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Aus Baden-Baden ins Hinterland

Kulturreferent Biedenkopf Aus Baden-Baden ins Hinterland

Er hat geschauspielert, Regie geführt, Kulturwissenschaften studiert und zuletzt am Theater in Stuttgart und Baden-Baden ­gearbeitet: Frank Wölfl heißt der künftige Kulturreferent Biedenkopfs.

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Bürgermeister Joachim Thiemig (links) und Kultur-Fachdienstleiter Wolfgang Müller (rechts) ­begrüßen den künftigen Kulturreferenten Frank Wölfl in Biedenkopf.

Quelle: Susan Abbe

Biedenkopf. „Der Neue ist da!“ – mit diesen Worten stellt Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) – sichtlich gut gelaunt – den künftigen Kulturreferenten während eines Pressegesprächs vor. Der Mann heißt Frank Wölfl, ist 47 Jahre alt und Schwabe. „Ich war bisher zwar immer der Meinung, dass ich Hochdeutsch spreche – aber hier in Hessen hört man mir schon an, wo ich herkomme“, sagt der Diplom-Kulturwissenschaftler.

Er freut sich auf den Wechsel von Baden-Württemberg nach Hessen, vom „mondänen“ Baden-Baden ins Hinterland. Nein – Angst vor einer Kleinstadt habe er nicht, sagt der 47-Jährige auf Nachfrage und schmunzelt. Er habe in größeren und großen Städten gelebt und freue sich nun darauf, in einer kleineren, ruhigeren Stadt zu arbeiten. „Das Konzept, die Menschen und die Ansprüche hier interessieren mich“, erklärt Wölfl.

Nicht zuletzt das Schlossfestival spiele eine Rolle. „Ich bin ein Theatermensch“, sagt der 47-Jährige. Das Theater sei vor Jahren sein Einstieg in den Kulturbereich gewesen. „Ich habe­ viel Theater gemacht, Theater gespielt, Theater geleitet“, erzählt Wölfl. Der Wunsch, sich auch der Kultur außerhalb des Theaters stärker zu widmen, führte ihn später zum Studium der Kulturwissenschaften an die Universität Hildesheim.

„Ich will noch mal was anderes machen“

2004 schloss er dort als Diplom-Kulturwissenschaftler ab. Zu diesem Zeitpunkt war Wölfl aber auch schon zwei Jahre lang am Stuttgarter Theater tätig. Als Assistent arbeitete er dort im künstlerischen Betriebsbüro. 2009 wechselte er nach Baden-Baden, wo er bis jetzt als Chef-Disponent tätig war. Beruflich war Wölfl damit zuletzt vor allem in der künstlerischen Organisation des Theaters tätig.

Jetzt sei es Zeit für einen Wechsel, sagt Wölfl, der ledig und kinderlos ist und plant, nach Biedenkopf umzuziehen. Baden-Baden sei „sehr mondän, sehr schön“. „Aber ich will noch mal was anderes machen, raus aus den alten Bahnen“, erklärt Wölfl und verweist darauf, dass Theaterleute sowieso ein eher rast- und ruheloses Volk seien. Er wolle sich beruflich weiterentwickeln. Und dafür sei die Kulturreferenz in Biedenkopf die richtige Aufgabe. Denn dort gehe es ja nicht nur um das Schlossfestival, nicht nur um Theater, sondern um das gesamte kulturelle Leben der Stadt. Die Aufgaben seien entsprechend vielfältig.

„Wir wollen hier ja nicht alles auf Null stellen“

Dass der künftige Kulturreferent mit seinem Profil diese Aufgaben ausfüllen kann, davon zeigt sich Biedenkopfs Bürgermeister Thiemig überzeugt. Frank Wölfl sei „im kulturellen Bereich vielfältig aufgestellt“, habe mit seinem Auftreten und seiner Vielseitigkeit die Auswahlkommission und den Magistrat überzeugt. Durchgesetzt hat er sich im mehrstufigen Auswahlverfahren gegen zahlreiche Interessenten. Eine zweistellige Zahl an Bewerbungen sei laut Thiemig bei der Stadt eingegangen.

„Herr Wölfl hat Regie geführt, geschauspielert, kennt sich mit Organisation und auch den ­finanziellen Fragen aus“, sagt Thiemig. Von Anfang an habe sich der Baden-Badener sehr gut über die kulturellen Aktivitäten in Biedenkopf informiert gezeigt.
Ein fertiges Konzept für die Biedenkopfer Kulturarbeit hat Wölfl indes noch nicht in der Tasche. Das sei auch gar nicht das Ziel gewesen, betont der Bürgermeister: „Wir wollen hier ja nicht alles auf Null stellen.“

Vorgängerin arbeitet Neuen ab 1. August ein

Vieles laufe in Biedenkopf ­bereits sehr gut, erklärt Wölfl. Erfolgreiche Projekte sollten selbstverständlich weiterlaufen, gute Netzwerke und Strukturen erhalten bleiben. Sein Konzept wird der neue Kulturreferent deshalb in den kommenden Wochen und Monaten erarbeiten: wenn er die Biedenkopfer Kulturszene näher kennengelernt und Kontakte geknüpft hat. Auf jeden Fall werde Wölfl den Spielraum bekommen, auch ­eigene Ideen einzubringen, betont Thiemig.

Froh ist der Bürgermeister auch darüber, dass Wölfl seinen Dienst in Biedenkopf bereits zum 1. August antritt. Die derzeitige Kulturreferentin Birgit Simmler ist dann noch nicht weg. Da ihr Vertrag bis Ende September läuft, kann Simmler ihren Nachfolger also noch einarbeiten. Tatsächlich steckt Birgit Simmler im August mitten in der Arbeit rund um die Biedenkopfer Schlossfestspiele, die sie bekanntlich nicht nur organisiert, sondern als Autorin und Regisseurin des Musicals „Die Hatzfeldt“ maßgeblich künstlerisch mitgestaltet.

Wölfl „kein absoluter Musical-Spezialist“

Ihrem Nachfolger Wölfl ist es wichtig, den diesjährigen Festspielbetrieb gleich direkt mitzuerleben. „Ich will sehen, wie die Produktion läuft, wie das Team zusammenarbeitet, wie die Stimmung ist“, erklärt der 47-Jährige und hat dabei schon die kommenden Festspieljahre­ im Blick. Denn für 2018 ist ­geplant, „Die Hatzfeldt“ wieder aufzunehmen; 2019 soll es ein neues Stück geben.

Eins zu eins wird der neue Kulturreferent die bisherigen Festspiel-Aufgaben von Simmler sicher nicht übernehmen. Wölfl bringt viel Theater-Erfahrung mit, ist aber „kein absoluter Musical-Spezialist“, erklärt Thiemig dazu. Deshalb gehe es auch darum, zu schauen, wer vom bisherigen Schlossfestival-Team an Bord bleibt, wie sich die Zusammenarbeit künftig gestaltet und wer welche Aufgaben übernehmen kann. Komponist Paul Graham Brown und auch Sylvia Salzbauer beispielsweise werden den Festspielen auch nach Simmlers Weggang erhalten bleiben, kündigt Thiemig an.

Wichtig – trotz aller Bedeutung des Musicals – ist und bleibt aber eben auch die Biedenkopfer Kulturarbeit abseits der Festspiele. Das betonen Bürgermeister Thiemig und der neue Kulturreferent Wölfl gleichermaßen.

von Susan Abbe

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