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Missbrauch? 64-Jähriger beteuert Unschuld

Aus dem Amtsgericht Marburg Missbrauch? 64-Jähriger beteuert Unschuld

Obwohl an der Unterhose des Kindes seine Spermaspuren nachgewiesen wurden, bestreitet ein 64-jähriger Biedenkopfer vor dem Amtsgericht Marburg, einen Nachbarsjungen sexuell missbraucht zu haben.

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Ein Biedenkopfer soll einen Nachbarsjungen sexuell missbraucht haben.

Quelle: lillysmum / pixelio.de

Marburg. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, sich 2014 in seiner Wohnung an dem damals Zehn- bis Elfjährigen mindestens zweimal vergangen zu haben. Einmal sei es auch zum Eindringen in den Körper des Jungen gekommen. „Ich habe nichts getan, das ist alles Verleumdung“, betonte dagegen der Angeklagte.

Nach der Trennung der Eltern des Jungen, sei der Vater nach Schulschluss häufig in der Kneipe oder der Spielhalle gewesen, berichtete er. Die Kinder hätten Hunger gehabt und der Junge habe ab und an seine Toilette benutzt. Ansonsten habe er aber nicht gewollt, dass er seine Wohnung betritt, so der 64-Jährige.

Am Tag seiner Festnahme, so berichtete der Mann weiter, habe er den Jungen und seine ein Jahr jüngere Schwester auf dem angrenzenden Spielplatz beim Rauchen erwischt. Zudem habe der Elfjährige ihm zwei DVDs gezeigt, und behauptet, darauf seien Pornos. Als er angekündigte, den Vater zu informieren, habe der Junge gedroht, zu behaupten, dass er missbraucht wurde.

Wie mehrere Polizisten als Zeugen aussagten, hat das mutmaßliche Opfer angegeben, an diesem Tag mit dem Mann und seiner Schwester entsprechende Videos angeschaut zu haben. Als das Mädchen die Wohnung kurz verließ, aber einen Kuss gesehen haben will, habe der Junge den Mann anfassen müssen. Zu schlimmeren Vorfällen sei es bereits in der Vergangenheit ­gekommen. Die Geschehnisse habe das Kind eher emotionslos geschildert, so einer der ­Ermittler.

Ärztin: Sexualstraftat möglich, aber nicht sicher

Wie der Elfjährige es beschrieben habe, so die Polizisten, ließe darauf schließen, dass er tatsächlich Pornofilme gesehen hat. Bei dem Angeklagten wurden aber keine Filme gefunden.

Eine Sachverständige des Landeskriminalamts gab an, in der Unterhose des Jungen – die erst eine Woche später sichergestellt wurde, – seien geringe Spermaspuren des Angeklagten gefunden worden. Dieser mutmaßte, dass die nur bei der Toilettenbenutzung des Jungen dahin gekommen sein können.

Ein Familienhelfer des Jugendamtes berichtete, der Vater habe ihm gesagt, die Kinder könnten die Mutter mit ihrem neuen Sexualpartner beobachtet haben. Der Vater sei mit den Kindern aufgrund einer schweren Krankheit überfordert, sie seien oft auf sich alleine gestellt und die Wohnung in einem desolaten Zustand.

Zuletzt sagte eine Ärztin aus. Ihrer Auskunft nach gab es leichte Hinweise auf eine Sexualstraftat, jedoch nichts Eindeutiges. Sie stellte bei dem Jungen mehrere leichte Verletzungen wie Hämatome fest.

Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt. Dann sollen die Eltern des Jungen aussagen. Die Kinder werden aller Voraussicht nach nicht vernommen. Um ihnen das zu ersparen, soll das Video ihrer richterlichen Vernehmung in die Verhandlung eingeführt werden.

von Heiko Krause

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Aus dem Amtsgricht Marburg
Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe bis zuletzt. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, muss er dennoch ins Gefängnis. Foto: Peter Reinäcker / pixelio.de

Drei Jahre Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes lautet das Urteil gegen einen 64-jährigen Biedenkopfer.

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