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Ein Hundeblick ist Dank genug

Hundehilfe Hinterland Ein Hundeblick ist Dank genug

Sandy kuschelt sich in ihr Körbchen. Dass ihr Hundeleben früher hart war, ist der Westhighland-Terrier-Dame nicht anzusehen. Die Hundehilfe Hinterland hat Sandy aufgenommen und sucht für sie ein neues Zuhause.

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Für die neunjährige Hündin Sandy sucht die Vereinschefin der Hundehilfe Hinterland, Marita ­Müller, ein gutes Zuhause.

Quelle: Susan Abbe

Biedenkopf. Bis ein zuverlässiger Halter für Sandy gefunden ist, steht ihr Körbchen im Wohnzimmer von Marita Müller. Die Biedenkopferin ist Vorsitzende der Hundehilfe. Nur sieben Mitglieder zählt der Verein. Aber die leisten eine Menge: Jedes Jahr finden sie für etwa 60 Hunde, die aus schlechter Haltung in Deutschland oder Ungarn stammen, ein Zuhause.

Angefangen hat alles vor 17 Jahren, als Marita Müller sich bei einer Ungarn-Reise in ­einem dortigen Tierheim umschaute.­ „Das hat mich wie ein Keulenschlag getroffen“, sagt die 55-Jährige. „350 halb verhungerte Hunde lebten dort.“ Die Bilder ließen sie nicht los. Sie informierte sich, erfuhr, dass es Tierheimen in Ungarn an allem fehlt und die Tötung von Hunden Normalität ist. Müller begann, Futterspenden, Decken und Medizin zu sammeln und alle­ zwei Monate Hilfstransporte zu ungarischen Tierheimen zu fahren. Der Aufwand – allein die Fahrtkosten lagen pro Tour bei 300 Euro – war groß.

„Gleichzeitig haben wir angefangen, Pflegestellen zu suchen, um Hunde aus Ungarn mitbringen zu können“, berichtet Müller. Fünf bis sechs Tiere, die geimpft und kastriert wurden, brachte sie pro Fahrt ins Hinterland mit, um sie hier an zuverlässige Halter zu vermitteln. 85 Euro zahlte Müller pro Hund in Ungarn, in Deutschland gab sie die Tiere für eine Vermittlungsgebühr von 200 Euro an die neuen Halter ab. Der erzielte Erlös floss direkt in den nächsten Hilfstransport.

Unterstützung durch Tierarzt und Kreisveterinäramt

Doch die Rechnung ging nur bedingt auf. Mehrkosten entstanden zum Beispiel, wenn Tiere erkrankten. 2004 entschloss sich Müller deshalb, die Hundehilfe Hinterland als gemeinnützigen Verein zu gründen und ihr Engagement so auf professionellere Füße zu stellen.

Bis heute ist der Verein eine kleine, aber engagierte Gruppe­ von Tierschützern geblieben. Allein stehen die sieben Mitglieder indes nicht da. Denn das Team hat viele Kontakte aufgebaut. Pflegestellen wurden gefunden, wo Hunde vorübergehend unterkommen, bis ein neues, dauerhaftes Zuhause gefunden ist. Kontakte zu Firmen wurden geknüpft, um Sach- und Geldspenden einzuwerben. Mit Dr. Wilfried Flaig (Dautphetal) steht dem Verein ein engagierter Tierarzt zur Seite. Auch die Zusammenarbeit mit dem Kreisveterinäramt ist eng.

Das Tierschutz-Engagement hat Müller seit der Vereinsgründung noch ausgebaut. Neben den Hilfstransporten hat die Hundehilfe Impf- und Kastrationsprogramme in Ungarn gestartet. „Für 400 Euro können in Ungarn 25 Hunde kastriert werden“, berichtet Müller.

Die Vorsitzende bringt nach wie vor aus Ungarn Hunde mit nach Deutschland. „Wir bringen ältere, aber gesunde Hunde­ ­
mit, die lieb und verträglich sind“, erklärt Müller. Jeder eingeführte Hund wird dem Veterinäramt gemeldet. Müller selbst besitzt den für ihre Arbeit gemäß dem Tierschutzgesetz ­nötigen Sachkunde-Schein.

Acht Pflegestellen hat der Verein zurzeit. „Das ist zu wenig“, sagt Müller mit Blick auf einige „Langzeitsitzer“, die schwer vermittelbar sind. Der fünfjährige Dackel-Mix-Rüde Jack zum Beispiel, der auf einem Boot ­beschlagnahmt wurde, lieb und verspielt ist, wartet seit eineinhalb Jahren auf ein Zuhause.

Trotzdem: Bei 60 Hunden im Jahr klappt es mit der Vermittlung. Weil Müller und ihr Team dranbleiben. Wie gut sie vernetzt ist, hat die Vereinschefin zum Beispiel 2016 bewiesen, als sie in nur einer Woche neue Halter für sämtliche Tiere des damaligen Sackpfeifen-Tiergeheges fand. Dass die Vermittlung des Wildschweins Emma, die aus ihrem neuen Gehege ausbrach und erschossen wurde, damals schiefging, schmerzt Müller bis heute.

„Keine Skrupel, ein Tier wieder wegzuholen“

Überhaupt: Tierschutz ist eine emotionale Kiste. Auch für Müller, die schon viele katastrophale Tierhaltungen gesehen hat. Und zwar nicht nur in Ungarn. Denn auch um verwahrloste Tiere aus dem Hinterland kümmert sich die Hundehilfe, die derzeit neben fünf Hunden aus dem Ausland auch vier deutsche in Pflege hat. Die neunjährige Sandy zum Beispiel, die sechs Jahre in einem Hinterländer Schuppen eingesperrt war und verletzt zur Hundehilfe kam. Oder den fünfjährigen Pudel Mio, der länger als ein Jahr eingesperrt war und so traumatisiert ist, dass er nicht allein bleiben kann.

Finanzielle Unterstützung von Kreis oder Stadt bekommt die Hundehilfe für die Aufnahme herrenloser Tiere nicht. An Spenden nimmt der Verein gut 500 Euro im Jahr ein. Haupteinnahmequelle ist aber die Gebühr, die der Verein für die Tiervermittlungen erhebt. „Wenn wir nicht vermitteln, haben wir kein Geld“, sagt Müller, betont aber, dass der Verein bei jeder Vermittlung genau hinschaue. An offensichtlich ungeeignete Halter werde kein Tier abgegeben. Zudem schließe der Verein immer einen Tierabgabevertrag. „Und ich habe keine Skrupel, ein Tier wieder wegzuholen, wenn der Vertrag nicht eingehalten wird“, sagt Müller.

Glücksmomente sind es hingegen, wenn Müller bei Besuchen feststellt, dass die Tiere­ ein schönes Zuhause gefunden haben. „Es sind die Happy-End-Geschichten, die zum ­Weitermachen motivieren“, sagt die 55-Jährige. Und solche Geschichten erlebt sie im Jahr immerhin einige Dutzend Mal.

Infos im Internet auf www.hundehilfe-hinterland.de

von Susan Abbe

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