier Tänze des ungarischen Barock. Unter dem Dirigat von Klaus Jürgen Höfer musizierte das Kammerorchester Lahn das Werk von Ferenk Farkas, und zeigte auf allerhöchstem Niveau, wie sauber, präzise, musikalisch und zugleich musikantisch sie musizieren.

Mit dem ersten Satz des Orgelkonzertes in F-Dur von Georg Friedrich Händel wurde der zweite Teil des Konzerts eröffnet. Das Orchester der Lahntalschule hatte sich auf der Empore der Stadtkirche vor der Orgel aufgebaut. Die Orgel spielte die Abiturientin Joy Mutschler.

Gut ausgebildet, brillierte sie in ihrem Solopart und ließ sich diesen dominanten Teil vom Orchester nicht nehmen. Mit präzise gleichmäßigem Anschlag verstand sie es, die einzelnen Facetten hervorzuheben, was bei gleichbleibender Lautstärke des Instrumentes eine besondere Kunst ist. Das Orchester der Lahntalschule nutzte die Möglichkeit und nahm die Allegro-Vorgaben der Orgelspielerin gerne auf.

Sollte zu diesem Zeitpunkt irgendjemand müde geworden sein, die Militärsinfonie von Joseph Haydn weckte ihn. Das Orchester der Lahntalschule hat dieses Werk vor wenigen Wochen schon bei seinen Frühlingskonzerten aufgeführt und steigerte sich an diesem Abend nochmals. Es zeigte vor allem in der Präzision des genauen Miteinanders, dass es noch weiterkommen will und kann. Mit dem Walzer „An der schönen, blauen Donau“ von Johann Strauss Sohn ging das Konzert zu Ende.

Es folgte ein Applaus, wie man ihn nur selten erlebt, sodass das Schulorchester um den Toreromarsch als Zugabe nicht herum kam.

von Wolfgang Hoffmann

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