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Kunst als Beruf oder Berufung?

Kreativ-Workshop mit Dirk Steinhöfel Kunst als Beruf oder Berufung?

„Ich bin beeindruckt, was hier entstanden ist“, sagt der Grafiker und Autor Dirk Steinhöfel. In der Ausstellung im Breidhof ist zu sehen, was 14 junge Leute in einem Workshop künstlerisch erarbeitet ­haben.

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in Biedenkopf

Julias fertiges Buch ist gerade vom Verlag gekommen. Gemeinsam mit Halimé bewundert sie ihr druckfrisches Werk.

Quelle: Martina Koelschtzky

Biedenkopf. Dirk Steinhöfel ist überzeugt, dass „Bildung mit Bildern anfängt“. So hieß dann auch der Workshop, den er in Zusammenarbeit im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft und mit Unterstützung der Arbeitsagentur für junge Menschen in der Berufsvorbereitung angeboten hat. An sieben Werktagen im Dezember haben die 14 Teilnehmer zwischen 17 und 24 Jahren konzentriert mit dem einheimischen Grafiker und Autor gearbeitet, 40 Bilder sind in der Ausstellung zu sehen. Die Vernissage fand am Donnerstag statt.

Die Projektwoche im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft hat Sozialpädagogin Kerstin Vollrath zusammen mit dem Verein „BID-Kultur“ erarbeitet, in Dirk Steinhöfel fand sie den idealen Referenten für das Thema. „Der Dirk war einfach super. Er hat uns nicht nur gezeigt, wie man etwas zeichnen oder darstellen kann, auch über Grafik oder Illustration als Beruf hat er uns viel erzählt“, sagen Halimé und Cynthia (beide 19), die gemeinsam ein Projekt bearbeitet haben.
Er habe auch alle ermutigt, die geglaubt haben, nicht zeichnen zu können, ergänzt Halimé. „Er hat gesagt, alle können das, und da war er total hartnäckig. Das war super von ihm.“ Die beiden sind sehr zufrieden mit dem, was sie am Ende ausstellen können.

Steinhöfel: Bilderbücher sind nicht nur etwas für Kinder

Es ging um eine Mischung aus Kreativität und Berufsorientierung, wie Dirk Steinhöfel erzählt. „Und ich bin beeindruckt von dem Potenzial und den Leistungen, die die jungen Leute gezeigt haben.“ Zunächst hat er die Teilnehmer gefragt, worüber sie gerne etwas erzählen möchten und mit ihnen besprochen, wie sich das in Bildern ausdrücken lässt. Es wurden Ideen entwickelt und aufgeschrieben, überarbeitet und lektoriert, und dann ging es los.

„Auch am Ergebnis kann man sehen, dass Bilderbücher keineswegs nur etwas für Kinder sind“, freut sich der Bilderbuch-Autor. Auch elektronische Publikation sei natürlich ein Thema im Workshop gewesen und über Chancen auf dem Arbeitsmarkt, die Verhandlung mit Verlagen oder die Präsentation der eigenen Arbeiten wurde gesprochen. „Und über Zufriedenheit im Beruf. Die wenigsten Menschen wollen einfach nur Geld verdienen, egal womit“, glaubt der Grafiker.

Das Material für die Kunstwerke stellte das Bildungswerk. Ein Buch, das die 17-jährige ­Julia entworfen, geschrieben, gezeichnet und lektoriert hat, hat sie selbst bezahlt. „Das war im Budget einfach nicht drin“, sagt Steinhöfel. Julia habe eine „Hammer-Leistung“ hingelegt, sagt Steinhöfel begeistert. Sie habe nicht nur die Idee, das Konzept und die Ausführung super gemacht, sie habe auch unglaublich zielstrebig gearbeitet.

Julia verarbeitet ganz persönliche Erfahrungen

„Wenn die anderen zu laut waren, hat sie klargemacht, dass sie ihr Projekt ernsthaft durchziehen will und dafür auch ein bisschen Ruhe braucht.“

Ein ganzes Buch in sieben Tagen? „Ich habe natürlich auch zu Hause daran weitergearbeitet“, sagt Julia. „Ich habe da die Texte und Gedichte geschrieben, gemalt habe ich dann im Workshop.“

Ihr Buch erzählt die Geschichte ihrer Familie, die vom frühen Tod der Mutter zerrissen wird. Die Dichte und Ausdruckskraft der Bild-Text-Kombinationen ließen sich auch einzeln als Plakate lesen, zusammen wird ­eine komplexe und hoch emotionale Geschichte daraus. Angst, eine so persönliche Sache der Öffentlichkeit zu präsentieren, hat Julia nicht. „Ich wollte das machen, und ich habe das gemacht“, sagt sie zufrieden.

Das Team aus Dana und Alex hat ebenfalls eine ganze Bildergeschichte gemacht, es geht um einen Albtraum, der in der Figur des „Mädchens mit den schwarzen Haaren“ durch die Bilder geistert. „Auch die Zusammenarbeit und die sozialen Kompetenzen der jungen Leute sind absolut beeindruckend“, findet Steinhöfel. „Niemand hat sich abgeschottet und gesagt, ich mach‘ mein eigenes Ding ganz alleine. Es war immer sehr kollegial.“

  • Seit Donnerstag werden die Arbeiten der Öffentlichkeit präsentiert. Die Werke der Jugendlichen sind bis Freitag, 24. Februar, montags bis freitags von 10 bis 15.30 Uhr, donnerstags bis 17 Uhr im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft zu sehen. Der Eintritt ist frei.

von Martina Koelschtzky

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