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Kassenhäuschen schmückt Garagendach

Schlossverein Kassenhäuschen schmückt Garagendach

Lange Jahre hat es auf dem Schlosshof seinen Dienst getan. Nun will der Schlossverein das von dort entfernte alte Kassenhäuschen andernorts wieder aufbauen. Einstweilen hat es einen eigentümlichen Standort.

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Das Gerüst des Häuschens steht vorübergehend auf einem Garagendach in der Nikolauskirchstraße.

Quelle: Susan Abbe

Biedenkopf. Provisorisch steht das kleine Gebäude auf einem Garagendach. Langfristig will der Schlossverein einen Standort in Ludwigshütte finden.

Im Sommer hatte der Landkreis das ehemalige Kassen- und Toilettenhäuschen im Schlosshof abgebaut. Der Schlossverein bedauerte das und schlug vor, den Fachwerk-Bau an anderer­ Stelle wiederzuerrichten. Einen­ neuen Standort gab es zwar noch nicht, aber der Landkreis ließ das Gebälk einlagern, um die Möglichkeit eines späteren Wiederaufbaus offenzuhalten.

Da der Kreis selbst letztlich keine Verwendung für das Häuschen fand, hat nun der Schlossverein das Gebälk übernommen. Denn der Verein misst dem Fachwerkhäuschen historischen Wert zu und möchte es erhalten, wie der Vorsitzende­ Jürgen Meyer und Schriftführer Hans-Günther Möntnich erläutern. Ein Teil des Gebäudes sei immerhin schon 1913 errichtet worden und damals Aufenthaltsort des Hinterlandmuseum-Gründers Karl Pfeil Jr. gewesen.

Pfeil habe als Schornsteinfeger Zugang zu den Dachböden der Bauernhäuser in der Region gehabt und dort viele Exponate für die Ausstellung zusammengetragen. Für das so entstandene Hinterlandmuseum wurde 1913 schließlich das Kassenhäuschen im Schlosshof errichtet. Anfang der 1970er kam der Toilettentrakt als Anbau dazu. Als der Landkreis später das Schloss übernahm, ging auch das Kassen- und Toilettenhaus in seinen Besitz über.

Häuschen hatte nie eine Rückwand

Da der Landkreis keine Verwendung mehr für das Häuschen hat, setzt sich der Schlossverein für den Erhalt ein. Konkret geht es dem Verein um den älteren Gebäudeteil, der als Kassenhäuschen genutzt wurde. „Wir wollen, dass das Gebäude nicht verloren geht und haben uns deshalb um die Balkenreste bemüht“, erklärt Vereinschef Meyer.

So ganz einfach gestaltet sich der Wiederaufbau allerdings nicht. Da das Häuschen direkt an die Schlossmauer angebaut war, gab es nie eine Rückwand. Und da der Verein nur diesen Gebäudeteil wieder aufbaut, fehlte zunächst auch die rechte Seitenwand. Deshalb wollte der Vereinsvorstand zunächst einmal schauen, ob sich das Fachwerk-Häuschen überhaupt wieder aufbauen lässt, und suchte zunächst einen provisorischen Standort.

Auf dem Garagendach von Schriftführer Möntnich in der Nikolauskirchstraße haben die Vorstandsmitglieder – unterstützt von einem Zimmermann – das Gebälk wieder zusammengefügt. Die Vorderfront haben sie dabei etwas verkürzt. Auf diese Weise blieben Balken übrig, aus denen die Vereinsmitglieder die fehlende Seitenwand bauten. Die Rückwand und einen Dachstuhl hat das Team ganz neu gezimmert. Wenn der Wiederaufbau fertig ist, kann das Häuschen – gut verpackt – auf dem Garagendach überwintern. Im Frühjahr möchte der Verein das Gebäude dann an einen sinnvollen, dauerhaften Standort umsetzen.

Vorstand favorisiert Ludwigshütte als festen Standort

Eine Idee, wo das sein könnte, hat der Vorstand auch schon: Im Bereich der ehemaligen Gießerei, am Lahntalradweg in Ludwigshütte, soll das Häuschen stehen. Ohne Tür und Fenster könnte das Gebäude dort aufgestellt werden. Im Inneren möchte der Schlossverein für Wanderer und Radfahrer Infotafeln zur Geschichte der ­Eisenindustrie im Hinterland anbringen. Der Standort biete sich deshalb an, weil Ludwigshütte der Kern der Eisenindustrie im Hinterland gewesen sei, erklärt Vereinschef Meyer.

Zwei konkrete Standplätze für das wenige Quadratmeter große Häuschen hat der Vereinsvorstand in den Blick genommen. Denkbar wäre laut Meyer und Möntnich das Bahngelände bei Buderus, gegenüber des Hütter Treffs, wo bereits Parkbänke stehen. Ein zweiter denkbarer Standort wäre unter der Überführung, die zur Umgehungsstraße führt.

Im ersten Fall müsste die Deutsche Bahn dem Aufbau des Info-Häuschens zustimmen; im zweiten Fall müsste der Schlossverein mit Hessen Mobil einig werden.
Zu beiden Institutionen hat der Vorstand bereits Kontakt aufgenommen – Ergebnisse gibt es aber noch nicht. Wenn beides tatsächlich nicht klappen sollte, hat der Schlossverein aber auch noch eine andere Idee, sagen Meyer und Möntnich.

von Susan Abbe

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