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Dem Schlepplift droht das Aus

Sackpfeife Dem Schlepplift droht das Aus

Der Skilift auf der Sackpfeife ist praktisch irreparabel kaputt. Das hat der Bürgermeister im Bauausschuss erklärt. Der empfiehlt, die Anlage nicht mehr zu reparieren.

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Die Antriebseinheit des Schlepplifts ist defekt. Inzwischen ist Gras über die Spur gewachsen.

Quelle: Erich Frankenberg

Biedenkopf. Dass das Thema überhaupt öffentlich diskutiert wurde, dafür hat die parlamentarische Zählgemeinschaft (ZG) aus CDU, BB und FDP gesorgt. Sie hat im Bauausschuss einen Antrag gestellt, aus dem hervorgeht, dass das Getriebe des Schlepplifts kaputt sei und für 26.000 Euro generalüberholt werden könnte. Die ZG bezieht sich dabei auf das Angebot einer Firma, über das städtische Gremien – nichtöffentlich – bereits im Mai diskutiert haben.

Die Stadt solle die 26.000 Euro investieren und so den Winterbetrieb des Schlepplifts ermöglichen, erklärte Markus Doruch (CDU) den Antrag der ZG. Ziel sei, den Lift am Laufen zu halten, bis die Stadt ihr geplantes neues Konzept für die Sackpfeife entwickelt hat.

Markus Doruch wirbt 
 für Reparatur der Anlage

Die ZG betonte dabei, dass es in Zukunft – mit dem neuen Konzept – durchaus sinnvoll sein könne, nur noch eine Liftanlage zu betreiben. Ob das aber ein Sessel- oder ein Schlepplift ist, ist für die ZG noch nicht ausgemacht. Denn die Stadt plane ja auch den Neubau einer Sommerrodelbahn – und die werde womöglich gar keinen Sessellift für den Schlittentransport brauchen. Der Schlepplift hingegen sei für Skifahrer im Winter wichtig. Außerdem sei denkbar, in Zukunft einen Schlepplift auch im Sommer zu nutzen, etwa für Mountainbiker. All das will die ZG abgewogen sehen. Wenn der Schlepplift jedoch erst einmal stillgelegt ist, würde er womöglich bei der Neukonzeption gar nicht berücksichtigt, lautet die Sorge der ZG.

CDU-Politiker Doruch warb deshalb intensiv dafür, den Schlepplift – auch wenn er mehr als 40 Jahre alt ist – noch einmal zu reparieren. Damit sprach Doruch zu Beginn der Sitzung auch für die anderen anwesenden Ausschussmitglieder der ZG.

Die Ansichten von Eckhard Müller und Detlef Lang (beide BB) änderten sich während der Sitzung indes deutlich. Der Grund: die Erklärungen, die Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) und Bauamtsmitarbeiter Thorsten Schmack abgaben. Denn die waren deutlich und lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Die Schlepplift-Anlage ist praktisch schrottreif. Ein von der Stadt eingeholtes Fachgutachten fällt demnach vernichtend aus. Das Getriebe des Lifts ist demnach seit Monaten kaputt. Laut Angebot einer Fachfirma würde die notdürftige Reparatur 8000 Euro kosten; die Generalüberholung 26.000 Euro und ein neues Getriebe 67.000 Euro. Für einen Neubau des Schlepplifts würden 880.000 Euro fällig.

Schmack bezweifelt Abnahme durch Tüv

Das Problem bei der von der ZG gewünschten Generalüberholung ist laut Bauamtsmitarbeiter Schmack indes, dass die veranschlagten 26.000 Euro mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht reichen würden. Die Firma selbst habe auf mögliche Mehrkosten hingewiesen. Schmack hält Endkosten von 70.000 Euro für möglich. Und dabei gebe die Firma aufgrund des Alters der Anlage nicht einmal eine Gewährleistung, ergänzte Bürgermeister Thiemig.

Aber selbst wenn das Getriebe nach der Reparatur durchhält, läuft die Stadt nach den Worten des Bauamtsmitarbeiters Gefahr, dass eines der vielen anderen in die Jahre gekommene Bauteile den Geist aufgibt. Und ob der Lift überhaupt durch den Tüv kommt, daran hat Schmack ebenfalls Zweifel. „Alle Fachleute sagen uns: Investiert keine einzige Schraube mehr in diesen Lift“, sagte er. Denn: Die Chance, dass die Anlage so hergerichtet werden kann, dass sie den Winter übersteht, „ist gleich null“, sagte Schmack.

Zentrale Botschaft für Bürgermeister Thiemig ist, dass die ­Reparaturkosten die genannten 26.000 Euro deutlich übersteigen würden. Angesichts des Gesamtzustands der Anlage sei das nicht vertretbar. „Jeder Cent, den wir noch in den Schlepplift stecken, wäre verbranntes Geld“, sagte Thiemig und verwies auch auf „die geringe Auslastung“ des Schlepplifts. So sei der Lift in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt an nur 15,4 Tagen pro Winter gelaufen, wobei sich die Hauptnutzung nur auf die zwei bis drei guten Wochenenden pro Jahr konzentriere.

Thiemig appelliert: Kein Geld verbrennen

Der Magistrat der Stadt sehe das laut Thiemig genauso. Er hat sich demnach im Mai mit dem Thema befasst und entschieden, vorerst kein Geld in den Schlepplift zu stecken. Zugleich sei das Thema in die Fraktionen gegeben worden, damit die sich über die Zukunft der Anlage ­Gedanken machen. „Denn es geht um viel Geld“, sagte der Bürgermeister.

Im Bauausschuss appellierte­ Thiemig nun an die ZG, ihren Antrag zu überdenken und keine Steuergelder zu verbrennen, bevor das neue Konzept für die Sackpfeife fertig ist. Die Stadt sei bereits dabei, ein Ingenieurbüro mit der Neukonzeptionierung zu beauftragen.

Tatsächlich hielt am Ende einzig CDU-Politiker Doruch an der Überzeugung, dass sich der Lift für 26.000 Euro reparieren lasse, und am Antrag der ZG fest. Detlef Lang und Eckhard Müller (beide BB) erklärten hingegen, sie könnten dem Antrag nicht mehr zustimmen. Lang stimmte zusammen mit den vier Ausschussmitgliedern von SPD und UBL dagegen; Müller enthielt sich.

Der Bauausschuss empfiehlt dem Parlament damit klar, den Schlepplift nicht zu reparieren. Spannend wird nun, auf welche Position sich die ZG weiter verständigt. An diesem Donnerstag fällt die Entscheidung im Parlament.

von Susan Abbe

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