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Glanzleistung im strömenden Regen

Musical-Premiere "Die Hatzfeldt" Glanzleistung im strömenden Regen

Bei Dauerregen lieferten die Darsteller im Musical „Die Hatzfeldt“ auf der Schlossbühne in Biedenkopf am Freitagabend eine Glanzleistung ab. Der Lohn waren stehende Ovationen.

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Ensemble und Publikum ziehen  im Biedenkopfer Schlosshof die Weltpremiere des Musicals  „Die Hatzfeld“ trotz widriger Bedingungen durch.

Quelle: Nadine Weigel

Biedenkopf. Die Rolle der Sophie von Hatzfeldt ist Hauptdarstellerin Vasiliki Roussi wie auf den Leib geschneidert. Sie verkörpert die Vorkämpferin für die Frauenrechte und gegen die Unterdrückung mit einer solchen Intensität, dass die Zuschauer das Dilemma, in dem sich die Hatzfeldt in der damaligen Zeit befand, nachempfinden können. Das Stück aus der Feder von Birgit Simmler orientiert sich stark an der Historie der Hauptfigur und lässt die Zuschauer tief in die Gefühlswelt der Aktivistin der Arbeiterbewegung blicken, die sich nicht standesgemäß verhält und aus ihrer Zwangsehe ausbricht.

An ihrer Seite überzeugt Gunnar Frietsch als Hatzfeldts Verbündeter und Weggefährte Ferdinand Lassalle. In seiner Rolle als Vordenker einer neuen Epoche mit Hang zur Promiskuität geht der 31-Jährige voll auf. Er ist ein Glücksgriff für die Produktion, spielte bereits in Mozarts „Zauberflöte“ als Papageno und gab 2015 sein Debüt am Staatstheater Darmstadt als Fiorello im „Barbier von Sevilla“.

Schlossfestspiele Biedenkopf "Die Hatzfeldt". Foto: Nadine Weigel

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Simmler hat die Geschichte der beiden umstrittenen Symbolfiguren des Deutschen Vormärz (1848) detailverliebt inszeniert. Auf der kleinen Schlossbühne wirken die Massenszenen
nicht erdrückend, sondern spiegeln die Perfektion wider, mit der Simmler das historische Material effektvoll in Szene setzt.

Die Musik von Paul Graham Brown bezeichnete Hauptdarstellerin Roussi bereits während der Proben als Geschenk. Die gebürtige Athenerin, die ihre Karriere im Musical „Cats“ begann, spielt nicht nur eine starke Persönlichkeit, sondern sie hat auch eine Stimme mit Persönlichkeit. Mit Opern-Bariton Frietsch an ihre Seite und dem Live-Orchester-Sound im Rücken überzeugt die 47-Jährige.  Ob im Duett oder Solo – beide lassen die klassischen Musical-Songs durch ihre stimmlichen Qualitäten eingängig und inspirierend klingen. Der musikalische Bogen wird von der Leichtigkeit zweier Verliebter bis hin zu Verzweiflung und tiefer Trauer gespannt.

Seit ihrer ersten Inszenierung von „Eingefädelt“ 2013 gelang es Simmler und Brown einmal mehr, mit Profis und lokalen Talenten Geschichten, die das Leben schreibt, auf die Bühne zu bringen – diesmal schufen sie ein Musical, das sich durchaus für eine große Bühne eignet. Manche der Darsteller sind bekannte Gesichter auf der Schlossfestbühne, andere sind zum ersten Mal dabei. Diese Kombination ist das Markenzeichen der Schlossfestspiele. Sowohl die schauspielerische Leistung als auch die gesangliche Qualität des Ensembles sind ein Garant für den Erfolg des Stücks.

Unter erschwerten Bedingungen – bei Dauerregen – hat das komplette Team von Anfang bis Ende in seiner Intensität und der Authentizität der gespielten Figuren nicht nachgelassen und dem ebenfalls durchnässten Publikum vor ausverkauftem Haus eine Premiere geboten, die Lust auf mehr macht. Für Simmler ist es die letzte Inszenierung in Biedenkopf. Sie wechselt zu den Luisenfestspielen nach Wunsiedel. Zu guter Letzt macht sie den Kulturbegeisterten in der Kulisse des Biedenkopfer Landgrafenschlosses mit der Inszenierung der „Hatzfeldt“ ein Geschenk. 

von Silke Pfeifer-Sternke 

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