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„Kunz(t) Schiller(t)“ im Schlosshof

Schlossfestpiele „Kunz(t) Schiller(t)“ im Schlosshof

Biedenkopf ist ein schwieriges Pflaster für Jazz. Daran besteht für die Kulturreferentin nach dem jüngsten Konzert im Programm der Schlossfestspiele kein Zweifel mehr. Doch die Künstler hätten mehr Zuspruch verdient gehabt.

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Dirk Kunz (links) bot ruhende Basslinien, Christian Schiller würzte die pulsierende Rhythmik mit seinen melodischen Gitarrenläufen.

Quelle: Sascha Valentin

Biedenkopf. Entspannter kann ein Arbeitstag kaum ausklingen: Die tief in sich ruhenden Basslinien von Dirk Kunz als beruhigendes Bett mit den melodischen Gitarrenläufen Schillers darüber, versetzten die Zuhörer im Schlosshof in eine gelöste, gänzlich unaufgeregte Atmosphäre. Diese lud förmlich dazu ein, den Stress des Tages hinter sich zu lassen. Doch gerade einmal 15 Besucher waren der Einladung gefolgt.

Dass Jazz nicht zieht, diesen Rat habe sie ihrem Nachfolger schon mit auf den Weg gegeben, sagt die scheidende Kulturreferentin Birgit Simmler. Keinem der Jazzkonzerte, die sie in den vergangenen Jahren organisiert hat, war ein größeres ­Publikum vergönnt. Vollkommen­ zu ­Unrecht, wie auch Dirk Kunz und Christian Schiller mit ihrem Programm „Kunz(t) Schiller(t)“ eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Auf fast hypnotische Weise gelang es dem Bassisten und Christian Schiller an der Gitarre, durch den wunderbar aufeinander abgestimmten Dialog ihrer Instrumente ihr Publikum einerseits in träumerische Stimmung zu versetzen, andererseits aber auch eine gewisse Spannung zu erzeugen. Denn so gelassen und beruhigend die Musik auch klang, wirkte sie dabei niemals einschläfernd.

„Deadline“ bildet innere Unruhe ab

Das beste Beispiel lieferte gleich das Auftaktstück mit seinem gleichbleibenden Thema,­ aber wechselnden Tonfolgen, dem Kunz und Schiller den ­bezeichnenden Titel „Identität“ gegeben haben. Sie bleibt immer gleich, wird aber durch verschiedenen Facetten geformt. Auch das macht die Musik des Duos „Kunz(t) Schiller(t)“ zu ­einem Erlebnis: Hinter jedem der Stücke, die alle aus ihrer ­eigenen Feder stammen, verbirgt sich eine Geschichte, die sich klanglich in den Stücken widerspiegelt.

So sei etwa „Deadline“ innerhalb einer Nacht entstanden, nachdem die Rechteverwertungsgesellschaft Gema Schiller zuvor zwei Stücke gestrichen habe, mit denen er eigentlich bei einem Jazzfestival in Kassel auftreten wollte, erklärte der Musiker. Entsprechend treibend und pulsierend kommt „Deadline“ daher – als musikalische Umsetzung der Unruhe, die durch diesen Zwischenfall hervorgerufen wurde.

Dass Jazz bisweilen auch eine feurige Seite hat, unterstrichen Kunz und Schiller mit einer Komposition, aus der deutliche lateinamerikanische Einflüsse herauszuhören waren. Zu dem Titel sei er inspiriert worden, als er an einem heißen Sommertag mit seiner Gitarre auf der Bude hockte und im Fernseher Stanley Kubricks „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ sah, erzählte Schiller. Und schon war der Hintergrund für das groovige „Dr. Strangeloves Samba School“ geboren.

von Sascha Valentin

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