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Richter sagen vor Richtern aus

Missbrauchsprozess Richter sagen vor Richtern aus

Was Richter oftmals von Zeugen oder Angeklagten zu hören bekommen, 
berichteten diesmal 
Berufsrichter: Sie konnten sich an gehörte Aussagen nicht genau erinnern.

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Im Missbrauchsprozess ging es um die vor zwei Jahren geäußerten Aussagen der Zeugen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Im vor dem Marburger Landgericht erneut aufgerollten Missbrauchsprozess wurden am Mittwoch die Richter vernommen, die den 31-jährigen Biedenkopfer 2015 freisprachen. Ihr Urteil hob der Bundesgerichtshof auf Revision der Staatsanwaltschaft auf.

In jenem ersten Verfahren wurde der Vorwurf der Vergewaltigung eines minderjährigen Jungen abgetrennt, weil Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Aussagen bestand. Vor der Aussage der Berufsrichter am Mittwoch stellte Verteidigerin Katja Huster klar, dass ihr Mandant später auch in diesem Fall einen Freispruch erhielt.

Dies, weil der Zeuge ein aussagepsychologisches Gutachten verweigert habe und auch nicht zur Verhandlung erschien. Gleichlautende Vorwürfe, so Huster, habe der junge Mann bereits zuvor gegen seinen eigenen Bruder geäußert, weshalb der Angeklagte mit ihm bei der Polizei war.

„Die übrigen Vorwürfe waren längst nicht so schwerwiegend“, betonte der Vorsitzende des ersten Prozesses, Dr. Thomas Wolf. Wie jetzt ging es um den mutmaßlichen Missbrauch eines 13-Jährigen, den der Biedenkopfer unsittlich berührt, und einen zum Tatzeitpunkt 15-Jährigen, den er sexuell bedrängt haben soll, jeweils ausnutzend, dass diese schliefen.

Angeklagter: Leide unter langer Verfahrensdauer

An die Aussagen der Zeugen konnten sich die damals beteiligten Richter nicht mehr genau erinnern. Aus den Aufzeichnungen einer Richterin ging aber hervor, dass sie sich wie im zweiten Verfahren auch, nur zögerlich äußerten. „Sie hatten eigentlich keine Lust, nach der Polizei vor Gericht noch einmal auszusagen“.

Auch gab es Widersprüche und teils kamen die Antworten nur nach dem Vorhalt früherer Vernehmungen. Einer der Jungen, so der Eindruck der Richterin, habe sogar versucht, den Angeklagten zu schützen. Zuletzt sagte der heute 20-Jährige aus, mit diesem immer noch gut befreundet zu sein.

Der Angeklagte bestreitet nach wie vor alle Taten, betonte unter der langen Verfahrensdauer von mittlerweile fünf Jahren sehr zu leiden. „Vor zwei Jahren gab es einen Freispruch, und dann kommt ein Brief, dass ich schon wieder vor Gericht erscheinen muss.“

Eigenen Angaben nach fällt es dem Biedenkopfer schwer, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen und er befindet sich in ärztlicher Behandlung. Der Mann vermutet, dass seine Ex-Frau hinter den Vorwürfen steckt. Sie hatte ihn auch vergebens wegen angeblichen Missbrauchs eines gemeinsamen Kindes angezeigt.

  • Der Prozess wird am Freitag, 8. Dezember, fortgesetzt. Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen, sodass Plädoyers und Urteil folgen sollen.

von Heiko Krause

Mehr zu diesem Thema: Ex-Frau belastet Biedenkopfer
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