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Karton wird für Frischlinge zur Milchbar

Tieraufzucht Karton wird für Frischlinge zur Milchbar

Wer dieser Tage bei Dennis Clös und Lena Ovenhausen in Biedenkopf vorbeischaut, wird staunen: Drei kleine gestreifte Frischlinge kommen angeflitzt und wuseln dem Besucher um die Füße.

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Die Milchbar für die kleinen Wildschweine ist aus einem alten Karton gebastelt.

Quelle: Ingrid Knapp

Biedenkopf. Das Gelände wirkt fast wie ein großes Wildgehege. Es ist ein großes, leicht verwildertes und ziemlich abgelegenes Grundstück. Die jungen Wildschweine sind noch so klein, dass sie Ausflüge bisher nur unter Aufsicht unternehmen dürfen, denn der Zaun ist noch nicht dicht genug, um die Frischlinge am Weglaufen zu hindern.

Doch zum Anfang der Geschichte: Weil Dennis Clös und seine Lebensgefährtin Lena Ovenhausen im vorigen Jahr auch schon ein Wildschwein mit der Flasche aufgezogen haben, das dann später in ein Wildgehege­ umgezogen ist, wurde das Paar gefragt, ob es wieder als „Eltern“ einspringen könnte.

Die leibliche Mutter der ursprünglich acht Frischlinge ist wahrscheinlich überfahren worden. Drei Frischlinge waren schon tot. Aber die anderen waren putzmunter und wurden von Dennis Clös aufgenommen. Zwei konnte er sofort an eine andere geeignete Familie weitergeben, für die anderen wurden in aller Eile die nötigen Vorkehrungen zur Unterbringung getroffen.

Es wurde ein großer Vorrat an Fläschchen mit großen Saugern gekauft und Trockenmilch für Ferkel, weil diese von kleinen Wildschweinen am besten vertragen wird. Und dann fing die Arbeit richtig an: Anfangs alle zwei Stunden Tag und Nacht, später alle drei oder vier Stunden müssen die Kleinen gefüttert werden, dazwischen brauchen sie Ruhe und Wärme und mittlerweile auch Auslauf.

Clös: Tierpflegeaktion nur mit Fachwissen möglich

Lena Ovenhausen hatte auch eine Idee, wie man ­alle drei Frischlinge gleichzeitig mit der Flasche füttern kann, als wäre es das Gesäuge ihrer Mutter: die Funktion der „Milchbar“ übernimmt ein Karton mit drei Öffnungen für die Flaschen­sauger, so dass kein hungriges Schnäuzchen warten muss. Wenn alle satt sind, geht es in den gemütlichen und warmen Kessel im Keller aufs Strohlager.

Dennis Clös Laien warnt davor, sich leichtfertig zu solch einer Tierpflegeaktion zu entschließen: Es sei eine große und sehr zeitintensive Aufgabe, zu der Durchhaltevermögen und auch einiges an Fachwissen gehöre. Er selbst sowie seine ­Lebensgefährtin sind Jäger und verfügen damit über eine­ Ausbildung in Wildtierkunde, ­Naturschutz und Jagd sowie ­Natur- und Tierschutzrecht. Für den Fall der Fälle würden er und Lena Ovenhausen sich auch weiterhin als erste Auffangstation für verwaiste Jungtiere zur Verfügung stellen.

Ziel ist, für die drei Keilerchen nach der Säugeperiode ein passendes Wildgehege zu finden, wo die Tiere mit weiteren Artgenossen zusammenleben können.

  • Die Autorin Ingrid Knapp ist Pressesprecherin der Jägervereinigung Hinterland.

von Ingrid Knapp

Eine Extraportion Milch verabreichen Lena Ovenhausen und Dennis Clös „ihren“ Frischlingen. Foto: Ingrid Knapp
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