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Berggaststätte statt Berghütte

Sackpfeifen-Konzept Berggaststätte statt Berghütte

Die „Berghütte“ auf der Sackpfeife ist endgültig Geschichte – wenn die derzeitige Planung für ­einen Nachfolgebau Wirklichkeit wird. Zwei Varianten stehen zur Wahl. ­Kostenpunkt: 1,2 oder 1,8 Millionen Euro.

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Dieser turmartige Entwurf ist der Form einer echten „Sackpfeife“ nachgebildet. Kleines Bild: Die günstigere Variante ohne ­Obergeschoss und Dachaufbau.

Quelle: Stefan Gaschler

Biedenkopf. Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) hat die Pläne mit dem Biedenkopfer ­
Architekten Stefan Gaschler und weiteren Mitarbeitern der Verwaltung vorgestellt. Der Rathauschef verwies auf die Ergebnisse der Bürgerbefragung im Frühjahr. 92 Prozent der Teilnehmer hätten die Gastronomie auf der Sackpfeife als sehr wichtig oder wichtig bezeichnet. Von den 1562 Anregungen zur Sackpfeife hätten sich 364 mit der Gastronomie befasst, also fast ein Viertel. Besonders oft sei der Wunsch nach verlässlichen Öffnungszeiten genannt worden, betonte Thiemig.

Mit der Sackpfeife verfüge Biedenkopf über ein Alleinstellungsmerkmal. Sie sei der höchste Berg im Landkreis und ein beliebtes Ausflugsziel. Umso mehr komme es darauf an, die Sackpfeife durch ein attraktives Gebäude und einen Gastronomiebetrieb zu stärken, der aus sich selbst heraus leben kann. Beispielhaft verwies der Bürgermeister auf die Lokale am Perf­stausee und in Katzenbach: Sie befinden sich ebenfalls in isolierter Lage, würden infolge ­ihres attraktiven Angebots aber laufen.

„Entscheidend, dass der Außenbereich funktioniert“

„Es sollte etwas Besonderes sein“, so verstand Architekt Stefan Gaschler den Auftrag nach eigenen Worten. Das Besondere zeigt sich zum einen an Form und Fassade. Der Bau ist dreieckig, wobei die Ecken abgeflacht und die drei Seiten gerundet sind. Der gesamte Gastraum soll verglast werden und so den Blick in unterschiedliche Richtungen ermöglichen: zum Spielplatz, zur Bergstation und über den Skihang hinaus in die Ferne. „Wir wollen damit ausdrücklich das Gipfelerlebnis betonen“, erklärte Thiemig.

285 Quadratmeter umfasst das Erdgeschoss, in dem sich neben dem 114 Quadratmeter großen Gastraum unter anderem Küche und leicht zugängliche Toiletten befinden. Über Treppen ist sowohl von außen als auch von innen ein Obergeschoss erreichbar. Hier stehen nochmals 85 Quadratmeter zur Verfügung. „Gesellschaften könnten über die Außentreppe hineingehen“, erläutert Gaschler.

Über eine weitere Treppe würde man zu einer 144 Quadratmeter großen Dachterrasse gelangen. „Hier hätten Sie nochmals gute Aussicht“, betont der Architekt. Damit die auch wirklich gegeben ist, rückt die neue Berggaststätte im Vergleich zur ehemaligen Hütte ein wenig Richtung Skihang vor. Umgeben ist der Gastraum im Erdgeschoss von einer großen Terrasse. „Entscheidend ist, dass der Außenbereich funktioniert“, zeigte­ sich der Architekt überzeugt. Zu den 60 Sitzplätzen im Gastraum kommen ­außen nochmals 60 bis 70 hinzu. Ein Imbissverkauf aus der Küche heraus bliebe möglich.

Gaschler: Kosten nur „grober Anhaltswert“

Eine weitere Besonderheit dieses Entwurfs ist der Dachaufbau. Während das Obergeschoss etwa vier Meter über dem Boden liegt und die Dachterrasse acht Meter, reckt sich von dort ein hohes turmartiges Gebilde in 40 Meter Höhe. „Ich kenne die Sackpfeife seit meiner Kindheit“, erläutert Gaschler, „und ich kenne sie als Berg der Türme.“ Um dieses Motiv, das durch Fernsehturm und OHGV-Turm vorgegeben sei, und den Namen „Sackpfeife“ gestalterisch umzusetzen, habe er einen pfeifenförmigen Dachaufbau geplant.

Die Kosten für die Umsetzung dieses Vorentwurfs zu schätzen, sei schwierig, sagt Gaschler, nicht zuletzt hänge der Preis von den verwendeten Materialien ab. Die veranschlagten 1,8 Millionen Euro seien als „grober Anhaltswert“ zu verstehen. Als der Magistrat diese Summe hörte, bat er Gaschler um einen weiteren Entwurf mit einer kostengünstigeren Variante. Die ist immer noch weit entfernt von dem Konzept einer „Berghütte“, schlägt aber „nur“ mit rund 1,2 Millionen Euro zu Buche.

In diesem Entwurf entfallen­ Obergeschoss, Turmaufbau und die Treppe im Inneren. Die Dachterrasse ist lediglich über eine Außentreppe erreichbar. Auch die Fläche hat sich insgesamt ein wenig reduziert. Das Konzept als Ganzes sei aber erhalten geblieben, unterstreicht Thorsten Schmack vom Fachbereich Bauen: der moderne Baukörper mit den großzügigen Glasfronten und der horizontal orientierten Fassade.

Pläne sind genehmigungsfähig

„Wir wollten das Gipfelerlebnis anders darstellen“, fügt Thiemig hinzu. Selbstverständlich sei dies für die Sackpfeife nur „ein erster Schritt, dem weitere Folgen müssen“. Intern sind die Entwürfe schon des Längeren in der Diskussion. Der erste Vorentwurf datiert auf den 29. September letzten Jahres, die dazugehörige Kostenschätzung legte Gaschler der Stadt etwa einen Monat später vor. Die günstigere Variante folgte schließlich Anfang Dezember. Nun ließ der Magistrat die Entwürfe den Fraktionen zukommen, damit die Stadtverordneten sich eine Meinung bilden können.

Entstanden sei die Idee, so großzügig zu planen, in den ersten Gesprächen der Verwaltung mit dem Architekten, berichtet Thiemig auf Nachfrage. Im Magistrat sei sie aber sogleich auf fruchtbaren Boden gefallen. „Dass wir die Sichtweite betonen wollen, war von Anfang an klar“, sagt der Bürgermeister.

Genehmigungsfähig sind die Pläne – das hat die Stadt bereits mit den zuständigen Behörden beim Landkreis besprochen. Nun brauche es ein Signal der Stadtverordneten, sagen Thiemig und Jürgen Niess unisono: „Wir würden gerne bauen.“

von Hartmut Bünger

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